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Der Matten-Tüftler aus Bad Lippspringe

Oxiegen erweitert sein Produkt-Portfolio ab 2018 auch um Bauchemie

Die Empfangsdame bei Oxiegen ist ein Herr – und ein pelziger dazu. Haushund Salvo begrüßt uns freundlich und Schwanz wedelnd am Eingang, bevor auch Herrchen Heinfried Watermann auftaucht. Der Geschäftsführer und Gründer des westfälischen Unternehmens schlägt gleich vor, zum Werksrundgang aufzubrechen.

Natürlich ist Salvo beim Rundgang durch die Hallen in Bad Lippspringe ebenfalls dabei, denn der quirlige Mischling aus Beagle und Australian Shepherd gehört bei Oxiegen sozusagen zum Inventar. Er verdeutlicht auf eine sehr sympathische Art und Weise, dass Oxiegen für einen gesunden Mittelstand steht, der ohne protzige Empfangstresen auskommt, aber dafür mit umso mehr mit Unternehmergeist und Erfindungsreichtum glänzt.

Vor allem der Erfindergeist steckt nicht nur in den Genen von Heinfried Watermann, sondern auch in den Wurzeln der Firma Oxiegen. 2006, mit Anfang Sechzig, wagte der ehemalige Schomburg Mitarbeiter noch einmal den Sprung in die Selbstständigkeit. In einem Alter, in dem andere an Rente und Enkelkinder denken, begann der grauhaarige Tüftler zusammen mit seiner Frau noch einmal einen Neustart. Er war unterwegs bei den Kunden, sie managte das Büro. „Mit Fleiß, ein paar pfiffigen Ideen und guten Kontakten kann man ziemlich weit kommen,“ weiß Watermann mit einem verschmitzten Lächeln heute zu erzählen.

Interview Heinfried Watermann, Oxiegen

Seine guten Kontakte aus Schomburg Zeiten kamen ihm bei der Firmengründung zugute. Anfangs waren die Kunden jedoch wenig angetan von dem Newcomer. Oxiegen betrat zu einer Zeit den Markt, als der Großhandel gerade dabei war die Anzahl seiner Lieferanten drastisch zu verringern. Also ging Watermann direkt zum Kunden, sprich zum Fliesenleger. Mit Erfolg: Heute zählt Oxiegen allein in Deutschland rund 1000 Kunden. Auch in Frankreich, Luxemburg, Belgien, Österreich und neuerdings in Spanien ist man aktiv, überwiegend mit angestellten Außendienstlern.

Know how über „technische Textilien“

Natürlich half Watermann auch sein Know how über „technische Textilien“, Oxiegen aus der Taufe zu heben. Matten, oder besser gesagt „technische Textilien“, sind Watermanns Passion. Das merkt man auch bei der Werksführung. Der Firmengründer kennt jedes Detail seiner Produktion, hat die Produkte und die Maschinen zur Herstellung fast alle selbst entworfen. „Wir haben zunächst eine Idee, die wir in Handfertigung oder auf kleinen Maschinen ausprobieren. Erst wenn alles klappt lassen wir dann die Maschinenbauer kommen und die Anlage so bauen wie wir sie brauchen,“ so Watermann.

Was man aus „technischen Textilien“ alles so machen kann…

Folien und Matten für diverse Einsatzgebiete sind das wichtigste Produktsegment des Unternehmens. Die werden geknickt, gestanzt, ausgeschnitten, beklebt und sogar mit Quarzsand bestreut. Der Sand wird auf die Folie aufgestreut, erhitzt, gepresst und mit einer zweiten Abschlussfolien versehen. Dabei kommt eine innovative Matte heraus, die vor allem für die Trittschalldämmung geeignet ist und über eine hervorragende Wärmeleitfähigkeit verfügt. Natürlich eine Erfindung, die zum Patent angemeldet wurde. Ebenso wie das Europa-Patent für eine Kapillarsperre aus Dichtbandstreifen. Die aus nicht wasserleitenden PE-Folien gefertigten Streifen weisen gegenüber normalen Vlies-Folien zahlreichen Vorteile auf, u.a. auch eine sehr gute Längsdehnfähigkeit. „Unsere Produkte sollen innovativ sein und Lösungen aufzeigen. Darüber hinaus sollen sie ohne Schadstoffe sein und zudem per Post versendet werden können,“ so Watermann. Der Versand per Post hört sich zunächst etwas ungewöhnlich an, spart aber hohe Logistikkosten und ermöglicht eine große Flexibilität im täglichen Kundengeschäft.

Heinfried Watermann erläutert Feuchtigkeitssperre mit Dichtband

Manche Folien werden sogar mit Quarzsand bestreut.

Die Kunststoffbahnen, Manschetten und Dichtbänder, die z.T. sogar selbstklebend sind, machen heute ca. 40 % Prozent beim Oxiegen Umsatz aus. Weitere 30-35 % umfassen die Produkte zur Entkoppelung, wie die innovative Sandfolie. Der Rest umfasst Bauchemie. Diesen vollkommen neuen Geschäftszweig hat Watermann erst vor rund einem Jahr aus der Taufe gehoben. Durch den vorgeschriebenen Systemgedanken der DIN 18534 musste er seinen Kunden nun auch Kleber und Abdichtungsprodukte aus einer Hand anbieten. Deshalb hat Watermann mit 74 Jahren noch einmal etwas ganz Neues angefangen und mit einem Investitionsvolumen von 2,5 Mio. Euro ein Werk für Bauchemie in Bad Lippspringe aus dem Boden gestampft. Dort werden Big-Packs und Sackware gefertigt und verpackt, 4.000 Tonnen sind im Einschicht-Betrieb pro Jahr möglich. Oxiegen versucht ein breites Produktspektrum anzubieten.„Das neue Werk macht uns zum Vollsortimenter und Abdichtungsspezialisten mit einem kompletten selbst produzierten Portfolio DIN- und normgerechter Verbundlösungen.“ Natürlich hätte er die Bauchemie Ware ebenso zukaufen können. Aber schlechte Einkaufs-Konditionen und die Gefahr, sich von anderen abhängig zu machen, waren Watermann ein Dorn im Auge. „Also haben wir was noch einmal die Ärmel hochgekrempelt.“

Das neue Bauchemie-Werk

Philipp Overkott neuer Geschäftsführer

Doch so ganz kann Heinfried Watermann sein Alter nicht mehr zur Seite wischen. Deshalb hat er sich letztes Jahr junge und tatkräftige Hilfe in Person von Philipp Overkott an die Seite geholt. Der 29-jährige absolvierte nach der Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann ein betriebswirtschaftliches Studium und startete seine berufliche Laufbahn im Baustoff-Großhandel. Es folgte eine mehrjährige Tätigkeit im Oxiegen-Vertrieb. Danach wechselte Overkott als Assistent der Geschäftsleitung in die Führungsetage, bevor er 2018 auf dem Geschäftsführer-Sessel Platz nahm.

Seit 2018 unterstützt Philipp Overkott den Firmengründer als Geschäftsführer.

Wer die beiden so Seite an Seite sieht merkt, das hier Jung und Alt ein gutes Team bilden. Ein Team, das heute ein Unternehmen mit 26 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von knapp 5 Mio. Euro lenkt. Das erste Quartal in 2019 ist ebenfalls hervorragend angelaufen, erzählt Watermann nicht ohne Stolz. Man hat nicht den Eindruck, dass sein Elan mit den Jahren nachgelassen hat. „Ich wüsste auch gar nicht, was ich ohne meinen Job machen sollte,“ erzählt der rüstige Firmenchef zum Abschied. Und wie zur Bestätigung bellt Firmenhund Salvo noch einmal dazu.

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