Boizenburg: Positives Signal für den deutschen Fliesenmarkt

Investition in Produktionslinie für Terrassenplatten ist ein mutiger Schritt

Ein Kommentar von Ralf Schanze, Chefredakteur 1200Grad

Es wird für die deutsche Fliesenindustrie immer schwieriger, sich gegen den ausländischen Wettbewerb zu behaupten. Insbesondere bei der Massenware und dem Sortiment in der mittleren Preislage haben die deutschen Produzenten preislich fast keine Chance mehr. So Branchenexperte Carlo Cit in einem Beitrag für 1200Grad von Anfang Oktober dieses Jahres (siehe unser Bericht hier).

Heute können Polen, Türkei, Indien und andere Länder wesentlich preiswerter produzieren als die deutschen Hersteller. Die Gründe dafür sind vielfältig: Fehlende staatliche Subventionen, das Ausbleiben dringender Modernisierungsmaßnahmen der Produktionsanlagen, fehlendes Kapital. Nicht alle Probleme, die den deutschen Herstellern aktuell Sorgen machen, sind Haus gemacht. Aber die Vorwürfe, dass man einige Marktentwicklungen schlicht verschlafen hat, zu wenig unternehmerischen Mut zeigte und zu zaghaft im Marketing agierte, lassen sich zweifellos nicht so ganz vom Tisch wischen.

Mit einer Investition in Höhe von 10 Millionen Euro initiiert Boizenburg Fliesen nun die Gründung einer neuen Produktionsgesellschaft zur Herstellung von keramischen Terrassenplatten in Aschersleben. „Es wird Zeit die Verantwortung, die wir in Deutschland für unsere Branche haben neu zu definieren,“ sagt Alexander R. Stenzel, CEO und Eigentümer der Boizenburg Fliesen GmbH. Markige Worte für einen unternehmerischen Paukenschlag, den die deutsche Fliesenindustrie schon lange nicht mehr feiern konnte. Die Investition in eine deutsche Produktionsanlage schien vielen Hersteller nicht mehr zukunftsgerecht. Doch Stenzel, in der Branche dafür bekannt gerne andere, eigene Wege zu gehen, wagt nun das Investment.

Einer der Gründe, die dazu eventuell geführt haben mögen, ist auch die Corona-Krise. In den Zeiten der Pandemie hat sich gezeigt, wie wichtig es ist eigene Produktionslinien in Deutschland zu haben und nicht von verzweigten Logistikketten abhängig zu sein. Die aktuelle Situation mit Lieferengpässen unterstreicht diese These noch einmal eindrucksvoll.

Dass man sich dafür das Segment der Terrassenplatten ausgesucht hat, überrascht nicht. Die dicken Outdoor-Platten stehen nicht so stark im täglichen Preiskampf, wie die Massenware für Wand und Boden. Auf jeden Fall ist dieser Schritt von Boizenburg ein positive Signal für die deutsche Fliesenindustrie, die vielleicht doch noch eine Zukunft hat gegen die ausländische Konkurrenz.

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