BKF-Mitglieder verlieren drastisch Marktanteile

Italienische Hersteller bauen Marktanteile weiter aus

Carlo Cit von der Hansa Unternehmensberatung analysiert exklusiv für 1200Grad mit seinem aktuellen Zahlenmaterial die Situation der deutschen Fliesenhersteller. Sein Fazit: Es wird für die deutsche Fliesenindustrie immer schwieriger, sich gegen den ausländischen Wettbewerb zu behaupten. Insbesondere bei der Massenware und dem Sortiment in der mittleren Preislage haben die deutschen Produzenten preislich fast keine Chance mehr.

Der Wettbewerb ist für die deutsche Fliesenindustrie auch höchst unfair. Ein Beispiel: Polen hat von 2014 bis 2020 84 Milliarden Euro Subventionen aus dem EU-Topf aus Brüssel erhalten. Davon ist auch ein erheblicher Teil in die Modernisierung der Produktionsanlagen der polnischen Fliesenindustrie geflossen. D.h. mit deutschen EU-Geldern wird die deutsche Fliesenindustrie durch ausländische Fliesenindustrien geschwächt.

Heute können Polen, Türkei, Indien und andere Länder wesentlich preiswerter produzieren als die deutschen Hersteller, die vom Staat keine Unterstützung bekommen haben. Dazu kommt noch, dass in einigen Werken in den letzten Jahren dringende Modernisierungsmaßnahmen der Produktionsanlagen hätten durchgeführt werden müssen. Dies konnte teilweise nicht erfolgen, weil die finanziellen Mittel dazu fehlten.

Italienische Hersteller bauen Marktanteile weiter aus

Im mittleren und gehobenen Preissegment beherrschen die italienischen Produzenten nicht nur den deutschen Markt, sondern sind in diesem Segment in Europa absolut führend und bauen diese Führung weiter aus.

Was den deutschen Markt betrifft, haben die Italiener beim Absatz einen Marktanteil von ca. 46 % und beim Umsatz, den die in- und ausländischen Produzenten im deutschen Markt erzielen, liegt der Marktanteil bei ca. 56 %. D.h. die italienischen Produzenten dominieren den deutschen Markt. Der deutsche Markt ist für die italienische Fliesenindustrie der wichtigste Exportmarkt weltweit.

Wie hat sich die deutsche Fliesenindustrie seit 2008 entwickelt?

– 2008: Absatz der Mitglieder des BKF 39,7 Mio. qm

– 2020: Absatz der Mitglieder des BKF 25,7 Mio. qm

Seit 2008 haben die Mitglieder des BKF somit 14,0 Millionen Quadratmeter verloren oder 35,3 %!

Der Umsatz ist ähnlich stark zurückgegangen, obwohl sich der Fliesenabsatz 2009 von 105,0 Millionen Quadratmeter auf 136,6 Millionen Quadratmeter (plus rd. 31 Millionen Quadrat-meter) oder plus rd. 30 % bis 2020 verbessert hat. Leider haben die deutschen Hersteller an dem Absatzzuwachs nicht teilgenommen, sondern noch weitere Marktanteile verloren.

Buchtal und Agrob haben nach wie vor einen hervorragenden Ruf im Objektgeschäft, und darauf kann aufgebaut werden. Viele Marken, die früher von großer Bedeutung waren, haben im Markt an Strahlkraft verloren und sind fast bedeutungslos geworden. Wenn man alle vorhandenen Faktoren für die weitere Entwicklung als Basis nimmt, wird die Zukunft für die deutsche Fliesenindustrie immer schwieriger werden.

Bilanz des ersten Halbjahres 2021

Noch einen Blick auf die Entwicklung des ersten Halbjahres 2021. Der Absatz hat zwischen
6-8 % zugelegt und die Gewinner waren wieder ausländische Produzenten. Der Trend, dass die Mitglieder des BKF weitere Marktanteile verlieren, geht leider ungebremst weiter.

Fazit: Schon vor Jahren hätte die deutsche Fliesenindustrie mit dem Fachhandel Konzepte entwickeln müssen, damit die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Fliesenindustrie nachhaltig gestärkt wird. Aber dieser Zeitpunkt wurde verpasst und jetzt haben wir die Situation, dass die ausländische Fliesenindustrie, insbesondere die Italiener, Spanier und Türken die Profiteure sind.

Carlo Cit

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