Kerbon Duschwand in Betonoptik. Foto: Steuler

Norddeutsche Steingut AG: 1. Halbjahr durch Corona beeinträchtigt

Vertriebsaktivitäten durch dritte Corona-Pandemiewelle gebremst

Die Norddeutsche Steingut AG blickt auf ein operativ noch durch die Corona-Pandemie belastetes erstes Halbjahr 2021 zurück, das jedoch ganz im Zeichen der fast komplett umgesetzten gesellschaftlichen Umstrukturierung der Norddeutsche Steingut AG und ihrer Tochtergesellschaften stand (wir berichteten bereits hier).

Die Optimierung der Formalorganisation der Steuler Fliesensparte schreitet planmäßig voran, heißt es von Seiten des Unternehmens. Nach den beiden per 11. Juni und 30. Juli 2021 beschlossenen Sachkapitalerhöhungen wird das Grundkapital der Norddeutsche Steingut AG (nach der noch ausstehenden Handelsregistereintragung letzterer Sachkapitalerhöhung) 8.937.012,97 EUR betragen. Ausstehend ist jetzt noch die Umbenennung der Norddeutsche Steingut AG in die Steuler Fliesengruppe AG. Für die erforderliche Satzungsanpassung wird noch die Zustimmung der ordentlichen Hauptversammlung am 26. August 2021 benötigt.

Seit April zunehmend erfreuliche Tendenzen im Vertrieb

Im ersten Quartal 2021 haben die dritte Corona-Pandemiewelle und die mit ihr einhergehenden Lockdown-Maßnahmen die Vertriebsaktivitäten des Norddeutsche Steingut Konzerns stark beeinträchtigt. Zudem wurden Lieferengpässe bei Lieferanten festgestellt. Ein weiterer belastender Faktor waren Effizienzprobleme in den Fliesenwerken, die aus einem corona-bedingten relativ hohen Krankenstand, vornehmlich aus den Quarantäne-Vorschriften, resultierten.

Die Konzernumsatzerlöse sanken im ersten Quartal auf 22,8 Mio. EUR (Vj.: 25,4 Mio. EUR). Inklusive der Bestandsveränderungen – die auf ein gegenüber Vorjahr halb so hohes Niveau gesunken sind – wurde eine Konzerngesamtleistung in Höhe von 22,3 Mio. EUR (Vj. 24,3 Mio. EUR) erzielt. Für 2021 plant der Vorstand einen weiteren Bestandsabbau. Dem standen Kosteneinsparungen beim Materialaufwand und den sonstigen betrieblichen Aufwendungen gegenüber. Beide Aufwandsquoten konnten gegenüber dem Gesamtjahr 2020 verbessert werden, was die Wirksamkeit der in 2019 initiierten umfangreichen Turnaround-Maßnahmen belegt.

Ohne die pandemiebedingten Umsatzverluste wäre es für den Norddeutsche Steingut Konzern sehr realistisch gewesen, das erste Quartal 2021 mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen zu haben. So weist der Konzern für das erste Quartal 2021 ein negatives Quartalsergebnis von 0,4 Mio. EUR (Vj. Überschuss von 0,1 Mio. EUR) aus. Hervorzuheben ist, dass das erste Quartal 2020 noch nicht von der Corona-Pandemie beeinträchtig gewesen war.

Seit April 2021 wurde umsatzseitig das Vorjahresniveau wieder erreicht bzw. überschritten. Die Arbeiten am Halbjahresabschluss 2021 laufen, weshalb für das erste Halbjahr 2021 an dieser Stelle noch keine konkreten Finanzkennzahlen genannt werden können. Voraussichtlich ergibt sich für das erste Halbjahr 2021 noch ein Umsatzrückstand zum Vorjahreszeitraum von rund drei Prozent.

Neue Geschäftsfelder „Ceramic District“

In 2021 wird der Fokus verstärkt auf die neuen Geschäftsfelder „Ceramic District“ (der Zugang zum Objektgeschäft über die intensivierte Zusammenarbeit mit Architekten) und „Outdoor-Keramik-Systeme“ (die Fliese in neue Anwendungsfelder, wie beispielsweise in den Garten- und Landschaftsbau, zu bringen) gerichtet. Die Corona-Pandemie erschwert jedoch auch in 2021, die hier gesetzten Wachstumsziele zu erreichen.

Im Produktmix wird der Nachfrage folgend mehr auf großformatige Fliesen – 60 x 60 cm und größer – sowie Outdoor gesetzt. Der Anteil kleinformatiger Fliesen am Sortiment wird weiter reduziert. Darüber hinaus kann der Vorstand über die jüngsten Innovationen „Kerbon“ und „Smartiles“ berichten:

– Kerbon ist ein neuartiger Hightech-Werkstoff – ein Kompositwerkstoff aus Keramik und Armierung. Er vereint die robuste, unempfindliche und hygienische Oberfläche der Keramik mit einer einzigartigen Stabilität und Haltbarkeit. Bereits im November 2020 ist der Vertrieb der Kerbon-Wandelemente gestartet. Hier handelt es sich um eine Systemlösung für neuartige, designorientierte Duschabtrennungen, Raumteiler und Sichtschutz. Diese Lösung ist geeignet für private Bäder, Schwimmbäder, Umkleiden und Wellness. Weitere Anwendungsfelder für diese innovative Keramiklösung sind in Vorbereitung.

Smartiles Rockford Grau 120 x 60 CM. Foto: Steuler

– Smartiles sind keramische Bodenfliesen mit intelligenter rückseitiger Beschichtung aus Naturkork. Zum Verlegen wird kein Mörtel oder Kleber mehr benötigt. Smartiles werden trocken verlegt. Das hat den Vorteil, dass die Fliesen sofort nach der Verlegung begehbar und bereits nach 24 Stunden vollständig belastbar sind. Projekte mit smartiles lassen sich bis zu acht Mal schneller realisieren als eine klassische Fliesenverlegung. Die Zielgruppe sind vor allem Läden, aber auch Autohäuser, Büroflächen, Hotels, Museen, Gewerbebauten, Schulen und Gastronomie.

Für 2022 wird die Rückkehr in die Gewinnzone angestrebt. Hier wird der Fokus verstärkt auf margenträchtigen Produkten, Innovationen und Formaten liegen.

Aktuelles zum Firmengrundstück Bremen-Grohn

Zum aktuellen Stand des rund 10 Hektar großen, nicht mehr industriell genutzten Firmengrundstücks am Standort Bremen-Grohn: Dieses hatte die Norddeutsche Steingut AG zu Jahresbeginn 2021 an einen Projektentwickler unter der aufschiebenden Bedingung veräußert, dass der Projektentwickler in einem Zeitraum von zwei bis maximal drei Jahren das Baurecht für eine kombinierte Wohn-/Gewerbebebauung schafft. Für das auf dem Grundstück noch benutzte Fliesenlager hat die Gesellschaft ein Grundstück in Bremerhaven gefunden, auf dem eine neue Immobilie errichtet wird. Die Fertigstellung des neuen Lagers in Bremerhaven ist für das zweite Quartal 2022 vorgesehen. Das alte Lager in Bremen-Grohn wird im zweiten bis dritten Quartal 2022 aufgelöst. Hiermit verbunden verfolgt der Norddeutsche Steingut Konzern künftig auch eine andere Supply-Chain Philosophie – eine fertigungsnahe Lagerung innerhalb der Gruppe und damit die Realisierung weiterer Kosteneinsparungen. Mit einem Ergebnisbeitrag rechnet die Gesellschaft frühestens im Jahre 2023.

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