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Alle Produkte müssen durch das Nadelöhr „fachgerechte Verlegung“

Ein Fliesenmarkt ohne Schlüter-Schienen ist heute eigentlich kaum noch vorstellbar. Doch von der ersten Idee, die Firmengründer Werner Schlüter damals für seine Schienen hatte, bis zur heutigen Marktbedeutung des Unternehmens war es en langer Weg. 1200Grad unterhielt sich mit ihm über die Schlüter Erfolgsstory.

Herr Schlüter: Hätten Sie sich vor 50 Jahren mal träumen lassen, dass Ihre Schiene eine solche Erfolgsgeschichte schreiben würde?

Vor 50 Jahren, im Mai 1966, habe ich mein Fliesenfachgeschäft gegründet. 1975 hatte ich dann zur Lösung einer besonderen Problemstellung in der Praxis die Idee zu dem speziellen Abschlussprofil, das ich „Schlüter-Schiene“ nannte und zunächst aus Messing mit den fünf Typen M 60, M 80, M 100, M 125 und M 150 angeboten habe. Ich war zwar von den Vorteilen meines Produktes überzeugt, dass sich daraus aber so ein erfolgreiches Unternehmen entwickeln würde, habe ich mir damals nicht vorstellen können.

Wirkt schon fast wie ein Museumsstück: Ein Modell aus den Anfangszeiten der Schlüter-Schiene.
Wirkt schon fast wie ein Museumsstück: Ein Modell aus den Anfangszeiten der Schlüter-Schiene.

Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass die Schlüter-Schienen – vielleicht zusammen mit Rigips Platten und Ytong Steinen – einer der wenigen Marken-Gattungsbegriffe in der Baubranche sind?

Ja, das ist mir natürlich bewusst. Ich habe daher bei der Entwicklung weiterer Produkte auch für diese gezielt Markennamen geschaffen, die ebenfalls inzwischen sehr bekannt sind, auch wenn sie die Bekanntheit der Schlüter-Schiene noch nicht erreicht haben. Sie stehen aber ebenfalls als Synonyme für die Lösung bestimmter anwendungsspezifischer Herausforderungen.

Auf welches Produkt oder welche Leistung aus den 50 Jahren sind Sie am meisten stolz?

Ich glaube sagen zu können, dass ich mehrere richtungsweisende, eher als Verlegesystem zu bezeichnende Produkte entwickelt habe. Zu nennen sind hier zum Beispiel Schlüter-Troba, seit 1983 die Basis für Balkon- und Terrassen-Verlegesysteme. Oder Schlüter-Ditra und Schlüter-Kerdi, seit 1987 als Entkopplungs- und Abdichtungssysteme und Schlüter Bekotec seit 1996 als verwölbungs- und rissefreies Estrich- und Fußbodenheizungssystem. Und nicht zuletzt seit 2013 Schlüter Ditra-Heat als elektrische Flächenheizung für Wand und Boden. Insgesamt umfasst unser Lieferprogramm inzwischen etwa 10.000 verschiedene Produkttypen, die sich vielfach ergänzen, um für alle Fliesenanwendungen passende Lösungen anbieten zu können.
Was nun die Wichtigste ist, ist schwer zu sagen. Aus meiner Sicht sind es vielleicht die Ditra-Matte als richtungsweisendes Entkopplungssystem und der Keramik-Klimaboden Schlüter-Bekotec-Therm.

„Wer Fliesen legt, braucht Schlüter-Schienen“ – das gilt damals wie heute. Auch für die Balkondrainage wurde früh die Werbetrommel gerührt - mit Babywindeln aus Troba!
„Wer Fliesen legt, braucht Schlüter-Schienen“ – das gilt damals wie heute. Auch für die Balkondrainage wurde früh die Werbetrommel gerührt – mit Babywindeln aus Troba!

Schlüter war und ist ein Familienunternehmen. Inwieweit hat Ihre Familie mit zu der erfolgreichen Entwicklung beigetragen?

Meine wichtigste Stütze über die gesamten 50 Jahre meiner Selbstständigkeit war und ist meine Frau. Ohne sie ist die Entwicklung von Schlüter-Systems nicht vorstellbar. Ihr kaufmännischer und mein handwerklicher Sachverstand haben sich perfekt ergänzt.
Meine Söhne Udo und Marc sind von Kind an mit der Firma aufgewachsen und wurden schon frühzeitig mit gewissen Aufgaben betraut. Besonders hat mich gefreut, dass ich mit 65 Jahren im Jahre 2007 meinen Söhnen nach ihrem entsprechenden Studium die Geschäftsführung übertragen konnte, so dass sie heute die Verantwortung für unser Unternehmen tragen.

Die Schlüter Produkte sind immer dem Weg der Fliesen gefolgt. Deren Erfolg war in den letzten Jahren mäßig. Was wünschen Sie sich von der Fliesenbranche?

Wenn der Fliesenabsatz in Deutschland vor allem zwischen 1998 und 2010 deutlich rückläufig war, so hat es mehrere Gründe, auf die ich hier nicht eingehen möchte. Unser Umsatz ist auch in Deutschland in all diesen Jahren kontinuierlich gestiegen, so dass ich glaube, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Die Fliesenbranche besteht nach meinem Verständnis aus drei Gruppen von Marktteilnehmern. Das sind
– die Hersteller der Fliesenindustrie, der Bauchemie als Kleberhersteller und die Hersteller der technischen Produkte und Systeme,
– die regionalen Vertriebspartner der Industrie, das sind im Wesentlichen der Fliesengroßhandel, -einzelhandel und die Baumärkte,
– die Fliesenverlegebetriebe oder diejenigen, die Fliesen verlegen.
Die Produkte aller Hersteller müssen durch das Nadelöhr „fachgerechte Verlegung“. In der Aus- und Weiterbildung der Fliesenleger sehe ich die größte Herausforderung der Branche. Ich wünsche, dass sich die offizielle Ausbildung stärker an zeitgemäßen, aktuellen technischen Entwicklungen orientiert.
Wir leisten mit unseren Schulungen und technischen Informationen einen wesentlichen Beitrag zur Weiterbildung der Verarbeiter. Ein Zeugnis hierfür ist unser neues Schulungszentrum, die Schlüter-WorkBox.

Wieso entwickelt Schlüter eigentlich keine Produkte für die Parkett- und Teppichbodenbranche?

Ich befasse mich seit Beginn meiner Ausbildung im Jahre 1957 – da gab es noch keinen Dünnbettmörtel – bis zum heutigen Tag mit der Problemstellung „Wie bekomme ich Fliesen fachgerecht an die Wand, auf den Boden oder gelegentlich an die Decke?“ Das ist meine Kompetenz und die meiner Mitarbeiter. Parkett und andere Belagsmaterialien sind ein anderes Fachgebiet, wo andere Firmen eine höhere Fachkompetenz haben und sich auf anderen, branchenspezifischen Vertriebswegen bewegen.

 

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar “Der Daniel Düsentrieb der Fliesenleger“.

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