Mit dem Ziel, die Effektivität der Industrie ins Handwerk zu bringen, gründeten Giuseppe Ruffo und Evgenij Shyshkin (l.) das Startup Lupiter. Foto: Jochen Rolfes

Chatbasiertes Bestellsystem für den Baustoffhandel

Die App „Lupiter“ als unkomplizierter Einstieg in den digitalen Direktvertrieb

Handwerker und Hersteller verbringen einen großen Teil ihrer Arbeitszeit mit der Bearbeitung telefonischer Bestellungen. Tag für Tag stehen die Verarbeiter vor der Aufgabe, dass sie das benötigte Material auftragsbezogen beschaffen müssen. Sich ein Materiallager anzulegen, ist nur für sehr wenige Produkte sinnvoll, da von Auftrag zu Auftrag immer wieder andere Artikel benötigt werden. Wegen der hohen Anzahl und Variantenvielfalt der verfügbaren Artikel ist darüber hinaus die richtige Auswahl eines bestimmten Artikels mit einem enormen Suchaufwand verbunden. Eine zeitgemäße Lösung bietet die chatbasierte App „Lupiter“, mit der der Profi-Handwerker in der Baubranche sein Material einfacher und schneller bestellen kann. Mithilfe dieser digitalen Plattform, die Giuseppe Ruffo vor zwei Jahren an den Start brachte, können Baustoffproduzenten und Händler unkompliziert in den digitalen Direktvertrieb einsteigen. Unsere Fragen rund um diesen zukunftsweisenden Ansatz unter dem aktuellen Kapitel „Digitale Transformation der Baustoffbranche“ beantwortet Giuseppe Ruffo.

Herr Ruffo, vor zwei Jahren gründeten Sie Ihr Startup mit dem Namen „Lupiter“. Was gab den Anstoß, diese im Privatbereich längst etablierte Form der Kommunikation auf den B2B-Vertrieb von Baustoffen zu übertragen?

Giuseppe Ruffo: Die ursprüngliche Motivation zur Gründung von Lupiter bestand darin, die Kommunikation von Handwerksbetrieben, insbesondere bei der Beschaffung von Materialien, endlich digital abzubilden. Als angestellter Handwerker hatte ich selbst mitbekommen, wie viel Zeit administrative Aufgaben fressen, beispielsweise das Bestellen von Waren, und so unter dem Strich zu wenige Kapazitäten für das Wesentliche bleiben. Und damit letztendlich auch zu wenig Ertrag. Mit Lupiter bieten wir nun eine Technologie-Lösung, die Baustoffhändler und -hersteller nutzen können, um ihre Kunden mit einem digitalen Angebot begeistern, das diese bereits aus ihrem privaten Umfeld kennen und schätzen – zum Beispiel von Amazon oder WhatsApp. Somit nehmen wir eine zentrale Rolle bei der digitalen Transformation des traditionell geprägten, stationären Baustoffhandels und des Handwerks ein.

Vor zwei Jahren brachte Giuseppe Ruffo die digitale Plattform Lupiter an den Start. Damit steigen Baustoffproduzenten und Händler unkompliziert in den digitalen Direktvertrieb ein. Logo: Zierquadrat. Foto: Jochen Rolfes

Somit nehmen wir eine zentrale Rolle bei der digitalen Transformation des traditionell geprägten, stationären Baustoffhandels und des Handwerks ein.

Wie nehmen Sie die Branche – aus Sicht von Herstellern, Handel und Handwerk – wahr? Wo „klemmt“ es, wo sehen Sie Optimierungsbedarf und –potenzial? 

Ruffo: Aus Sicht von Handwerksbetrieben besteht das Kernproblem darin, dass Bestellungen in aller Regel per Telefon aufgegeben werden. Nicht selten dauert ein Bestellvorgang 30 Minuten, um Details zu den Produkten und zur Abwicklung zu klären, während die Fehleranfälligkeit weiterhin sehr hoch ist. Missverständnisse, die in der Bereitstellung der falschen Ware münden, kosten am Ende des Tages viel Zeit und vor allem Geld – und zwar für beide Seiten. Bei Herstellern und Händlern sorgt Lupiter vor allem für eine immense Zeitersparnis: Noch verbringen Vertriebsmitarbeiter im Durchschnitt 45 Prozent ihrer Zeit damit, Bestellungen manuell in ein System einzugeben. Ein langwieriger Prozess, der mit unserer Technologie massiv verkürzt wird.

Was ist neu an Lupiter? Welche Vorteile bringt das von Ihnen entwickelte chatbasierte Bestellsystem?

Ruffo: Ursprünglich sind wir ausschließlich als chatbasiertes Bestellsystem für den Handwerker gestartet. Die Lösung hilft dabei, Baustoffe effizient zu beschaffen und Aufträge besser zu organisieren. Der Prozess läuft vollständig digital ab, Telefonate und Papierkataloge werden so überflüssig. In der Lupiter-App gibt es beispielsweise auch Schnellbestelllisten, mit denen über das Smartphone mit einem Klick Nachschub geordert werden kann.

Der Prozess läuft vollständig digital ab, Telefonate und Papierkataloge werden so überflüssig.

Die Lieferanten wiederum erhalten eindeutige und formatierte Bestellungen mit Produkt-IDs und klaren Einheiten. Die angeschlossenen Unternehmen waren von unserer Lösung derart begeistert, dass viele von ihnen die technologische Basis exklusiv nutzen wollten. Also haben wir im vergangenen Jahr unser Geschäftsmodell erweitert und eine Whitelabel-App für Baustoffhändler und Produzenten entwickelt, über die sie ihr Produktangebot digital abbilden können. Basierend auf der Lupiter-Plattform können sie so ihre eigene App inklusive Logo und Corporate Design anbieten und vermarkten.

Giuseppe Ruffo: „Wir bringen Einfachheit und Funktionalitäten der digitalen Kommunikation mit der Power des E-Commerce zusammen, stellen so die persönliche Verbindung zwischen Käufer und Verkäufer sicher und reduzieren gleichzeitig Fehler und die Verschwendung wertvoller Ressourcen.“ Foto: Jochen Rolfes

Lupiter hat sich durch die Erweiterung des Geschäftsmodells von einem Kommunikationskanal zum zentralen Beschaffungs-Cockpit für den gehobenen Handwerksbetrieb gewandelt. Wir bringen Einfachheit und Funktionalitäten der digitalen Kommunikation mit der Power des E-Commerce zusammen, stellen so die persönliche Verbindung zwischen Käufer und Verkäufer sicher und reduzieren gleichzeitig Fehler und die Verschwendung wertvoller Ressourcen. Was man auch nicht vergessen darf: Für viele traditionelle Baustoffhändler war und ist Lupiter während der corona-bedingten Einschränkungen des stationären Handelsbetriebs eine effiziente Lösung, um ihr Warenangebot schnell zu digitalisieren und so ihre Kunden aus dem Handwerk weiterhin beraten und versorgen zu können.

Auf den ersten Blick könnte man Lupiter als branchenbezogenes Konkurrenzprodukt zu WhatsApp wahrnehmen? Was haben Sie mit diesem Messengerdienst gemeinsam? Und was sind Ihre Unterscheidungsmerkmale als B2B-Messengerdienst? 

Ruffo: Das wichtigste gemeinsame Feature sind sicherlich die Chat-Funktionalitäten, durch die die Zusammenarbeit und der Austausch – zwischen Einzelpersonen oder in Gruppen – sowohl firmenintern als auch übergreifend vereinfacht und damit verbessert wird. Obwohl wir eine Whitelabel-Lösung anbieten, wird diese aber immer auf die Bedürfnisse und Strukturen des jeweiligen Unternehmens angepasst. Der Baustoffhandel ist traditionell geprägt, weshalb sich interne Strukturen und Prozesse oftmals über Jahrzehnte entwickelt haben und sich von Kunde zu Kunde unterscheiden. Am Ende geht es aber immer darum, dass Bestellungen schnell bearbeitet werden können, ein persönlicher Kontakt mit den Vertriebsmitarbeitern gewährleistet wird und alle Beteiligten einen Überblick über den Status der einzelnen Kommissionen haben.

Was haben Sie bislang, in den knapp zwei Jahren nach Unternehmensgründung erreicht?

Ruffo: Zunächst einmal konnten wir unser Produkt zur Marktreife bringen. Das ist für viele Startups die erste große Hürde, an der nicht wenige scheitern. Uns ist das gelungen.  Darüber hinaus haben wir unser Geschäftsmodell erweitert und so ein neues Tätigkeits- und Kundenumfeld erschlossen. Unser Team ist auf sechs festangestellte Mitarbeiter gewachsen, wir haben mehrere Investoren an Bord geholt und gewinnen immer mehr namhafte Baustoffhändler und Hersteller als Kunden. Das alles zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind und die Digitalisierung des Baustoffhandels maßgeblich mitgestalten.

Das Team ist auf mittlerweile sechs festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewachsen, mehrere Investoren sind „an Bord“ und immer mehr namhafte Baustoffhändler und Hersteller gehören zum Kundenkreis von Lupiter. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, so Ruffo. Foto: Jochen Rolfes

Hat die derzeitige Pandemie Ihrem Unternehmenskonzept einen Schub gegeben? 

Ruffo: Tatsächlich haben wir mit dem Beginn der Pandemie unseren Fokus geändert und sind zu dieser Zeit maßgeblich gewachsen. Grundsätzlich konnten wir beobachten, dass sich traditionelle Umfelder wie die Baubranche aufgrund der Geschehnisse noch stärker mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen.

Was schätzen Ihre Kunden an Lupiter? 

Ruffo: Neben den genannten Vorteilen wissen Händler und Hersteller unsere Lösung vor allem deshalb zu schätzen, weil wir ihnen einen einfachen Einstieg in den Onlinehandel ermöglichen. Die wenigsten Unternehmen wären in der Lage, eine technologische Lösung wie unsere mit einem Dienstleister, geschweige denn in Eigenregie zu entwickeln. Wir bieten alles, was sie benötigen bereits als fertiges Produkt an, schneiden es auf ihr Unternehmen zu – und dann kann es auch schon losgehen. Mit unserer Plattform kann jeder Baustoffhändler und jeder Baustoffproduzent zum E-Commerce-Player werden. Die Baustoff-Partner Bussemass – Pollmeier – Zierenberg, einer unserer Kunden, wissen den Mehrwert unserer Lösung insbesondere für den Fliesenhandel zu schätzen. Wir helfen dabei, die Kunden vollumfänglich zu bedienen und nicht nur im Sortiment stark zu sein, sondern auch was die Servicequalität betrifft.

Mit unserer Plattform kann jeder Baustoffhändler und jeder Baustoffproduzent zum E-Commerce-Player werden.

Wo wollen Sie hin, was sind Ihre kurz- und mittelfristigen Ziele, Ihre Visionen? 

Ruffo: Natürlich wollen wir weitere Kunden gewinnen, unser Produkt verbessern und weiterentwickeln. Unsere mittelfristige Vision ist, eine dialogorientierte Infrastruktur für den Handel zu schaffen und zu etablieren, die jeder nutzen kann, um seine Produkte einfach und sicher direkt zu vertreiben. Ein solches Setup wäre dann sicherlich auch für Unternehmen aus anderen Branchen spannend.

Eine letzte Frage: Wie kamen Sie auf den Namen „Lupiter“?

Ruffo: Jupiter, der höchste Gott der Römer, wird in manchen Quellen auch „Lupiter” genannt. Das hat uns gut gefallen – zumal wir natürlich das Ziel haben, in der Welt ähnlich bekannt zu werden. (lacht)

„Die Baustelle rückt näher an uns heran“

Rüdiger Lückheide, Abteilungsleiter Fliesen beim ostwestfälischen Baustoffhändler Die Baustoff-Partner Bussemas – Pollmeier – Zierenberg: „Wir als mittelständisches Unternehmen mit einer leistungsfähigen Fliesensparte legen besonderen Wert auf klare und zeitnahe Kommunikation mit unseren Kunden. Da ist die App von Lupiter genau das Richtige.“ Foto: Die Baustoff-Partner Bussemas – Pollmeier – Zierenberg

Die Baustoff-Partner Bussemas – Pollmeier – Zierenberg sind einer der führenden Baustoffhandelsunternehmen im Kreis Gütersloh mit Standorten in Verl, Gütersloh, Bielefeld und Harsewinkel. Das Branchenunternehmen setzt bereits seit einiger Zeit im Tagesgeschäft auf ihre App mit dem Namen „Die Baustoff-Partner”, der die Lupiter-App-Technologie zugrunde liegt. „Wir als mittelständisches Unternehmen mit einer leistungsfähigen Fliesensparte legen besonderen Wert auf klare und zeitnahe Kommunikation mit unseren Kunden“, so Rüdiger Lückheide, Abteilungsleiter Fliesen. Da sei die App von Lupiter genau das Richtige. „Unser Kunde kann mit uns unkompliziert Kontakt aufnehmen oder nach Ladenschluss seine Bestellung aufgeben. Die tägliche Situation an der Baustelle rückt somit näher an uns heran. Wir können sozusagen in Echtzeit unseren Kunden an der Baustelle mit Rat und Information unterstützen.“

Zur Person: Giuseppe Ruffo

Giuseppe Ruffo (38) absolvierte nach der 10. Klasse zunächst eine Berufsausbildung zum Kfz.-Mechaniker, nach einer zweijährigen Tätigkeit als Geselle besuchte er die Meisterschule und legte seine Meisterprüfung ab, zusätzlich bestand er die Prüfung zum Betriebswirt. Nach einem Jahr als TÜV-Prüfer in Dublin folgte das Studium zum Wirtschaftsingenieur. Danach war er in der Automobilindustrie und Logistikbranche tätig, zuletzt als Operations Manager für die Region Zentral Europa in einem Konzern. Es folgte die Gründung von Lupiter, gemeinsam mit  dem Softwareentwickler Evgenij Shyshkin. Mit dem Ziel, die Effektivität der Industrie ins Handwerk bringen. Giuseppe Ruffo: „Die Baubranche bietet hier enormes Potenzial, da der Digitalisierungsgrad noch vergleichsweise gering ist.“

Weitere Infos unter www.lupiter.com.

 

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