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Valencia ist immer eine Reise wert

Spanische Fliesenfachmesse Cevisama lockt mit interessanten Innovationen

Unsere VIDEO-NEWS zu diesem Thema (Impressionen von der Cevisama).

Valencia ist immer eine Reise wert. Nicht nur wegen der schönen Innenstadt und dem Strand der Mittelmeer-Metropole, sondern auch aufgrund der spanischen Fliesenfachmesse Cevisama, die jedes Jahr Ende Februar Keramik interessierte Besucher nach Valencia lockt.

In diesem Jahr hatte die Messeleitung mit dem Schachzug, die Messe um eine Woche nach vorn zu verlegen, viele Besucher jedoch gehörig ins Schwitzen gebracht. Denn so kollidierte die Messe terminlich eng mit der BAU in München, die erst eine Woche zuvor ihre Pforten geschlossen hatte. Da aber in München nur wenige spanische Hersteller am Start war bezog sich der Terminkonflikt vornehmlich auf die Besucher, als auf die Aussteller.

Wenngleich man festhalten muss, dass die Cevisama zu früheren Zeiten wahrscheinlich noch mehr Händler, Architekten und Verleger aus Deutschland angezogen hat, da die Besucher damals zum Teil großzügig vom Spanischen Generalkonsulat bzw. der ASCER und der Messe selber bei der Anreise gesponsert wurden.

Die Zeiten sind lange vorbei, denn spätestens seit der Krise in Spanien sitzt auf der Iberischen Halbinsel das Geld nicht mehr so locker. Wer als Hersteller jedoch die letzten schwierigen Jahre gut überstanden hat, kann sich nunmehr wieder an einem leichten Aufwärtsschwung der Branche erfreuen (lesen Sie dazu auch hier unseren Bericht über die Geschäftszahlen des spanischen Herstellerverbands ASCER).

Exportgeschäft bestimmt die Neuheiten-Kataloge

In den Zeiten der Krise haben die finanzkräftigen spanischen Hersteller vor allem zwei Dinge getan: Sie haben ihre Absatzkanäle stark auf den Export fokussiert und in neue Fertigungstechnologien investiert, vor allem in die Digitaltechnologie. Der hohe Exportanteil von heute 75 % führt zwar dazu, dass die spanischen Werke unabhängiger vom nach wie vor schwachen Inlandsmarkt geworden sind. Aber wenn nun einige Auslandmärkte schwächeln, wie z.B. dieses Jahr Saudi Arabien oder die osteuropäischen Länder, dann bekommen die Spanier dies auch als Umsatzknick zu spüren. Und die Sortimente müssen nun noch internationaler aufgestellt sein als früher. Jedes Land hat in Sachen Design seinen eigenen Geschmack: Russen lieben Gold, die arabischen Märkte mögen es ebenfalls gerne reich verziert. Wogegen Deutsche, Österreicher und Schweizer lieber zurückhaltende Designs und gedeckte Farben bevorzugen.

Alles Schein – jedenfalls was die Fuge angeht…

Die Cevisama bietet deshalb in Sachen Innovationen jede Menge Inspirationen. Vielleicht inzwischen sogar mehr als die Cersaie. Fakt ist, dass die spanische Messe zwar kleiner, aber dafür auch übersichtlicher ist. Die Hersteller haben mehr Zeit für die Besucher und wer sich etwas Mühe gibt, entdeckt hier und da für die heimischen Musterschränke das eine oder andere Highlight.

So fielen uns dieses Jahr einige sehr schöne Serien mit auffallender Ornamentik auf, weiter verbesserte Reliefstrukturen (z.B. bei Holzserien) und matte Oberflächen mit ausgefallenen Glasurtechniken, die entweder kaum sichtbar und fühlbar sind, oder mit spielerischen Designdetails, wie Glitzer-Effekten, die Fliesen weiter aufwerten. Wilde Blumendekore und kräftige Farben machen nicht nur am Messestand eine gute Figur, sondern sind auch für heimische Badezimmer vorstellbar – wenn sich denn regionale Händler und Kundschaft solche Kollektionen ebenfalls trauen.

Nach wie vor populär: Terrazzo-Optiken

Am interessantesten fanden wir die Experimente mit Fugen: Bei zahlreichen Herstellern entdeckten wir Neuheiten mit Scheinfugen, die auch komplizierte Formate gefällig an den Wand und den Boden bringen und zeitsparend zu verlegen sind (sehen Sie dazu auch unsere Messevideos von der diesjährigen Cevisama auf der 1200Grad facebook-Seite!)

Spanier überzeugen mit eigenständiger Design-Handschrift

Sieht aus wie Cotto, ist aber modernes Feinsteinzeug

All dies attestiert den Spaniern eine eigenständige Design-Handschrift, die gepaart mit modernen technischen Fertigungsmethoden interessante und neue Keramikideen auf den Markt bringen. Allerdings leidet der Markt nach wie vor unter einem nicht unerheblichen Mengen- und Preisdruck, an dem auch die Spanier nicht ganz unschuldig sind. Die leichte Absatzsteigerung bei konstanter Produktion zeigt schon, dass das Plus vornehmlich wohl mit Lagerware erkauft wurde.

Darüber hinaus ringen die Spanier mit ihrer Regierung seit Jahren um eine Bahnstrecke, die die Region Valencia besser an Europa anbindet und die Logistik der spanischen Hersteller nachhaltig verbessert und konkurrenzfähig zu den Italienern macht. Auch dieses Jahr war dies wieder ein Thema auf der internationalen Pressekonferenz des Herstellerverbands ASCER der nun hofft, endlich bei den Politikern Gehör zu finden.

Wildes Formatspiel

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