Drei Fliesenhersteller haben die portugiesische Baufachmesse Tektónica 2026 klar geprägt – mit Auftritten, die deutlich über dem Niveau der Messe lagen. Während viele Bereiche der Messe in Lissabon überraschend kompakt und teilweise dünn besetzt wirkten, lieferten genau diese drei Unternehmen überzeugende Präsentationen ab. Unsere Portugal-Korrespondentin Gintė Kisieliūtė war vor Ort und hat sich ein genaues Bild gemacht. Ihr Eindruck: Die Messe bot weniger Vielfalt als erwartet, aber die Auftritte der Keramiker überzeugten mit umso größerer Wirkung.
Auf dem Papier ist die Tektónica eine feste Größe. Mehr als 400 Aussteller, rund 35.000 Quadratmeter Fläche und die parallele Durchführung mit der Immobilienmesse SIL unterstreichen den Anspruch, zentrale Plattform der portugiesischen Bauwirtschaft zu sein. Thematisch setzt die Messe auf die bekannten Treiber der Branche – Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Digitalisierung. Vor Ort relativiert sich dieser Anspruch jedoch. Die Messe verteilt sich auf nur drei Hallen: Maschinen, technische Systeme und Baustoffe. Gerade Letztere – und damit auch der Fliesenbereich – fallen deutlich kleiner aus als bei vergleichbaren europäischen Formaten. Die Überschneidung mit dem Salone del Mobile in Mailand dürfte hier eine entscheidende Rolle gespielt haben und hat sichtbar internationale Aussteller gebremst.
Fliesenbereich: Wenig Auswahl, interessante Präsentationen
Im Segment keramischer Beläge zeigt sich die begrenzte Breite besonders deutlich. Die Zahl relevanter Anbieter war überschaubar, die Vielfalt entsprechend eingeschränkt. Wer sich einen umfassenden Marktüberblick erhofft, wurde hier nicht fündig. Doch genau in diesem Umfeld wurde, wer wirklich in seinen Messeauftritt investiert. Drei Unternehmen stachen klar hervor und nutzen die Bühne konsequent – nicht durch Größe allein, sondern durch die Qualität der Präsentation.
Porcelanosa Grupo: Frequenzbringer der Messe

Dazu Joao Baptista, Vertreter der Vertriebsabteilung: „Die Messe wirkt weniger überlaufen als in den Vorjahren, obwohl unser Stand eine große Besucherzahl angezogen hat. Dies könnte daran liegen, dass sich einige Marken für den Salone del Mobile entschieden haben, da sich die Termine überschneiden. Porcelanosa hat sich dazu entschlossen, an beiden Veranstaltungen teilzunehmen und seine neuen Produkte sowohl hier in Lissabon als auch in Mailand zu präsentieren.“
Pavigrés Grupo: Substanz und Marktverständnis

Sónia Horta, technische Beraterin bei Pavigrés: „Wir haben eine Lücke in unseren Kollektionen bezüglich bestimmter Farboptionen festgestellt; daher haben wir – speziell für diese Messe und als Reaktion auf die Nachfrage unserer Kunden – stärker pigmentierte, leuchtendere Oberflächen entwickelt.“
Gleichzeitig zeigte die Travertin-inspirierte Serie „Travertino“, wie gezielt regionale Nachfrage bedient werden kann, etwa im Süden Portugals. Neue Formate und Farbvarianten, unter anderem in der Skyline-Serie, rundeten das Bild ab. Der Auftritt wirkte durchdacht und praxisnah – und sprach damit gezielt Planer, Architekten und Verarbeiter an.
Rubicer: Nische mit Potenzial

Sofia Duque Lemos, Vertreterin der Einkaufsabteilung: „Wir sind jünger als einige andere portugiesische Hersteller, haben aber mit 25 Jahren Erfahrung einen hohen Reifegrad erreicht. Wir investieren massiv in moderne Showrooms und neueste Technologien, während wir gleichzeitig kontinuierlich neue Produkte entwickeln. Alles, was an diesem Stand präsentiert wird, ist eine Neuentwicklung und spiegelt unsere Fähigkeit wider, schnell auf die Bedürfnisse unserer Kunden einzugehen.“
Auch das Thema Barrierefreiheit wurde aufgegriffen. Individuell gestaltbare, farbige Sanitärlösungen zeigten neue Möglichkeiten im Objektbereich. Rubicer positionierte sich damit als flexibler Anbieter für spezifische Anforderungen.
Fazit: Qualität schlägt Größe
Die Tektónica 2026 blieb hinter ihrem eigenen Anspruch zurück, was Breite und Vielfalt betrifft. Gleichzeitig zeigte sie aber auch, dass gezielte Investitionen in den Messeauftritt Wirkung zeigen. Für die Fliesenbranche war die Veranstaltung vor allem eine Bühne für wenige, aber starke Akteure. Die drei herausragenden Hersteller machten deutlich: Entscheidend ist nicht die Größe der Messe – sondern die Qualität der Präsenz.







