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“Solo-Selbstständige”: Anderer Name, gleiches Problem

Nachfolge-Lücke, Angst vor der Selbsttändigkeit: Am Meistergrab haben viele mitgeschaufelt

In ihrer Ausgabe vom 20.04.2018 berichtet die Tageszeitung WAZ auf ihrer Titelseite über Probleme mit dem Meister-Mangel im Handwerk. Danach beklagt die Handwerkskammer Düsseldorf, dass die Zahl der von Handwerksmeistern neu eingetragenen Firmen in den vergangenen zehn Jahren um ein Drittel gesunken ist. Zum allgemeinen Fachkräftemangel komme nun auch noch einen Nachfolge Lücke in den Betrieben, warnte Andreas Ehlert, Kammerpräsident in Düsseldorf.

Nach seiner Ansicht verzichten viele auf die Ausbildung zum Meister, weil sie mit ihrer Position als Angestellter zufrieden sind und das Risiko einer Gründung ebenso scheuen wie die bürokratischen Hindernisse. Dem starken Rückgang bei den Meistern stehe zudem eine stark steigende Zahl von sogenannten “Solo-Selbstständigen” gegenüber. Ihr Anteil habe sich, so Ehlert in der WAZ, in den letzten 20 Jahren auf 40 Prozent erhöht.

Mal abgesehen davon, dass der Düsseldorfer Kammerpräsident hier ein schönes neues Wort für die in unserer Branche oft als “mobile Generalisten” genannten Betriebe kreiiert hat, zeigt der Beitrag auch auf, dass das Strukturproblem der Branche nicht allein mit dem Wegfall der Meisterpflicht zu tun hat. Hier spielen auch demografische Aspekte (Nachfolge-Lücke) eine Rolle sowie gesellschaftliche Gründe. Viele junge Menschen scheuen das Risiko einer Selbstständigkeit und sind einfach zu bequem um sich den Herausforderungen eines eigenen Meisterbetriebs zu stellen.

Darüber hinaus macht unsere wuchernde Bürokratie, angefeuert durch immer neue Anforderungen und Gesetze von der EU, den Betrieben das Leben schwer. Wer will es also einem 25-jährigen verdenken, wenn er da lieber als Angestellter sein Geld nach Hause tragen will.

Jüngste Beispiel für die Bürokratie sind die neuen Datenschutz-Richtlinien der EU, die Ende Mai 2018 in Kraft treten. Hier sehen sich selbst große Konzerne vor Probleme gestellt. Wie also soll ein kleiner Meisterbetrieb mit 10 Leuten diese umfangreichen Auflagen im Alttag überhaupt noch stemmen? Fakt ist: Am Meistergrab haben viele mitgeschaufelt!

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