Die Inflation wird uns alle zu Klima-Aktivisten machen

Wie Unternehmen mit steigenden Herstellkosten umgehen sollten

Wir stehen vor der größten Inflation seit dem zweiten Weltkrieg. Der Ukraine-Krieg verdrängt das Thema Klimaschutz aus dem Fokus. Aber die Inflation wird aus uns allen Klima-Aktivisten machen. In den letzten beiden Pandemie-Jahren haben wir bereits erlebt, dass sich durch die Engpässe am globalen Beschaffungsmarkt und durch stetig steigende Logistikosten die Produktionskosten aller Güter erhöht haben. In allen Stufen der Wertschöpfungskette sind die Preise gestiegen.

Die Inflation wird uns alle treffen

Es gibt tatsächlich Unternehmen, die ihre Preise in den letzten zwölf Monaten nicht erhöht haben. Sei es aus Angst Marktanteile an den Wettbewerb zu verlieren oder in der Hoffnung, dass sich das Preisniveau wieder normalisieren wird. Wer jedoch seine eigene Profitabilität nicht im ausreichend im Blick hat, muss sich in Zukunft auch keine Sorgen mehr um Marktanteile machen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Preise in Zukunft schneller steigen werden, als Unternehmen mit Preiserhöhungen nachziehen können.

Wenn der Staat mit Neuverschuldung den Geldhahn aufdreht, in Corona-Hilfsprogramme investiert, Milliarden für Rüstung ausgibt und den Benzinpreis subventioniert, dann wird mehr Geld in die Volkswirtschaft gepumpt. Die Energiepreise waren bereits vor dem Ukraine- Konflikt stark gestiegen. Nun wirkt der Krieg wie ein Katalysator auf das Energiepreis-Niveau. Die rasant steigenden Energiepreise werden sich auf alle Warengruppen übertragen.

Das ist Inflation. Und solange die Zinsen auf niedrigem Niveau bleiben, wird dieses Instrument der Inflation nicht entgegenwirken.

Klima-Aktivisten fordern seit Jahren ein Umdenken was unseren Konsum betrifft. Zukünftig werden wir bewusster konsumieren, aber nicht vor dem Hintergrund des Klimaschutzes, sondern wegen der höheren Preise.

Wir drehen die Heizung nicht mehr voll auf. Wir fahren nicht mehr mit Vollgas auf der Autobahn. Wir werden versuchen weniger Auto fahren. Pendler werden Alternativen suchen, wie sie sich günstiger fortbewegen können. Fahrrad, Bahn und Car-Sharing werden an Attraktivität gewinnen. Alle Produkte mit langen Transportwegen werden überproportional teurer und regional erzeugte Produkte werden im Vergleich preislich attraktiver.

So wie Corona unsere Digitalisierung beflügelt hat – mit Home-Office und Video- Konferenzen –, so wird die Inflation unser Umweltbewusstsein beflügeln. Wir als Gesellschaft werden stärker danach streben weniger fossile Brennstoffe zu verbrauchen, wenn die Kosten hierfür sich verdoppeln und verdreifachen. Wir alle werden unseren persönlichen CO2- Ausstoss stärker hinterfragen als jemals zuvor. Leider jedoch nicht aus Überzeugung für die Umwelt, sondern aus Kostengründen.

Hersteller dürfen die Dynamik von Preissteigerungen nicht unterschätzen

Unternehmen müssen ihren Energieverbrauch neu überdenken, und zwar in allen Bereichen – Produktion, Logistik, Vertrieb. Die hohen Energiekosten werden sehr wahrscheinlich schneller zu effektiven Energieeinsparungen führen als der „Greenwashing“-Trend der letzten Jahre.

Hersteller werden zudem versuchen, die gestiegenen Energie- und Herstellkosten an anderer Stelle zu kompensieren. Es wird eine Welle an Effizienzsteigerungsprogrammen auf uns zukommen. Darunter bestimmt auch Sparprogramme, die in letzter Konsequenz auch zu Stellenabbau führen können. Das Schwungrad der Rezession hat begonnen sich zu drehen.

Im Zuge der Diskussion um den Bezug von russischem Erdgas hat die Politik bereits in den letzten Wochen vor drohenden „Einschnitten in unserem Wohlstand“ gewarnt. Auf diese Einschnitte werden wir uns einstellen müssen. Jedoch nicht nur wegen des Ukraine-Krieges, sondern vor allem, weil die Preise für Produktions- und Konsumgüter in Zukunft weiter steigen werden. Und je länger der Krieg andauert, desto stärker werden die Preise steigen.

Unternehmen sind gut beraten sich darauf einzustellen, dass ihre Herstell- und Energiekosten weiter ansteigen werden. Preiserhöhungen vorzubereiten und diese bei Kunden durchzusetzen, wird einen Großteil der Vertriebskapazität in Anspruch nehmen. Unternehmen benötigen eine klare Profit-Transparenz und müssen sicherstellen, dass sie unterjährig und schnell mit weiteren Preisanpassungen reagieren können. Wer hierbei zögert oder beim Kunden schwach verhandelt, kann schnell in ersthafte Cash-Flow-Schwierigkeiten geraten.

Wir werden die Inflation nicht verhindern können und wir sollten nicht blinden Auges Opfer der einhergehenden Konsolidierung werden. Meine Empfehlung: Die Eigene Profitabilität im Auge behalten und die notwendigen Preisanpassungen beherzt umsetzen.

Über den Autor: Hanno Wilczek

Hanno Wilczek ist Strategie-Experte und Management-Berater für Premium-Marken des deutschen Mittelstandes. Bei seiner Arbeit steht die Entwicklung von internationalen Wachstumsstrategien im Vordergrund. Er berät zu den Themen Multi-Channel-Vertrieb, Digitalisierung im Vertrieb und internationale Vertriebsstrategie.

LinkedIn-Profil: https://www.linkedin.com/in/hanno-wilczek/

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