Die DIN 18534 – Anwendungserfahrungen aus der Praxis

Die „Abdichtung von Innenräumen“ erweist sich als großer Wurf

Seit Juli 2017 ist sie nun veröffentlicht und – um es ganz klar zu sagen – sie war ein großer Wurf und ein richtiger Schritt nach vorne: Die DIN 18534 „Abdichtung von Innenräumen“. In unserer täglichen Arbeit als Anwendungstechniker in der Bauchemie werden wir regelmäßig mit Fragen zur DIN 18534 konfrontiert. Fragen, die dann häufig nicht mehr im Zusammenhang mit der Produktauswahl stehen und eine intensive Auseinandersetzung mit der DIN 18534 erfordern. Dabei stößt man gelegentlich auch auf Stolpersteine, auf die Thomas-Ken Ziegler von der Anwendungstechnik der Sopro Bauchemie im Folgenden eingeht.
 

Unterschiedliche Interpretationen in den Merkblättern der Fachverbände

Tatsächlich kennen viele Anwender die DIN 18534 nicht direkt, sondern sind auf indirekte Quellen wie z. B.  Fachveröffentlichungen in Zeitschriften oder Schulungen von Fachverbänden und Industrie angewiesen. Hier ist es für die Kommunikation auf der Baustelle nicht hilfreich, wenn andere Fach-Verbände in ihren schematischen Darstellungen von den Beispielskizzen im informativen Anhang der DIN 18534 abweichen. Dies ist verwirrend und führt oft zu unnötigen Diskussionen zwischen den Gewerken.

Der Schnittschutz

In der Praxis zeigt sich, dass Verbundabdichtungen einer Verletzungsgefahr und damit Undichtigkeit ausgesetzt sind, wenn elastischen Verfugungen laienhaft ausgetauscht werden. Hier kann es zu Schnittverletzungen an der Abdichtung durch unvorsichtiges Ausschneiden der elastischen Fugenfüllung kommen. Insofern ist der Schutz der Abdichtung durch „Schnittschutzmaßnahmen“ eine sinnvolle Maßnahme.

Die Qualität dieses Schnittschutzes wird in der DIN 18534 jedoch nicht beschrieben. Ebenso wenig wird die Ausführung eines Schnittschutzes als zwingend erforderlich oder als Vorschrift dargestellt. Der Schnittschutz ist in der DIN 18534 nur eine optionale Anwendung, die nicht näher beschrieben oder definiert wird. Eine detaillierte Empfehlung in der Norm wäre nach unserer Ansicht hierzu sinnvoll.

Schäden an Türrahmen wegen Wassereinwirkung aus Duschbereich. Foto: Sopro
Schäden an Türrahmen wegen Wassereinwirkung aus Duschbereich. Foto: Sopro

Die Schwelle an der Badezimmertür

Insbesondere nach Erscheinen der DIN 18534 im Juli 2017 wurde auf Veranstaltungen häufig diskutiert und vorgetragen, dass der Einbau einer Schwelle von 10 mm bis 20 mm an der Badezimmertür ein absolutes Muss sei. Dies ist jedoch nicht der Fall und ist nicht nur architektonisch, sondern auch im Hinblick auf den Gebrauchsnutzen zu hinterfragen. Grundsätzlich gibt die DIN 18534 vor, dass ein Wasserübertritt auf angrenzende, nicht abgedichtete Flächen zu vermeiden ist.

Hier sind im Rahmen der Planung Abwägungen zu treffen. Zu berücksichtigen sind z. B. die Lage des Duschbereichs und der Ablaufstellen, die Höhenlage der wasserführenden Ebenen und das Gefälle sowie die generelle Möglichkeit des Wasserübertritts in angrenzende Räume. Türen und Zugänge sind gegen Spritzwasser zu schützen.

Nur wenn man im Rahmen der Planung zu dem Ergebnis kommt, dass bei normaler Nutzung eines Bades die zwingende Gefahr besteht, dass Wasser im Türbereich anfällt, muss über eine Schwelle nachgedacht werden. Eine andere (mehr theoretische) Möglichkeit wäre z. B. der Einbau einer Rinne im Türbereich. Natürlich muss ein solcher Schwellenabschluss so gestaltet sein, dass er einerseits nicht zur Stolperfalle wird und andererseits – bei entsprechenden Anforderungen – auch den Maßgaben der Barrierefreiheit entspricht.

Um gleich mit diesem Irrglauben aufzuräumen: Auch Schwellen unter 20 mm Höhe gelten als Barriere und es gibt keine Norm, die sie im Rahmen des barrierefreien Bauens für zulässig erklärt.

Eine Variante einer barrierearmen Schwellenlösung finden Sie hier.

Sie ist ein Kompromiss zwischen DIN 18040 und DIN 18534 und basiert auf einem Konzept der Bayerischen Architektenkammer.

Der Unterschied zwischen W2-I und W3-I

Das Wasser passiert die Duschabtrennung über das Kleberbett. Foto: Sopro
Das Wasser passiert die Duschabtrennung über das Kleberbett. Foto: Sopro

Die Zuordnung von Flächen zu den Wassereinwirkungsklassen W2-I und W3-I wird in der Praxis häufig diskutiert. Aus Sicht der DIN 18534 ist die Auswirkung auf die praktische Umsetzung jedoch eher gering. Welche Unterschiede ergeben sich, wenn eine Fläche nicht W2-I, sondern W3-I zugeordnet wird?

Bei Bodenflächen:
– Es dürfen bei W3-I keine bahnen- oder plattenförmigen Abdichtungen mehr vorgesehen werden, es sind nur noch Reaktionsharzabdichtungen und rissüberbrückende mineralische Dichtungsschlämmen zulässig.
– Um einen Wasserübertritt in angrenzende Räume zu vermeiden, muss eine Rinne angeordnet werden (bei W2-I optional, bei W3-I zwingend).

Für Wandflächen:
– Bahnen- und Plattenabdichtungen sowie Dispersionsabdichtungen sind bei W3-I nicht mehr zulässig, sondern nur noch Reaktionsharzabdichtungen und rissüberbrückende, flexible Dichtungsschlämmen.

Wasser dringt in Fugenmörtel und Kleberbett ein. Foto: Sopro
Wasser dringt in Fugenmörtel und Kleberbett ein. Foto: Sopro

Warum hier bestimmte Abdichtungsarten ausgeschlossen werden, ist nicht nachvollziehbar, da die Zulassungsprüfungen im Rahmen eines abP oder einer ETA für alle diese Systeme gleich sind. Keines wird höher belastet oder anderweitigen Prüfungen unterzogen.

Generell erscheint die Abgrenzung zwischen W2-I und W3-I schwierig. Die Grundfläche eines privat genutzten Duschbereichs wird W2-I zugeordnet. Ausgehend von einer vierköpfigen Familie, die täglich duscht, fallen hier 160 Liter auf ca. 1 m² Fläche an. Das ist sicherlich mehr Wasser pro Tag, als auf vielen gewerblichen Küchenböden (typisches Beispiel für W3-I) anfällt.

Ebenso stellt sich die Frage, ob W3-I überhaupt auf Wandflächen anwendbar ist. In der Beschreibung zu W3-I wird formuliert: „durch anstauendes Wasser intensiviert“. Auf Wandflächen ist ein Anstauen von Wasser aber physikalisch nicht möglich, kann dann W3-I hier überhaupt relevant sein?

Feuchteempfindlich und feuchteunempfindlich

Ein wesentliches Thema der DIN 18534 für die Ausführung von Abdichtungen im Verbund ist die Aussage zu den zulässigen Untergründen. Hierbei unterscheidet die Norm zwischen feuchteempfindlichen Untergründen, die als solche in den Bereichen der Wassereinwirkungsklassen W0-I und W1-I vorhanden sein dürfen und feuchteunempfindlichen Untergründen, die auch in den höheren Wassereinwirkungsklassen W2-I und W3-I zulässig sind.

Die DIN 18534 nennt Beispiele für feuchteempfindliche und feuchteunempfindliche Untergründe. In der Praxis unserer Anwendungstechnik zeigt sich, dass regelmäßig Diskussionen um hochimprägnierte Gipskartonplatten mit verringerter Wasseraufnahme entstehen. Von den Herstellern dieser Spezialbauplatten werden diese als geeignet für W2-I und W3-I beschrieben, was auch in der Regel durch entsprechende Prüfzeugnisse bestätigt wird.

Tatsächlich werden in der DIN 18534 nur Beispiele für die beiden Kategorien genannt. Diese beispielhafte Nennung schließt andere Materialien nicht aus. Im Merkblatt „Bäder, Feucht- und Nassräume im Holz- und Trockenbau Merkblatt 5 Innenraumabdichtungen nach DIN 18534“ des Bundesverbandes der Gipsindustrie e.V. Industriegruppe Gipsplatten werden neben den Materialbezeichnungen aus der DIN 18534 auch „Produkte mit Verwendbarkeitsnachweis (abZ/aBG/ETA) für diesen Bereich“ aufgeführt. Diese Vorgehensweise ist aus unserer Sicht richtig.

Die Steckdosen

Insbesondere im Bereich gewerblicher Küchen, aber auch in Schwimmbädern u. ä. ist häufig die Situation anzutreffen, dass im Bereich feuchtebeanspruchter Wandflächen auch Unterputzsteckdosen und ähnliche elektrische Einbauten vorhanden sind. Die DIN 18534 sieht bisher keine Möglichkeit vor, diese Elemente in die Abdichtungsebene zu integrieren. Dies ist damit zu begründen, dass Einbauteile, die die Abdichtungsschicht durchdringen in sich dicht und sicher in das Abdichtungssystem integrierbar sein müssen.

Beide Parameter treffen auf gängige Unterputzdosen aktuell noch nicht zu. Tatsächlich wurde erst mit Erscheinen der DIN 18534 im Juli 2017 mit der Entwicklung entsprechender Lösungen begonnen. Wir gehen davon aus, dass in absehbarer Zeit geeignete Produkte auf dem Markt verfügbar sein werden.

Die Wanneneinbindung

Im täglichen Umgang mit der DIN 18534 wird man immer wieder mit der Aussage konfrontiert, dass die Abdichtung von Dusch- und Badewannen nur noch mit Wannendichtbändern zulässig sei. Diese Aussage ist sachlich falsch. In der DIN 18534 werden zwei Varianten für die Führung der Verbundabdichtung bei Dusch- und Badewannen beschrieben: Zum einen das Einbeziehen der Wanne in die Abdichtungsebene unter Verwendung von Wannenranddichtbändern, zum anderen die Führung der Abdichtung unter der Wanne hindurch.

Auch in der Darstellung der DIN 18534 werden beide Varianten gleichwertig dargestellt, keine der beiden Vorgehensweisen wird bevorzugt. In der Praxis haben beide Ansätze unterschiedliche Vor- und Nachteile, ggf. schließt sich der eine oder andere Ansatz in konkreten Situationen auch aus. Bei einer Überarbeitung der Norm könnte es ggf. sinnvoll sein, darauf hinzuweisen, dass beide Ansätze miteinander kombiniert werden können. Diese Möglichkeit wird in der Norm bisher nicht aufgezeigt.

Welcher Ansatz im konkreten Objekt gewählt wird, kann jedoch nicht unbedingt vom ausführenden Fachbetrieb der Abdichtungsarbeiten selbst bestimmt werden. Hier sind die Vorgaben im Rahmen der Beauftragung, z. B. durch das Leistungsverzeichnis, zu berücksichtigen.

Beispielhaft einige Vor- und Nachteile der Abdichtungsführung

Die Befestigungspunkte

Das private Badezimmer ist eigentlich ein Paradebeispiel dafür, dass die Abdichtung im Nachhinein oft – fast schon skrupellos – durchlöchert wird. Man denke nur an die Befestigung von Duschabtrennungen oder auch Seifenablagen. Im Nachgang zur Veröffentlichung der DIN 18534 haben sich zwar einige Lösungsansätze entwickelt – zu nennen sind hier der Sopro FliesenVerbund-Abdichtungsdübel (fischer inside) oder auch die KermiGLUE Wandbefestigung.  Die Vorgaben der DIN 18534 sind aber leider sehr vage, Hinweise für eine Detailausführung lassen sich nicht ableiten. Immerhin hat die Norm hierzu Impulse für innovative Neuentwicklungen gegeben.

Bereich der Kapillarsperre
Bereich der Kapillarsperre. Foto: Sopro

Das Kapillarwasser

Die Fachspezialisten bei der Erarbeitung der DIN haben sich intensiv mit der Vermeidung des Eindringens von Wasser in die Unterkonstruktion beschäftigt. Aus dem Fokus geraten ist leider das Wasser, das sich auf der Abdichtung ansammelt, insbesondere das Wasser, das in das Klebebett eines Fliesenklebers eindringt. Dieses kann dort wandern, ggf. auch kapillar. Um Schäden an der Gesamtkonstruktion zu vermeiden, sind daher entsprechende Sperren vorzusehen. Bei einer Neuauflage der DIN 18534 ist dies sicherlich ein zusätzliches Thema, das berücksichtigt werden muss.

Fazit

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die DIN 18534 die Innenraumabdichtung in den richtigen Fokus gesetzt hat. Den Verbundabdichtungen, die bis dahin immer untergeordnet betrachtet wurden, wurde auch die angemessene Priorität zugeordnet. Ein „Feilen an Details“ im Zug der anstehenden Neuauflage kann aber sinnvoll sein, ein Entwurf wurde ja bereits veröffentlicht. Die Sopro Bauchemie bietet hier ein umfangreiches Sortiment an normgerechten Lösungen und wir beraten hier gerne.

Autor:
Thomas-Ken Ziegler, Anwendungstechnik Sopro Bauchemie

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