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Cevisama 2017: Groß, größer, Großformat

In diesem Jahr feierte die Messe Valencia ihr 100-jähriges Bestehen. Auf eine ganz so lange Geschichte kann die spanische Fliesenfachmesse Cevisama noch nicht zurückblicken und auch nur wenige Fliesenhersteller – ausgenommen das spanische Unternehmen Roca – haben wohl eine so lange Tradition zu bieten. In den letzten Jahren mussten sowohl die Messe als auch die spanischen Hersteller, geprägt von einer Inlandskrise, zudem schwierige Zeiten überstehen. Nun scheint jedoch wieder ruhigeres Fahrwasser erreicht. Jedenfalls vermittelte die Cevisama 2017 wieder Stabilität und Aufbruchstimmung, auch wenn noch lange nicht wieder die Zahlen und Erfolge der Boomjahre erreicht sind (lesen Sie dazu auch unseren Beitrag über die spanischen Produktionszahlen hier).

Täuschend echt: 3D Lasureffekt bei Peronda.

Trends: Grau ist das neue Weiß

Die Mega-Tends der Cevisama 2017 lassen sich in zwei Worte fassen: Grau und Groß! Kaum ein Hersteller kommt heute noch ohne graue Bodenfliesen jenseits der 60 x 60 cm daher, vornehmlich in dezenten Grau-Tönen, mit sanften Natursteinstein oder Zementdesigns und vorsichtigen Glasureffekten verfeinert. Man fragt sich unwillkürlich „wer kauft das alles“ und landet dabei schnell in Deutschland, wo der traditionell eher vorsichtig einkaufende Handel von diesem Trend anscheinend besonders angetan ist. Auch Hersteller, die bislang meinten ohne graue Großformate aus zu kommen, sind nun noch auf den Zug aufgesprungen. Auf die Frage nach dem warum hört man dann oft „weil es unsere Kunden verlangt haben“.

Aber wenn der ganze Markt graue Bodenfliesen herstellt, kommt die Wandfliese logischer Weise zu kurz. Hier suchen internationale Einkäufer auch in Spanien derzeit händeringend nach lieferfähigen und Design kompetenten Herstellern, denn anscheinend können oder wollen auch die italienischen und deutschen Werke hier die Nachfrage nicht ganz bedienen.

Auf der Cevisama 2017 im Scheinwerferlicht: Graue Großformate

Dabei steckt das Thema Großformate voller Tücken. Mit der Produktion der großen Fliesen jenseits der 1 x 1 Meter fangen die Detailprobleme nämlich erst mal richtig an. Zunächst müssen die Verleger auf das Material geschult wrden. Dafür bedarf es gemeinsamer Marketingaktionen mit dem Handel, passenden Verkaufshilfen, aufwendiger Verarbeitungsvideos usw. Der Verleger muss sich das passende Werkzeug kaufen, der Handel die richtigen Schränke. Und teuer sind die Großformate auch, da sie nicht mehr auf die klassische Europalette verpackt werden können, sondern einzeln in Kisten transportiert werden. So steigen die Frachtkosten schnell auf das Niveau des Produktpreises.

Keiner weiß, wo der Trend herkommt, aber viele haben ihm: Keramikfliesen im Terrazzo-Design. Früher gehasst, heute anscheinend wieder beliebt.

Viele interessanten Anwendungen

Dennoch lassen sich mit den Großformaten viele interessanten Anwendungen realisieren, vor allem mit den dünnen Varianten um 6 mm Stärke. Sie eignen sich für den Einsatz als Küchenarbeitsplatten ebenso wie für die Fassade. Mit der passenden Wasserstrahl-Schneidetechnik lassen sich außerdem noch die passenden Dekorstücke fertigen oder Modul-Konzepte realiseren. Auch die nach wie vor angesagten Holzfliesen lassen sind in Bezug auf ihre typischen Längsformate prima mit den großen Trendformaten in Einklang bringen. Drei der populärsten Programme für Großkeramik auf dem spanischen Markt sind sicherlich die neue Roca-Kollektion „Thinbig“ sowie das bereits vor einigen Jahren eingeführte Coverlam von Grespania und das Angebot von Inalco.

Fairerweise muss man auch festhalten, dass bei den Großformaten Grau eben doch nicht gleich Grau ist. Wer mit fachkundigem Auge auf die Dekorationen schaut wird dabei z.T. erhebliche Unterschiede in der Ausführung feststellen.

Anspruchsvolle Glasurtechiken und Oberflächen waren ebenfalls ein Trend in Valencia. Auch hier sind die Spanier sehr experimentierfreudig. Glasuren, in die z.B. gelöst Salze eingearbeitet werden (Todagres) sind hier ebenso zu finden wie Metallic-Effekte sowie polierte bzw. teilpolierte Lösungen.

Auch kleine Formate sind vielseitig

Dass sich auch mit kleineren Formaten pfiffige Keramikfliesen realisieren lassen zeigte ein Besuch am Stand von CAS Cerami

Pfiffige Kleinforamte bei Mosavit.

ca, die in diesem Jahr stolz die Kollektion des Star-Designer David Carson (siehe unsere Interview hier) präsentierten und dabei ganz bewusst auf kleine Abmessungen setzen. Auch Mosaikhersteller mit Mut zu Experimenten (z.B. Mosavit) zeigen, dass es auch andere Wege gibt.

Unsere persönliches Messehighlight erlebten wir jedoch beim Besuch des TAU-Standes (siehe Fotos ganz unten). Nachdem das Unternehmen durch Probleme der alten Eigener in Schieflage geraten war, feierte man in diesem Jahr unter der Flagge der Pamesa-Gruppe eine spektakuläre Wiederauferstehung. Auf einem großen Tisch mitten auf dem Messestand hatte man alle Neuheiten ausgebreitet. Die Besucher sollten so die Gelegenheit bekommen, alle neuen Produkte, Farben und Designs näher in Augenschein zu nehmen, anzufassen , zu kombinieren usw. Und was man dort in die Hände bekam war einfach Keramik von seiner schönsten Seite: technisch anspruchsvolle Glasuren, wunderbare Farben und Dekore, pfiffige Design-Ideen. So schön können Fliesen sein – auch ohne Grau und Großformat!

Hier sehen Sie unser 1200Grad Video zu Messe:

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