Der Messeauftritt von Living Ceramics stand in diesem Jahr unter dem Motto „Built in silence“ (erbaut in Stille). Was das Unternehmen ausmache, habe sich langsam durch stille Entscheidungen geformt, so die Botschaft des spanischen Herstellers. Die Messestand-Besucher in Bologna waren eingeladen, in die Reflexion über diesen stillen Entstehungsprozess einzutauchen „und die Spuren, Prozesse und Erinnerungen zu entdecken, die hinter dem Sichtbaren liegen“, wie die Presseverlautbarung von Living Ceramics verriet.

Technische Innovation: Living Ceramics stellte erste gebogene Elemente seiner sechs Millimeter dünnen Keramik mit unterschiedlichen Oberflächen aus um zu zeigen, was möglich ist. (Foto: Michael Spohr)
Zwei neue Kollektionen und eine taktile neue Oberfläche
Auf dem wie immer dezent elegant und in einem monochromen Farbschema inszenierten Messestand konnten die Messegäste zwei neue Kollektionen entdecken, ‚Nära‘ und ‚Luna‘. Bei beiden Steinoptiken steht das taktile Empfinden im Vordergrund. Und beide sind entsprechend in einer Vielzahl von Oberflächen erhältlich, darunter die völlig neue ‚Soft Crafted‘-Oberfläche. Von ihr sagte Area Manager Christopher Peters im Cersaie-Interview, sie sei eigentlich die wichtigste diesjährige Entwicklung bei Living Ceramics.

Neue taktile Oberfläche mit tiefem Relief: ‚Soft Crafted‘ zeigte Living Ceramics auf der Messe unter anderem an diesem Waschtisch-Pfeiler. (Foto: Michael Spohr)
Diese neue Oberfläche für den Innenbereich verleiht dem Material eine physischere und sinnlichere Wahrnehmung. Der Hersteller hat hierbei seine Soft Textured-Oberfläche technisch weiterentwickelt, um der Keramik mehr Tiefe zu geben und damit eine stärker ausgearbeitete, nuancenreiche und haptisch unmittelbarere Wirkung zu erzeugen.
Oberflächenvielfalt
‚Nära‘ und ‚Luna‘ sind wie für Living Ceramics typisch ruhige, zurückhaltende und architektonischen Ansprüchen entsprechende Kollektionen. Beide werden in drei Farben, drei bzw. vier Stärken sowie Formaten von 60 x 30 bis 120 x 270 cm angeboten – und wie gesagt mit verschiedenen Oberflächen von Honed über Soft Textured und Bush Hammered Anti-slip sowie weiteren unterschiedlichen bis eben zu ‚Soft Crafted‘, welches nach den Angaben von Peters mit einem tiefen Relief, viel stärker als bei anderen Oberflächen versehen ist.

Maßgeschneiderte Badezimmer-Einrichtung: Living Ceramics bietet auch Badewannen aus Keramik an, wie am Mesestand in der Farbe Sand der Kollektion ‚Nära‘ gezeigt. (Foto: Michael Spohr)
Luna wird zusätzlich als Lithotech-Arbeitsplatte erhältlich sein. Darüber hinaus bietet Living Ceramics maßgeschneiderte Lösungen über seinen Custom Design Hub an, wie beispielsweise Sanitärelemente. Damit kann sich die Identität der Kollektionen über Böden und Wandverkleidungen hinaus durch die gesamte Innenarchitektur ziehen.
Thermoforming-Projekt
Als besonderes Highlight am Messestand zeigte Living Ceramics gebogene keramische Elemente, wie sie in diesem Jahr auf der Cersaie gleich bei mehreren Herstellern aufgetaucht sind. Das thermische Biegen – auch Thermoforming genannt – im Temperofen ist keine wirklich neue Erfindung, war bislang aber eher kleinen Elementen vorbehalten, auf geringe Radien begrenzt und nur in kleinen Stückzahlen möglich. Verkaufsleiter Ioan Ilisiu kündigte auf der Messe nun jedoch an, dass Living Ceramics einen eigenen Ofen für Platten bis drei Meter Länge bauen wolle, da die bisherigen Lieferanten keine derart großen, gebogenen Platten liefern könnten.
Video-Interview mit Christopher Peters, Area Manager DACH und Belgien, Living Ceramics:
Beim Tempern von keramischen Fliesen in hochentwickelten Spezial-Brennöfen wird zunächst eine extrem hitzeunempfindliche Schamotteform mit dem gewünschten Radius angefertigt. Darauf wird die dünne Keramikplatte flach aufgelegt und in den Ofen geschoben. Bei präzise eingestellten Temperaturen knapp unter dem eigentlichen Schmelzpunkt der Keramik schmiegt sich die minimal plastisch werdende Platte allein durch die Schwerkraft perfekt an die vorgegebene Rundung.
Anschließend muss die Platte extrem langsam und über Stunden abgekühlt werden, um einen thermischen Schock zu vermeiden. Die Kunst bei dieser Methode ist es, selbst gedruckte Oberflächenstrukturen (wie Marmorierungen) ohne optische Risse oder Verzerrungen zu biegen. Aus eigentlich starrem Feinsteinzeug entstehen so perfekt geschwungene Elemente für Säulenverkleidungen oder abgerundete Küchentresen.

Die zweite neue Kollektion von Living Ceramics: Bei ‚Nära‘, hier in der Farbe Ice mit Soft Textured-Oberfläche wird der Bezug des Herstellers zur Architektur besonders deutlich. (Foto: Living Ceramics)





