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Hermann Rohling blickt 2026 auf 40 Jahre bei Botament zurück. Foto: Botament
Hermann Rohling blickt 2026 auf 40 Jahre bei Botament zurück. Foto: Botament

„Die Bauchemie wird auch in Zukunft ein Geschäft von und mit Menschen bleiben“

Seit 40 Jahren ist Hermann Rohling Teil von Botament. Als eines der Gründungsmitglieder begleitete er 1993 den Schritt zum eigenständigen Unternehmen und prägte seitdem zahlreiche Entwicklungen – vom Aufbau des bundesweiten Außendienstes bis zu neuen Produkt- und Nachhaltigkeitskonzepten.

Im Interview mit 1200Grad spricht Hermann Rohling über vier Jahrzehnte Bauchemie, veränderte Anforderungen von Handel und Handwerk, die Weiterentwicklung der Botagreen Line und das neue Fugenkonzept von Botament. Außerdem erklärt er, warum das Unternehmen 2027 nicht auf der BAU ausstellen wird und welche Rolle kompakte, multifunktionale Produktsysteme künftig spielen sollen.

Herr Rohling, Sie feiern in diesem Jahr Ihr 40-jähriges Firmenjubiläum bei Botament. Welche Meilensteine haben Ihre Laufbahn und die Entwicklung des Unternehmens besonders geprägt?

Wenn ich auf 40 Jahre zurückblicke, gab es natürlich viele prägende Momente. Ein ganz wesentlicher Meilenstein war für mich die Gründung von Botament als eigenständiges Unternehmen im Jahr 1993, an der ich als eines der Gründungsmitglieder beteiligt war.

Eine besonders spannende Zeit war anschließend der Aufbau unserer bundesweiten Außendienstmannschaft – vor allem in den neuen Bundesländern. Das war nicht nur unternehmerisch eine besondere Phase, sondern auch menschlich. Zwei sehr unterschiedliche Wirtschafts- und Arbeitswelten trafen aufeinander. Daraus sind viele wertvolle Erfahrungen und Verbindungen entstanden.

Ein weiterer Meilenstein waren Produktentwicklungen, die Botament nachhaltig geprägt haben – vom M21 Classic über RD2 und RD1 als erste einkomponentige Reaktivabdichtung bis zur Einführung von Botagreen im Jahr 2022 und Greenhero als einem der bedeutendsten Produkte dieser Reihe.

Sie alle stehen für etwas, das Botament über die Jahrzehnte ausgezeichnet hat: den Mut, neue Wege zu gehen und immer wieder neue Lösungen für den Markt zu entwickeln.

Eine besonders spannende Zeit war anschließend der Aufbau unserer bundesweiten Außendienstmannschaft

Sie haben in diesen vier Jahrzehnten zahlreiche Produktentwicklungen begleitet. Wie haben sich die Anforderungen an Bauchemie und an die Produkte von Botament verändert?

Heute geht es zunehmend darum, Komplexität zu reduzieren. Der Handel steht unter hohem Kostendruck und muss Sortimente und Lagerflächen effizienter gestalten. Gleichzeitig möchte auch der Verarbeiter nicht für jeden Anwendungsfall ein eigenes Spezialprodukt vorhalten und auf der Baustelle zwischen einer Vielzahl von Lösungen wählen müssen.

Deshalb rücken multifunktionale Produkte immer stärker in den Fokus: weniger Produkte im Lager und auf der Baustelle, weniger Komplexität bei der Produktauswahl und gleichzeitig ein möglichst breites Anwendungsspektrum. Hinzu kommt der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen und den Umweltauswirkungen von Bauprodukten. Mit der Neuausrichtung unserer Botagreen Line bringen wir genau diese Anforderungen zusammen.

„Weniger Produkte, weniger Komplexität und gleichzeitig ein möglichst breites Anwendungsspektrum.“

Ein weiteres wichtiges Thema ist der Relaunch von Botagreen zur Botagreen Line. Was steckt hinter der Weiterentwicklung?

Botagreen ist mittlerweile seit vier Jahren am Markt und hat sich in dieser Zeit sehr erfolgreich entwickelt. Gleichzeitig haben sich die Anforderungen des Marktes und die Erwartungen an nachhaltige Produkte und deren Kommunikation verändert. Für uns war deshalb jetzt der richtige Zeitpunkt, die Marke weiterzuentwickeln und für die kommenden Jahre neu aufzustellen.

Mit der Botagreen Line bekommt die Marke ein umfassendes Facelift. Dazu gehören ein überarbeitetes Design, optimierte und zum Teil internationalisierte Produktnamen, ein neues Farbsystem für unsere Verpackungen sowie eine neue Bild- und Kommunikationswelt. Damit wollen wir die Orientierung innerhalb des Sortiments vereinfachen und gleichzeitig den Markenauftritt moderner und internationaler gestalten. Ganz wichtig ist uns dabei die Kontinuität: Die bewährte Qualität und die Rezepturen unserer Produkte bleiben unverändert.

Weiterentwickelt haben wir auch unsere Nachhaltigkeitskommunikation. Wir waren von Beginn an davon überzeugt, dass nachhaltige Produkte nur dann als solche kommuniziert werden sollten, wenn sie konkrete nachhaltige Eigenschaften besitzen. Im Zuge des Relaunches haben wir unsere Aussagen deshalb noch einmal überprüft und geschärft.

Damit soll für unsere Kunden künftig noch klarer werden, worin der konkrete nachhaltige Mehrwert eines Produktes liegt. Gleichzeitig stellen wir sicher, dass unsere Kommunikation den Anforderungen der EmpCo-Richtlinie entspricht.

„Die bewährte Qualität und die Rezepturen unserer Produkte bleiben unverändert.“

Aktuell stellt Botament ein neues Fugenkonzept vor. Was war der Anlass, das bestehende Konzept weiterzuentwickeln?

Unser bisheriges Fugenkonzept mit den Multifugen haben wir vor rund zehn Jahren eingeführt. Seitdem haben sich sowohl die Anforderungen des Marktes als auch unsere eigenen Möglichkeiten weiterentwickelt. Deshalb war für uns jetzt der richtige Zeitpunkt, das Thema Fuge noch einmal grundsätzlich neu zu denken.

Dabei sind wir auch selbstkritisch: Gemessen an unserer starken Position bei Fliesenklebern ist der Anteil unserer Fugenmörtel noch nicht dort, wo er aus unserer Sicht sein sollte. Dieses Potenzial wollen wir mit dem neuen Konzept gezielt erschließen.

Gleichzeitig haben wir dafür die produktionstechnischen Voraussetzungen geschaffen. In unserem Stammwerk in Bottrop haben wir umfangreich in die Modernisierung der Produktionsanlage für Fugenmörtel investiert. Das zeigt, welchen Stellenwert das Thema für uns hat und dass wir hier langfristig wachsen wollen.

„Wir wollen das Thema Fuge noch einmal grundsätzlich neu denken.“

Botament hat sein Fugensortiment neu aufgestellt und setzt dabei auf ein kompaktes Produktsystem. Foto: Botament

Botament hat sein Fugensortiment neu aufgestellt und setzt dabei auf ein kompaktes Produktsystem. Foto: Botament

Was zeichnet das neue Fugenkonzept konkret aus und welchen Mehrwert soll es für Verarbeiter und Handel bieten?

Wir haben ein sehr kompaktes Fugensortiment. Mit nur vier Fugen decken wir alle Anwendungen ab. Damit setzen wir unsere Strategie eines kompakten und multifunktionalen Produktprogramms auch im Bereich der Fuge konsequent um. Theoretisch deckt bereits unsere Mamba nahezu alles ab. Sie ist eine mineralische Fuge für ein sehr breites Anwendungsspektrum. Sie eignet sich für Glasmosaik, Steingut, Steinzeug, Feinsteinzeug und Naturstein sowie für den Einsatz innen und außen. Gleichzeitig besitzt sie eine sehr feine Oberfläche und lässt sich leicht verarbeiten.

Ab Oktober laden wir Verarbeiter dazu ein, die Mamba kostenlos zu testen. Im Rahmen unserer Aktion „60 Tage Mamba“ können sie sich selbst von den Verarbeitungseigenschaften überzeugen.

Darüber hinaus umfasst das Fugenkonzept mit Botared MF20 Speed und Botared MF10 zwei weitere mineralische Fugen sowie mit Multifuge Diamond Max eine Epoxidharzfuge. Für den Verarbeiter bedeutet das Konzept vor allem mehr Übersicht. Er muss nicht mehr zwischen zahlreichen Spezialfugen wählen, sondern kann mit wenigen Produkten einen sehr großen Anwendungsbereich abdecken. Der Handel profitiert vor allem von einem schlankeren Sortiment: weniger Produkte, die bevorratet, erklärt und verkauft werden müssen.

„Mit nur vier Fugen decken wir alle Anwendungen ab.“

Werden die Botagreen Line und das neue Fugenkonzept im kommenden Jahr auf der BAU vorgestellt?

Nein, wir haben uns entschieden, im kommenden Jahr nicht auf der BAU auszustellen und unsere neuen Konzepte stattdessen gezielt im Rahmen regionaler Veranstaltungen vorzustellen. Das ist ausdrücklich keine Entscheidung gegen die BAU. Wir haben für das kommende Jahr einfach ein anderes Vermarktungskonzept. Die Messe haben wir in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich genutzt, um insbesondere Botagreen einem breiten Fachpublikum zu präsentieren.

Für die Botagreen Line und unser neues Fugenkonzept setzen wir diesmal bewusst auf einen regionaleren und direkteren Austausch mit Handel und Verarbeitern. Und wer weiß: Vielleicht sind wir bei der nächsten BAU wieder mit dabei.

„Wir setzen diesmal bewusst auf einen regionaleren und direkteren Austausch mit Handel und Verarbeitern.“

Wenn Sie auf Botagreen, das neue Fugenkonzept und die Entwicklungen Ihrer 40 Jahre bei Botament blicken: Wohin wird sich die Bauchemie in den kommenden Jahren entwickeln?

Bei allen technologischen Entwicklungen wird die Bauchemie auch in Zukunft ein Geschäft von und mit Menschen bleiben. Handel, Verarbeiter und Hersteller müssen eng zusammenarbeiten, um den Herausforderungen des Marktes – vom Fachkräftemangel bis zum steigenden Kostendruck – gemeinsam zu begegnen. Dabei wird die Reduktion von Komplexität aus meiner Sicht eine zentrale Rolle spielen. Handel und Verarbeiter brauchen keine immer größeren Sortimente, sondern kompakte, leistungsfähige Systeme: weniger Produkte, die dafür mehr Anwendungen abdecken, einfach zu verstehen und sicher zu verarbeiten sind.

Gleichzeitig werden Nachhaltigkeit und ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen weiter an Bedeutung gewinnen. Genau diesen Weg verfolgen wir bei Botament mit der Botagreen Line und unserem neuen Fugenkonzept auch in den kommenden Jahren. Besonders konsequent zeigt sich das bei „Nur die zwei – mehr brauchst du nicht“ mit Hero und Rocket. Zwei Produkte decken nahezu alle Anforderungen der Fliesenverlegung ab.

Solche einfachen, multifunktionalen und leistungsfähigen Lösungen werden die Zukunft der Bauchemie prägen.

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