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Teilnehmer im Steinbruch. Fotos: Sopro
Teilnehmer im Steinbruch. Fotos: Sopro

Sopro Naturstein-Expertenseminar in Norwegen

Zwei Tage lang drehte sich für 24 Naturstein begeisterte alles um einen ganz besonderen Stein: Larvikit, Norwegens Nationalstein. Beim Sopro Naturstein-Expertenseminar vom 9. bis 10. Juni 2026 erlebten die Teilnehmer den weltweit geschätzten Naturstein nicht nur in Fachvorträgen, sondern vor allem dort, wo er entsteht, verarbeitet und gelebt wird – mitten in seiner Heimatregion Larvik.

Schon die Wahl des Veranstaltungsortes machte deutlich, worum es bei diesem Seminar ging. Das Hotel Farris Bad in Larvik gilt als herausragendes Beispiel für die vielfältige Verwendung von Larvikit in Architektur und Innenausbau. Geradezu „eingetaucht“ sind die Teilnehmer hier in Larvikit – im Mineralwasserbad des preisgekrönten Spa-Bereichs. Larvikit als Sauna-Ofen (Blue Pearl) oder als exklusives Gestaltungselement in den Innenräumen – der Naturstein zeigte sich hier in seiner ganzen Vielfalt und Eleganz.

Badezimmer aus Larvikit-Hotel Farris Bad.

Den fachlichen Auftakt gestaltete Dr. Anette Ritter-Höll, Geologin, Natursteinsachverständige und Geschäftsführerin der Ritter Stone GmbH. Mit ihrem Vortrag „Larvikit – Der schimmernde Schatz Norwegens“ nahm sie die Teilnehmer mit auf eine Reise durch 300 Millionen Jahre Erdgeschichte. Dabei wurde deutlich, wie außergewöhnlich die Entstehung dieses magmatischen Gesteins ist und warum seine Mineralstruktur den charakteristischen blauen Schillereffekt erzeugt, der Larvikit weltweit unverwechselbar macht.

Neben geologischem Hintergrundwissen vermittelte sie auch wertvolle Praxistipps für den Umgang mit dem Material. Besonders wichtig sei es, Bauherren die natürliche Vielfalt des Steins zu zeigen. Gerade die unterschiedlichen Farb- und Strukturverläufe seien Ausdruck seiner Einzigartigkeit und unrealistische Erwartungen an eine optische Gleichmäßigkeit späterer Lieferungen sollten von vornherein ausgeschlossen werden.

Praxisnaher Blick auf die fachgerechte Verarbeitung

Einen praxisnahen Blick auf die fachgerechte Verarbeitung warf Patrick Altenhofen, stellvertretender Leiter der Anwendungstechnik, Sopro Bauchemie GmbH. Anhand von Untersuchungen an Larvikit-Mustern erläuterte er die Bedeutung geeigneter Verlegematerialien. Für Natursteine empfiehlt sich insbesondere der Einsatz schnell erhärtender Mörtel, da deren geringerer Wassergehalt das Risiko von Verfärbungen reduziert. Ebenso hob er die Bedeutung einer fachgerechten Reinigung und Pflege hervor. Falsche Reinigungsmittel können Naturstein dauerhaft schädigen, während geeignete Imprägnierungen die Widerstandsfähigkeit gegenüber Verschmutzungen deutlich erhöhen.

Ein Höhepunkt des Seminars war die Exkursion zu Lundhs As, dem größten Larvikit-Produzenten der Welt. Lundhs As betreibt mehrere Steinbrüche rund um Larvik. Aus diesen gewinnen sie unterschiedliche Typen von Larvikit: Lundhs Blue, Lundhs Emerald, Lundhs Ocean, Lundhs Royal, Lundhs Marina.

Thomas Løvald, Business Development Manager, Lundhs As, führte durch die Außen- und Innenbereiche des Headquarters und später durch die Steinbrüche.

Das moderne Firmenhauptquartier beeindruckte durch seine konsequente Verwendung des Natursteins. Besonders faszinierend war zu sehen, wie ein und derselbe Stein der Fassade durch unterschiedliche Oberflächenbearbeitungen völlig neue Erscheinungsbilder erhalten kann – von zurückhaltend matt bis spektakulär schimmernd.

Thomas Lovald erklärt: Ein und derselbe Stein, aber unterschiedliche Oberflächenstruktur.

Die Bergbau-Ingenieurin Helena Fromreide Nesheim, Lundhs As, informierte über den Abbau und die internationale Vermarktung des Natursteins. Rund 99 Prozent der hochwertigen Blöcke werden exportiert. Wichtige Absatzmärkte sind unter anderem China, die USA, Großbritannien und die Niederlande. Sie betonte zudem, dass Larvikit geologisch kein Granit ist, obwohl er häufig als solcher bezeichnet wird. Aufgrund seines fehlenden Quarzgehalts unterscheidet er sich wesentlich von vielen anderen Natursteinen Norwegens.

Besonders eindrucksvoll wurde die Dimension der Besuch des Steinbruchs Klaastad

Natursteingewinnung beim Besuch des Steinbruchs Klaastad

Vor der gewaltigen Kulisse des Steinabbaus konnten die Teilnehmer erleben, mit welchem technischen Know-how die riesigen Gesteinsblöcke aus dem Berg gelöst werden:

Mit beeindruckender Präzision und gewaltigem technischem Aufwand werden im Steinbruch riesige Gesteinsblöcke aus dem Berg gelöst – sogenannte „Cubes“. Sie erreichen Dimensionen von bis zu zehn Metern Höhe und 20 Metern Länge. Der Prozess beginnt mit einer Reihe exakt gesetzter Bohrlöcher, die den späteren Trennverlauf im Fels markieren. Diese werden in einem Winkel von 40 Grad angelegt. So verlaufen die späteren Bruch- und Schnittflächen optimal durch die Kristallstruktur des Gesteins und bringen den charakteristischen Schimmer des Natursteins besonders eindrucksvoll zur Geltung.

Anschließend werden hydraulische Keile in die Bohrlöcher eingesetzt. Mit enormer Kraft lösen sie die gewaltigen Blöcke aus dem Berg. Mithilfe diamantbesetzter Seile werden daraus rund zwei Meter starke Scheiben geschnitten. Diese lässt man kontrolliert auf den Abraum stürzen – ein bewusst eingesetzter Qualitätstest. Schwachstellen im Gestein brechen dabei sofort auf, minderwertige Bereiche werden aussortiert. Gleichzeitig reduziert dieses Verfahren den späteren maschinellen Aufwand bei der Weiterverarbeitung.

Wasser macht selbst feinste Haarrisse sichtbar

Auch die abschließende Qualitätskontrolle folgt einem ebenso einfachen wie wirkungsvollen Prinzip: Wasser macht selbst feinste Haarrisse sichtbar. Erst wenn der Stein diesen letzten Test besteht, gilt er als hochwertiges Material für die weitere Verarbeitung.

Im Steinbruch stehend wurde spürbar, welche Größenordnungen hinter der Gewinnung eines Materials stehen, das später als elegante Fassadenplatte oder exklusive Küchenarbeitsplatte Verwendung findet.

Steinbruch Klaastad.

Auch die Weiterverarbeitung des Rohmaterials stand auf dem Programm. Bei Larvikittblokka As erfuhren die Teilnehmer, wie überschüssiges Gestein effizient und nachhaltig weitergenutzt wird. Moderne Produktionsanlagen verarbeiten das Material unter anderem für Küstenschutzanlagen, Hafenbauprojekte sowie den Garten- und Landschaftsbau.

Die Verbindung von Nachhaltigkeit, Innovation und Ressourceneffizienz hinterließ bei vielen Teilnehmern einen bleibenden Eindruck, besonders die Erkenntnis, ein Werkszelt aufzubauen, welches rückstandslos zurückgebaut werden kann und im Gegensatz zu einem festen Gebäude wesentlich günstiger ist. So kann mehr Geld in schnellere Produktionslinien fließen, lernte die Gruppe von Henrik Gyldenøhr Beckman, Geschäftsführer von Larvikittblokka As.

Skulpturenpark vom Kunstfelt Stålaker

Eine neue Erfahrung mit Larvikit war noch der Skulpturenpark vom Kunstfelt Stålaker. Im Rahmen des „Symposium Norge“ wagten sich die Künstler an dieses harte Material und schufen eine Verbindung zwischen Industrie und Kunst und Natur. Mit Begeisterung erzählten Christine Dingens und Martin Kuhn die Geschichten rund um die Bildhauer und ihre Werke.

Den stimmungsvollen Abschluss bildete ein gemeinsamer Spaziergang durch den geologischen Park Mølen. Zwischen den von der Eiszeit geformten Kieselstränden und den vielfältigen Gesteinen Skandinaviens schloss sich der Kreis: vom fertigen Natursteinprodukt zurück zu seinem Ursprung in der Natur.

Das Naturstein-Expertenseminar in Larvik verband auf eindrucksvolle Weise Fachwissen, Praxis, Kunst und Naturerlebnis. Die Teilnehmer kehrten nicht nur mit neuem Know-how zurück, sondern auch mit einer spürbaren Begeisterung für einen Naturstein, der weltweit Architekten, Planer und Bauherren fasziniert.

Das nächste Sopro Naturstein-Expertenseminar findet am 30.9./01.10.2026 in Niedersachsen statt. Ein Programm um den Obernkirchener Sandstein aus einem der ältesten aktiven Steinbrüche.

Weitere Informationen unter www.sopro-profiakademie.de.

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