Die Konjunkturbeobachtung der KMU Forschung Austria zeigt: Gestiegene Energiepreise und hohe Inflation belasten österreichische Betriebe. Entlastung, Energie-Resilienz und Rückenwind für die Lehre werden gefordert.
Innerhalb der Sparte Gewerbe und Handwerk zeigen sich aber deutliche Unterschiede: Einzelne Branchen konnten ihre Aufträge im zweiten Quartal steigern. So hatten Hafner, Platten- und Fliesenleger sowie Keramiker im zweiten Quartal 2026 mehr Aufträge als im Jahr davor: Der Auftragsbestand stieg um 10,1 Prozent. Im Vorjahr war er allerdings noch um 16 Prozent zurückgegangen.

Konjunkturbeobachtung Gewerbe und Handwerk Q2: Erholung erneut ausgebremst. Foto: WKÖ
„Die aktuellen Konjunkturdaten bestätigen leider, was viele unserer Betriebe im Alltag spüren. Wir kommen nicht vom Fleck“, sagte Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).
Konjunktur bleibt gedämpft
Insgesamt bleibt die Lage im Gewerbe und Handwerk uneinheitlich. Der Konflikt im Nahen Osten, steigende Energiepreise und die Rückkehr einer höheren Inflation bremsten die erhoffte Erholung. Im ersten Quartal 2026 gingen die Auftragseingänge nominell um 2,1 Prozent zurück, real um 4,6 Prozent. Bei der Geschäftslage im zweiten Quartal beurteilen 22 Prozent der Betriebe ihre Lage als gut, 30 Prozent als schlecht; der Saldo liegt bei minus 8 Prozentpunkten, nach minus 12 im Vorquartal. Für das dritte Quartal rechnen die Betriebe mit einem Saldo von minus 11 Prozentpunkten, wobei investitionsgüternahe Branchen (minus 15) zurückhaltender sind als konsumnahe (minus 5).
Impulse für Investitionen und Wachstum
Die Bundessparte Gewerbe und Handwerk nennt mehrere Ansätze, die den Betrieben mehr Spielraum für Investitionen und Wachstum geben sollen: den Ausbau erneuerbarer Energien und der Energieinfrastruktur, um unabhängiger von Energieimporten zu werden, den Abbau von Bürokratie sowie einen raschen One-Stop-Shop für Bau- und Genehmigungsverfahren, der das „Behörden-Pingpong“ beenden soll.
Entlastung bei Lohnnebenkosten
Als konkrete finanzielle Entlastung gilt die ab 2028 geplante Senkung der Lohnnebenkosten: Betriebe im Gewerbe und Handwerk – der größten Arbeitgebersparte in Österreich – sollen dadurch pro Jahr um fast 400 Millionen Euro entlastet werden.
Rückenwind für die Lehre
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Lehrausbildung: Die Lehrlingseinkommen sind seit 2023 je nach Lehrberuf um 19 bis 35 Prozent gestiegen, deutlich stärker als die Inflation. Die staatliche Unterstützung für Ausbildungsbetriebe blieb im selben Zeitraum unverändert. Die Betriebe investieren nach eigenen Angaben jährlich 2,5 bis 3 Milliarden Euro in die Ausbildung; laut einer Umfrage von Arbeiterkammer und ÖGB bewerten Lehrlinge ihre Ausbildungsbedingungen im Schnitt mit der Note 2,2. Im Wirtschaftsparlament der WKÖ wurde dazu kürzlich ein Antrag zur Stärkung der Lehre einstimmig angenommen.
Über KMU Forschung Austria
Die KMU Forschung Austria wurde 1954 gegründet. Der private, gemeinnützige Verein liefert wissenschaftlich fundierte Analysen und Daten als Grundlage für wirtschaftspolitische und unternehmerische Entscheidungen – für Politik, Interessenvertretungen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und die interessierte Öffentlichkeit. Ziel ist eine positive Weiterentwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft in Österreich und Europa.





