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Das Schilowsky-Team. Bild: Schilowsky
Das Schilowsky-Team. Bild: Schilowsky

Schilowsky: Fliesenkompetenz für Österreich

Mit der Übernahme eines 17‑köpfigen Fliesenteams von Quester und dem früheren Quester‑Standort in Krems steigt Schilowsky gemeinsam mit Stark Österreich offensiv in den österreichischen Fliesenmarkt ein. Im Gespräch erläutern Heiner Tappe (CEO Stark Österreich) sowie Christoph und Lisa Schilowsky‑Käfer, Geschäftsführer Schilowsky, warum die Eigenmarke Kermos eine zentrale Rolle spielt, wie Zentrallager und Showroom-Konzept aussehen – und welche Erwartungen sie an Industriepartner und Marktpotenzial haben.

1200Grad: Warum jetzt der Einstieg in den Fliesenmarkt – hat das direkt mit dem Wegfall von Quester zu tun?

Heiner Tappe: Nein. Wir sind in Deutschland bereits Marktführer im Fliesenhandel, dort treten wir mit Keramundo als Fliesenfachhandelsmarke von Stark Deutschland auf. Unsere Eigenmarke in diesem Segment heißt Kermos. In Österreich waren wir im Fliesenhandel bisher nur lokal präsent. Wir hatten jedoch schon länger das Ziel, im Fliesenhandel in Österreich vollständig Fuß zu fassen. Jetzt kommt für uns eine günstige Gelegenheit hinzu: Durch die Insolvenz eines Wettbewerbers ist ein komplettes Fliesenteam frei geworden.

Durch die Insolvenz eines Wettbewerbers ist ein komplettes Fliesenteam frei geworden.

v.l.n.r: Christoph Schilowsky-Käfer, Martin Strobl, Heiner Tappe. Bild: Schilowsky

v.l.n.r: Christoph Schilowsky-Käfer, Martin Strobl, Heiner Tappe. Bild: Schilowsky

Welche Rolle spielt die Übernahme des Quester‑Fliesenteams konkret?

Tappe: Eine sehr große. Mit der Übernahme des 17‑köpfigen Fliesenteams von Quester rund um Martin Strobl setzen wir ein starkes Zeichen für Kontinuität, Verantwortung und Wachstum im österreichischen Baustoff‑ und Fachhandelsmarkt. Insgesamt konnten wir in den vergangenen Wochen über 40 ehemalige Quester‑Mitarbeitende aus unterschiedlichen Bereichen für Schilowsky gewinnen. Wir bringen Fliese nach Österreich – mit einem klaren Anspruch an Qualität, Spezialisierung und Marktnähe – und setzen dabei bewusst auf ein erfahrenes Team mit fundiertem Know‑how, das diesen Bereich von Anfang an mit hoher Kompetenz mitgestalten wird.

Ist das Marktpotenzial für Fliesen in Österreich trotz Neubaukrise groß genug?

Tappe: Das Volumen ist kleiner als noch vor einigen Jahren. Wir haben Marktrückgänge im Fliesengeschäft und bei Oberflächen, die Bauwirtschaft hinkt im Neubau, und die letzten Jahre waren von Rückgängen geprägt. Aber der Markt ist da, und Quester hat im Fliesenbereich in Österreich erfolgreich gearbeitet – das sehen wir auch daran, wie interessant seine Mitarbeitenden für den Markt waren. An dieser Stelle wollen wir ansetzen und mit einem klaren Konzept partizipieren.

Schilowsky wird eher mit Trockenbau und Baustoffen in Verbindung gebracht. Welche Rolle spielte Fliese bisher?

Christoph Schilowsky-Käfer: In Neunkirchen hat die Fliese in unserer Historie schon einen Platz gehabt. Man sieht sie in unserem Baufachmarkt, was nun durch die Spezialisierung weiter ausgebaut wird. Seit 2009, mit der Expansion nach Wien, lag unser Fokus auf dem Baustoffhandel und besonders auf dem Trockenbau. Das war unser Kerngeschäft. Gerade in der aktuellen Lage ist es aber wichtig, neue Märkte zu erschließen: Wo sind wir noch nicht aktiv, was ist für uns interessant? Fliese ist für uns ein wichtiger Markt, den wir nun systematisch ausbauen.

Fliese ist für uns ein wichtiger Markt, den wir nun systematisch ausbauen.

Wie sieht das Konzept für den Fliesenbereich bei Schilowsky konkret aus?

Heiner Tappe: Wir setzen auf Spezialisierung, Marktnähe und die gezielte Nutzung bestehender Synergien innerhalb der Stark-Gruppe. Konkret heißt das: ein zentrales Fliesenlager für die österreichweite Versorgung – das richten wir am Standort Stockerau ein –, den Ausbau bestehender Schilowsky-Standorte mit klarer Fliesenkompetenz sowie die Schaffung eines Fliesen-Showrooms in Wien für Architekten, Planer und Endkunden. Unser erklärtes Ziel ist es, mindestens die Marktposition zu erreichen, die Quester im Fliesenbereich in Österreich inne hatte.

Christoph Schilowsky-Käfer: Was wir aufbauen, ist kein Schnellschuss. Wir investieren in Infrastruktur, in Mitarbeitende und in Sortimentstiefe. Das braucht Zeit, aber wir haben einen klaren Plan und die nötige Rückendeckung durch die Gruppe.

Wir investieren in Infrastruktur, in Mitarbeitende und in Sortimentstiefe.

Und Krems? Welche Rolle spielt der frühere Quester‑Standort dort?

Christoph Schilowsky-Käfer: Krems ist ein wichtiger Baustein. Der Standort überzeugt durch seine moderne Infrastruktur, seine attraktive Lage in einem stark frequentierten Einkaufsgebiet und durch seine hohe Qualität – er wurde erst 2023 eröffnet. Mit der Übernahme gewinnen wir einen strategisch wertvollen Standort und ein motiviertes, erfahrenes Team von 13 neuen Kolleginnen und Kollegen, das künftig Teil von Schilowsky sein wird. Der Standort wird unser gesamtes Spezialisierungsportfolio abbilden – Trockenbau, Baustoffe, Profiwerkzeug, Fliese – und damit in der Lage sein, allen ehemaligen Quester-Kunden den gewohnten, ja vielleicht auch besseren Service zu bieten.

Dabei konzentrieren Sie sich überwiegend auf die Stark Eigenmarke Kermos?

Tappe:  Mit der Eigenmarke differenzieren wir uns klar. Kermos ist ein sehr umfassendes Programm, und es geht weit über die reine Fliese hinaus. Wir sprechen über komplette Wohngestaltung: Fliesen, Laminat, Vinyl, Aluverbundplatten, Wandpaneele und -profile, Türen – alles unter der Marke Kermos. Fliese ist der Eintrittsfokus in Österreich, aber Kermos umfasst deutlich mehr. Und: Kermos ist in Österreich bisher nicht bekannt, wir launchen die Marke hier komplett neu und erweitern unser Angebot damit um ein starkes, etabliertes Sortiment.

Mit der Eigenmarke differenzieren wir uns klar.

In welchem Segment positionieren Sie Kermos – eher exklusiv oder im mittleren Preisbereich?

Tappe: Kermos bietet eine breite Palette an Produkten und Designs in allen Preisbereichen – allerdings immer mit dem Anspruch an sehr gute Qualität und Langlebigkeit.

Die Eigenmarke Kermos ist seit über 25 Jahren auf dem deutschen Markt etabliert und steht für hochwertige Fliesenlösungen zu einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis. Foto: Stark Deutschland

Die Eigenmarke Kermos ist seit über 25 Jahren auf dem deutschen Markt etabliert und steht für hochwertige Fliesenlösungen zu einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis. Foto: Stark Deutschland

Viele Händler führen Eigenmarken. Wodurch unterscheidet sich Ihr Konzept von anderen Anbietern?

Tappe:  Wir verfügen mit Kermos über das umfassendste Eigenmarkensortiment im deutschen Fliesenfachhandel. In Deutschland betreiben wir rund 110 Standorte mit Fliesenaktivitäten. Dieses Know‑how und diese Sortimentsbreite bringen wir nach Österreich – kombiniert mit einem Zentrallager, einem geplanten Fliesen Showroom in Wien und der Weiterentwicklung unserer bestehenden Standorte.

Seit Februar 2026 verfügen die Kermos Fliesen über eine Environmental Product Declaration (EPD). Foto: Stark Deutschland

Seit Februar 2026 verfügen die Kermos Fliesen über eine Environmental Product Declaration (EPD). Foto: Stark Deutschland

Sie sprechen von „Systemen“ – ähnlich wie im Trockenbau. Was heißt das bei Fliese konkret?

Tappe: Wir denken in Systemen: Fliese, Kleber, Schienen, Bauplatten – alles, was der Verarbeiter braucht. In Deutschland haben wir ein geprüftes System etabliert, das wir unter Kermos führen, inklusive Schienensystem und Bauchemie. Die Systemprüfung ist in Deutschland wesentlich relevanter als in Österreich. In Österreich kann der Fliesenleger viele Einzelkomponenten frei wählen – da unterscheidet sich der Markt. Trotzdem können wir ein vollständiges System anbieten, das sich an der deutschen Systematik orientiert.

Wie hat die Industrie – Fliese und Bauchemie – auf Ihren Markteintritt reagiert, vor dem Hintergrund des „Quester-Lochs“?

Christoph Schilowsky-Käfer: Die Industrie hat ein großes Interesse daran, das entsprechende Volumen wieder zu platzieren. Sie hat ihre Ziele ebenso wie wir. Da ist die Freude über neue verlässliche Partner groß. Wir können zwar das Volumen nicht alleine kompensieren, aber wir können regional einen wesentlichen Beitrag leisten.

Wie schnell wollen Sie das Fliesengeschäft in Österreich hochziehen?

Tappe: Wir haben uns vorgenommen, ab Sommer voll handlungsfähig zu sein – mit Verkauf, Schauraum und Lager. Das ist ambitioniert, aber wir haben nicht erst gestern mit den Vorbereitungen begonnen. Die Vorarbeiten laufen seit einiger Zeit: Systemaufbau, Listungen, Gespräche mit der Industrie, Übertragung von Know‑how aus Deutschland und die Integration des Quester‑Teams.

Wir haben uns vorgenommen, ab Sommer voll handlungsfähig zu sein – mit Verkauf, Schauraum und Lager.

Das Kermos Fliesensortiment soll ab Sommer auch auf dem österreichischen Markt eingeführt werden. Foto: Stark Deutschland

Das Kermos Fliesensortiment soll ab Sommer auch auf dem österreichischen Markt eingeführt werden. Foto: Stark Deutschland

Wie werden Sie den österreichischen Fliesenmarkt konkret bearbeiten – wie erreichen Sie die Fliesenleger?

Heiner Tappe: Das übernommene Team bringt die Kontakte und das Netzwerk direkt mit. Wir setzen auf klassische Außendienstbetreuung, gezielte Architektenberatung und Präsenz in Fachmedien wie der Keramischen Rundschau. Unser Sortiment ist ausschreibungsfertig aufbereitet – das setzen wir in Deutschland schon erfolgreich ein und übertragen es auf Österreich. Das Modell für Fliesenleger ist klar: Sie bringen ihre Kunden in unsere Ausstellung oder schicken sie zu uns. Verbraucherpreise sind transparent ausgezeichnet, der Fliesenleger ist geschützt.

Christoph Schilowsky-Käfer: Natürlich ist Vertrauensaufbau notwendig – das ist uns bewusst. Die Kunden von Quester hatten ihre laufenden Projekte, müssen Fliesen weiterbestellen und suchen jetzt einen zuverlässigen neuen Partner. Genau das wollen wir sein. Das Team bringt diese Brückenfunktion mit, weil es die Kunden kennt und das Vertrauen bereits genießt.

Was ist die Aufgabe von Martin Strobl in diesem Setup?

Tappe: Er verantwortet als Vertriebsspartenleiter für Österreich den Fliesenbereich und ist auch verantwortlich für den Einkauf, in enger Abstimmung mit Stark Group und Stark Deutschland. Wir haben dort internationale und nationale Vereinbarungen, und es gibt große Überschneidungen mit Österreich – bei Fliesen, Zubehör und Bauchemie. Martin Strobl kennt den österreichischen Fliesenmarkt aus dem Effeff und bringt sein Netzwerk ein.

Wie stark wird Fliese langfristig im Gesamtportfolio von Schilowsky verankert sein?

Christoph Schilowsky-Käfer: Fliese ist für uns ein strategisch wichtiges Standbein neben Baustoffen und Trockenbau. In Neunkirchen haben wir eine lange Fliesentradition, jetzt weiten wir das Thema aus. Mit Zentrallager, Showroom in Wien, dem neuen Standort in Krems und einem starken Team aus ehemaligen Quester‑Mitarbeitenden wollen wir Fliese als festen Bestandteil im Leistungsportfolio etablieren – mit klarer Systemlogik und einer Eigenmarke, die mehr als nur „nackte Fliese“ bietet.

Fliese ist für uns ein strategisch wichtiges Standbein neben Baustoffen und Trockenbau.

Background Schilowsky

Schilowsky blickt auf eine 100-jährige Unternehmensgeschichte zurück und hat sich seit der Gründung 1926 in Neunkirchen vom regionalen Händler für Landesprodukte und Futtermittel zu einem modernen Baustoffunternehmen entwickelt.

Über vier Generationen hinweg prägten kontinuierliche Investitionen, die Erweiterung des Sortiments sowie die Digitalisierung die Entwicklung des Familienunternehmens. Wichtige Meilensteine waren die Spezialisierung im Trockenbau, zahlreiche Standortübernahmen und die Einführung eigener Marken. Mit dem Beitritt zur Stark Gruppe im Jahr 2023 wurden neue strategische Weichen gestellt und die weitere Expansion vorangetrieben.

Für 2026 stehen neben dem 100-jährigen Jubiläum unter anderem die Eröffnung eines neuen Standorts in Krems, ein zentrales Fliesenlager in Stockerau sowie die Einführung der Fliesen-Eigenmarke Kermos in Österreich auf dem Programm. Damit setzt Schilowsky seinen Wachstumskurs konsequent fort.

(Dieses Interview wurde mit freundlicher Genehmigung der Keramischen Rundschau aus Österreich übernommen).

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