Die Unterschiede und Widersprüche zwischen der ATV DIN 18336 Abdichtungsarbeiten und der DIN 18534 Innenraumabdichtung beschäftigen die Branche schon seit Jahren. Besonders bei Planung, Ausschreibung und Ausführung kommt es immer wieder zu Unsicherheiten. 1200Grad sprach darüber mit Markus Kohl, 1. Vorsitzender und Geschäftsführer von proFliese e.V.
1200Grad: Herr Kohl, warum sorgen die DIN 18336 und die DIN 18534 immer wieder für Diskussionen?
Markus Kohl: Das Thema begleitet die Branche tatsächlich schon sehr lange. Bereits während meiner aktiven Mitarbeit beim ZDB und dem Fachverband Fliesen und Naturstein waren die Widersprüche zwischen beiden Regelwerken ein großes Seminarthema. Viele verstehen die unterschiedlichen Ursprünge und Aufgaben dieser Normen nicht. Genau daraus entstehen Missverständnisse und Konflikte.
Wo liegen denn die grundsätzlichen Unterschiede?
Markus Kohl: Die DIN 18336 ist eine klassische Vertragsnorm aus der VOB Teil C. Sie existiert in ähnlicher Form bereits seit Jahrzehnten und bildet die Grundlage für Ausschreibungstexte, Angebotsformulierungen und Leistungsbeschreibungen. Die DIN 18534 dagegen ist eine technische Planungs- und Ausführungsnorm für Innenraumabdichtungen und wurde erstmals 2017 veröffentlicht. Beide Schriften verfolgen also unterschiedliche Ziele.
Sie existiert in ähnlicher Form bereits seit Jahrzehnten und bildet die Grundlage für Ausschreibungstexte, Angebotsformulierungen und Leistungsbeschreibungen.
Warum passen die Inhalte dennoch nicht zusammen?
Markus Kohl: Der Normenausschuss der DIN 18336 hat es leider versäumt, die Entwicklungen der DIN 18534 ausreichend zu berücksichtigen und notwendige Anpassungen vorzunehmen. Teilweise ergeben die Zuordnungen, welche Stoffe für bestimmte Abdichtungen verwendet werden sollen, heute kaum noch Sinn. Die Inhalte sind schlicht nicht sauber aufeinander abgestimmt.
Welche Norm sollte denn aus Ihrer Sicht maßgeblich sein?
Markus Kohl: Für die technische Planung und Ausführung von Abdichtungsarbeiten ist ganz klar die DIN 18534 die führende Norm. Sie sollte bei Bauvorhaben ausdrücklich vereinbart werden. Wenn in Ausschreibungen oder Leistungsverzeichnissen die DIN 18534 genannt wird, hat sie Vorrang. Sie bildet gemeinsam mit den darauf aufbauenden Merkblättern und Regelwerken die anerkannte Regel der Technik für Innenraumabdichtungen.
Sie bildet gemeinsam mit den darauf aufbauenden Merkblättern und Regelwerken die anerkannte Regel der Technik für Innenraumabdichtungen.
Welche Rolle spielt die DIN 18336 dann überhaupt noch?
Markus Kohl: Die DIN 18336 bleibt weiterhin eine wichtige Vertragsgrundlage innerhalb der VOB. Historisch war sie viele Jahrzehnte der Maßstab für Abdichtungsarbeiten. Das Problem ist nur, dass ihre Inhalte technisch nicht mehr vollständig zum aktuellen Stand der Abdichtungstechnik passen.
Wie gehen Sachverständige im Schadensfall mit dieser Situation um?
Markus Kohl: Sachverständige orientieren sich bei der Beurteilung von Ausführungsfehlern oder Schäden ausschließlich an der DIN 18534 und den anerkannten Regeln der Technik. Genau deshalb ist es so wichtig, diese Norm auch vertraglich eindeutig zu vereinbaren.
Sachverständige orientieren sich bei der Beurteilung von Ausführungsfehlern oder Schäden ausschließlich an der DIN 18534
Gibt es Bestrebungen, die Widersprüche künftig zu beseitigen?
Markus Kohl: Ja, definitiv. Der Normenausschuss der DIN 18336 hatte bereits vor der Neuausgabe 2025 die Aufgabe, diese Fehler zu korrigieren. Das ist bislang aber nicht ausreichend gelungen. Es wird weiterhin daran gearbeitet, auch wenn es im Gremium durchaus unterschiedliche Auffassungen gibt. Ziel ist es natürlich, den bestehenden Missstand zu beheben.





