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Foto: Markus Kohl
Foto: Markus Kohl

Viele Schäden bei barrierefreien Duschen und Bädern

Herr Kohl, proFliese hat nun ein neues Regelwerk „Barriefreie Bäder“ herausgegeben. Warum braucht die Branche das?

Markus Kohl: Aus meiner gutachterlichen Sicht und meinen bundesweiten Schadensfällen, muss ich feststellen, dass die meisten Schäden heute beim Bau von barrierefreien Duschen und Bädern produziert werden. Es ist mittlerweile zum Standard geworden, dass ein Bad eine bodengleiche Dusche bekommt. Fast immer als „Walk-In“ Lösung, ohne Spritzschutz. Da wir am Bau verschiedene Gewerke haben, muss es hier einfach viel mehr Aufmerksamkeit geben.

Es ist mittlerweile zum Standard geworden, dass ein Bad eine bodengleiche Dusche bekommt. Fast immer als „Walk-In“ Lösung, ohne Spritzschutz.

Bedeutet es, dass die Fliesenleger meist die Schuldigen sind?

Ich kann nur über meine Schadensfälle berichten. Da ist die häufigste Ursache ein oder mehrere Planungsfehler. Auf der Liste folgen Ausführungsfehler aufgrund mangelnder Qualifikation. Die meisten Fach- und Meisterbetriebe kennen sich aus und machen eine gute Arbeit.

Wenn aber ein Planer sich ausdenkt und festlegt, dass eine Dusche 80/80 cm als „Walk-In“ Lösung gebaut werden soll, muss man sich nicht wundern, wenn dann das Wasser überall hinläuft. Da hilft auch der beste und schönste Fliesenbelag nichts, wenn Teppich und Parkett im Türbereich geflutet werden. Immer wieder gibt es auch Feuchte oder Wasser, dass sich zwischen Abdichtung und Fliese entlang zieht und andere Bauteile schädigt.

Müssen da nicht Fliesenleger und Sanitärbetriebe intervenieren und Bedenken anmelden?

Wenn man sich die Realität anschaut, drücken Planer, Architekten und Bauleiter die Planungsvorgabe an die Handwerker durch. Auch wenn die Handwerker dann „Bedenken anmelden“ geschieht dies meist nur mündlich an der Baustelle. Die wenigsten erstellen ein juristisch einwandfreies Bedenkenschreiben. Man will ja auch die Hoheiten nicht verärgern.
Und ehrlich: Die Handwerker wissen meist auch nicht alle Regeln und Empfehlungen und vertrauen auf den Architekten oder Bauleiter.

Sehr oft höre ich von den Fliesenlegern auch den Einwand, dass sie nicht wussten, welche Art von Spritzschutz oder ob überhaupt eine Abtrennung vorgesehen war. So ist die Frage nach der Duschabtrennung meist so weit hinten im Bauablauf, dass es für Fliesenleger erst mal keine Relevanz hat. In einigen meiner Fälle stand der Spritzschutz im Plan als geschlossene Kabine, wird dann aber am Ende nicht ausgeführt. Auch das ist für mich ein Planungsfehler bzw. ein Fehler der Bauleitung oder der Abnahme, für den ein Fliesenleger nichts kann.

Die Handwerker wissen meist auch nicht alle Regeln und Empfehlungen und vertrauen auf den Architekten oder Bauleiter.

Was bringt dieses neue Regelwerk?

Es ist eine gute Übersicht und Zusammenfassung von vielen gültigen Normen und Regeln, die teilweise schon seit Jahren existieren. Beispiel die Fachinformation Schnittstellenkoordination Nassraum, die ich u.a. zusammen mit Detlef Börner geschrieben hatte, hat in Teilen ähnliche Inhalte. Wir haben aber nun mit dem Technischen Ausschuss der proFliese neue Maßnahmen und Werte festgeschrieben, die bisher nirgends geregelt sind.
Wir fanden es wichtig für die Fachwelt, da die Themen auch oft bei Gutachten gefragt werden. Beispiel: Wie weit spritzt oder verteilt sich Wasser bei Nutzung der Dusche? In Anlehnung an den Normenausschuss der DIN 18534, eigenen Versuchen, Baustellen und Schadensfällen, haben wir uns auf einen Wert von 200 bis 250 cm festgelegt. Dieser Wert beschreibt, wie weit sich Wasser aus der Dusche unkontrolliert ausbreitet, wenn es keine Abtrennung gibt.

Außerdem haben wir eine Ausnahmeregelung verfasst, wonach es möglich ist, dass man CA-Estriche im Bestand bei Wassereinwirkungsklasse W2-I belassen kann und nicht herausreißen muss. Die Dusche muss dazu geschlossen betrieben werden und es muss ein Belagsunterlaufschutz (= Kapillarsperre) eingebaut werden. Das bedeutet zwar erhöhte Kosten und handwerklichen Umstand, aber so ist es möglich. Wir machen aber auch klar, dass es die Ausnahme bleiben soll.

In Anlehnung an den Normenausschuss der DIN 18534, eigenen Versuchen, Baustellen und Schadensfällen, haben wir uns auf einen Wert von 200 bis 250 cm festgelegt.

Was ist sonst das Besondere an diesem neuen Schriftstück?

Wir nehmen Themen in die Hand, die sich andere nicht trauen. Zum Beispiel finden wir den Titel „DIN 18040 Barrierefreies Bauen“ eher unglücklich, da diese Norm alles regelt, was für eine behindertengerechte Ausstattung benötigt wird. Von Rampen über Höhe der Türgriffe und vieles mehr. Da ist die Barrierefreiheit, bezogen auf Schwellen und Absätze, nur ein Teilbereich. Auf der anderen Seite habe ich erlebt, dass Fliesenleger angefeindet wurden, weil sie beim Bau der bodengleichen Dusche die DIN 18040 nicht eingehalten haben, mit dem Argument, bei barrierefreien Duschen muss diese Norm zwingend eingehalten werden. Was natürlich Quatsch ist. Die Norm muss vorher als geschuldetes Bausoll vereinbart werden.

Verbände oder Institutionen schreiben Merkblätter meist aus dem eigenen Blickwinkel und beachten nicht das „große Ganze“. Das ist ein Manko, was jedem Sachverständigen auf die Füße fällt, meist mit der Frage „Ja, wo steht das denn?“. Es gibt oft unterschiedliche und manchmal auch widersprüchliche Aussagen. Es ist einer unserer Ansätze von proFliese in Regelwerken und Merkzetteln darauf zu achten, dass wir eine einfache Sprache verwenden sowie die vorhandenen Regeln aus DIN, ZDB und anderen Verbänden beachten, erwähnen und einfließen lassen. So haben Betriebsinhaber und Sachverständige einen guten Überblick über das gesamte Thema.

Es ist einer unserer Ansätze von proFliese in Regelwerken und Merkzetteln darauf zu achten, dass wir eine einfache Sprache verwenden, sowie die vorhandenen Regeln aus DIN, ZDB und anderen Verbänden beachten, erwähnen und einfließen lassen.

Das Regelwerk Barrierefreie Bäder bekommen die Mitglieder von proFliese kostenlos.
Gegen eine Schutzgebühr von 10 € kann es aber auch auf der Webseite www.proFliese.eu bestellt werden.

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