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Skonto-Verlängerungen: Das Eigentor einiger Händler

Nicht die richtige Zeit zum Feilschen um Konditionen

„Dass sich die einem mehr nehmen als die anderen, nennt man in diesen Tagen hamstern und es ist verpönt. Dass sich die einen mehr nehmen als die anderen, nennt man sonst Marktwirtschaft, und es ist heilig.“ (aus dem Essay von Bernd Ulrich „Apocalypse, not now“).

Ein Kommentar von Ralf Schanze, Chefredakteur 1200Grad

Nachdem einige Händler von ihren Lieferanten eine Skonto-Verlängerung während der Krise forderten und dies wiederum mit den Wünschen ihrer Kunden begründeten, ging ein Aufschrei durch die Branche. Selten haben wir zu einem Beitrag soviel Reaktionen von unseren Lesern erfahren.

Die Hersteller zeigen sich regelrecht entsetzt, wie einige Händler während der Krise vorgehen. Gerade in dieser schwierigen Zeit, in der allgemein Solidarität und Partnerschaft gefragt sein soll und die auch emotional sehr aufgeladen ist, werden nun die Daumenschrauben noch enger angezogen. So schrieb z.B. Leser Thomas Lang auf der 1200Grad facebook Seite zum Thema hagebau: „Dieses Schreiben ist besonders gegenüber Lieferanten aus Norditalien in diesen Tagen ethisch und moralisch eine Unverschämtheit. Ich arbeite seid fast 30 Jahren u.a. für die italienische Fliesenindustrie. Da hat der deutsche Kunde mal richtig Stil bewiesen….“

Dass es auch anders geht, beweist gerade die Preis getriebene Baumarktbranche, bei der normaler Weise um jeden Cent knallhart gefeilscht wird. So lockert der Handelsgigant Bauhaus sogar während der Corona-Krise seine Lieferbedingungen für die Hersteller. Dies verbindet man mit der Hoffnung, dass das Vertrauen seinerseits von der Herstellern nicht missbraucht wird.

Fakt ist: Mit ihren „instinktlosem Schreiben“ (O-Ton eines Lesers) hat sich insbesondere die hagebau ein famoses Eigentor geschossen. Zwar hat man in Soltau zugegeben, dass die Formulierung unglücklich war, aber am Verhalten selber sieht man kein Problem. Dass bei der hagebau keiner warnend die Hand gehoben hat, als dieses Schreiben formuliert wurde, zeugt von wenig Fingerspitzengefühl. Immerhin haben drei Bereichsleiter der hagebau das Schreiben offiziell unterschrieben. Wenigstens bei einem der langjährigen Mitarbeitern hätte da die Alarmglocken schrillen müssen, dass ein solches Schreiben in diesen Zeiten auf wenig Verständnis bei den Herstellern stößt.

Und das wird zudem Langzeitfolgen haben. Auch nach der Krise wird man sich wieder an Verhandlungstische setzen und dann werden viele Hersteller sicherlich nicht vergessen haben, wer ihnen in diesen schweren Zeiten, in denen es um das nackte Überleben geht, die Hand ausgesteckt hat – oder eben nicht. Wie sagte es einer unserer Gesprächspartner am Telefon: „Deshalb sind die Händler eben Händler, weil sie um jeden Cent ringen.“ Das mag stimmen, aber alles zu seiner Zeit. Und gerade ist keine Zeit zum Feilschen um Konditionen.

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