Rückzug von der Cersaie 2022- wer fehlt?

Viele Parallel-Veranstaltungen in den Werken

Einige italienische Hersteller setzen auf Rückzug von der Cersaie statt Heimspiel auf der Messe. Wer fehlt und warum?

Ist Ihnen bei der Planung Ihres Messerundgangs der Rückzug von der Cersaie von einigen Stammausstellern schon aufgefallen? Vielleicht ist es Ihnen auch so ergangen, wie der Redaktion von 1200Grad: Auf der Suche nach der diesjährigen Position der angesteuerten Unternehmen spuckt das Ausstellerverzeichnis keinen Stand aus, wo sonst immer einer war.

Dafür flattern täglich Einladungen zu diesem oder jenem Event in einem Showroom außerhalb von Bologna herein.

Es kristallisiert sich kurz vor Beginn der Cersaie heraus, dass einige der italienischen Keramikhersteller nicht auf der Cersaie ausstellen werden. Darunter sind die Marazzi und die Emil Group, Florim, Lapitec und die MoMa Gruppe (1200Grad berichtete hier).

MoMa erklärt Rückzug mit Protest gegen Marktbedingungen

Die MoMa-Gruppe erklärt ihren Verzicht auf die Messeteilnahme in einem Statement auf ihrer Homepage und ruft zum Nachahmen aus Protest gegen die aktuelle Situation auf:„Am 26. August 2022 hat die Moma-Gruppe den Rückzug von der Cersaie, der wichtigsten internationale Schau der Keramik Made in Italy, offiziell bekanntgegeben. Eine Bewertung, die sich aus dem Wunsch des Unternehmens ergibt, die aktuellen Bedingungen auf dem Markt in Bezug auf die abwegigen Spekulationen mit den Energieträgern klar und deutlich anzuprangern. Eine nie zuvor getroffene schmerzhafte Entscheidung, natürlich einhergehend mit der Akzeptanz der mit dieser Wahl verbundenen Kosten. In einer Zeit starken Unternehmenswachstums. Eine pflichtbewusste und notwendige Entscheidung, um eine Situation anzuzeigen, die die Nachhaltigkeit von Unternehmen im gesamten industriellen und nationalen Wirtschaftsgefüge und folglich die soziale Stabilität des Landes gefährdet.“

Die Worte von CEO Renzo Vacondio: „Die Kosten für Erdgas und Strom sind im letzten Jahr um das10- bzw. 20-Fache angestiegen (von 0,13 € auf 2,65 €/m³ für Erdgas, von 0,06 € auf 0,63 €/Kwh für Strom) und sind für viele Industriebereiche und Familien weder vertretbar noch nachhaltig. Spekulationen können und müssen an der Wurzel gestoppt werden. Die Preislisten unendlich weiter anzuheben oder anderweitig die Staatsverschuldung zu erhöhen, um die Energierechnungen einzudämmen ist nur eine vorübergehende Lösung. Auf lange Sicht besteht die Gefahr, dass dadurch weitere Spekulationen angefacht werden.

Ein sozial nachhaltiges Unternehmen sollte auf die Verzerrungen des Wirtschaftssystems sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene hinweisen, wobei wir die Verantwortung übernehmen, nicht gleichgültig zu bleiben. Wir hielten es für notwendig, ein starkes Signal an die Institutionen zu senden, und hoffen, dass dies ein Anreiz für Unternehmer und alle anderen mit der Produktionswelt verbundenen Organisationen sein wird.“

Trend zu Veranstaltungen im Showroom

Bereits in den vergangenen Jahren hatte sich bei einigen der italienischen Hersteller aus dem Keramikdistrikt um Sassuolo ein Trend zu Veranstaltungen im eigenen Showroom abgezeichnet. Dabei wurde jedoch zumindest in den meisten Fällen immerhin ein „Treffpunktstand“ auf der Messe eingerichtet.

Heute verzichten u.a. die genannten Unternehmen gleich ganz auf das große Schaufenster in Bologna. Einige, darunter Marazzi, Florim und Emil, haben einen Shuttle-Service zwischen Messe und Werk eingerichtet, wo die Besucher einen Gesamteindruck des Unternehmens erhalten und ein exklusives „Erlebnispaket“ geschnürt bekommen.

Hier dazu ein Kommentar dazu von 1200Grad, hier kommentiert von Giovanni Savorani, dem Vorsitzenden von Confindustria Ceramica.

Statussymbol Messe

Erst die Pandemie, danach die Energiepreise Rohstoffknappheit und der Krieg in der Ukraine haben alte Muster aufgebrochen, Entwicklungen beschleunigt, Lieferketten unterbrochen und insgesamt die Karten neu gemischt. Zu den großen Veränderungen scheint zu gehören, dass das Statussymbol Messepräsenz Cersaie mit riesigen, aufwendig gestalteten Ständen nicht mehr zwingend die Stärke einer Marke symbolisiert.

Was passiert mit den „Lücken“?

Werden dadurch Ausstellungsflächen an begehrten Plätzen eventuell für „Newcomer“ aus anderen Ländern, vielleicht gar Kontinenten frei? Ein günstiger Umstand zum Beispiel für die Hersteller, die weniger unter explosionsartig gestiegenen Energiekosten leiden als die italienischen Hersteller? Oder bleiben dort einfach Lücken zurück? Die Messeorganisation hatte bereits vor Wochen angekündigt, dass die Ausstellungsfläche ausgebucht sei.

Das Team von 1200Grad ist auch dieses Jahr vor Ort und wird berichten.

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