Italienische Hersteller beginnen mit Kurzarbeit

9 Euro Energiekosten pro Quadratmeter Fliese

Die Cersaie 2022 steht vor der Tür. Ratlosigkeit, Unsicherheit und viele Fragezeichen kennzeichnen die Branche im Vorfeld dieser Ausgabe der Internationalen Schau der Baukeramik deutlich stärker als die positive Erwartungshaltung, die eigentlich angesichts der vollen Auftragsbücher zu erwarten wäre.

„Es gibt keine ökologische Nachhaltigkeit, wenn davor keine wirtschaftliche Nachhaltigkeit steht. Die Herstellung eines Quadratmeters Fliesen kostet uns jetzt 9 Euro allein an Erdgas. Das Risiko, dass die Öfen heruntergefahren werden, ist sehr hoch. In Sassuolo wissen viele Unternehmen zur Zeit nicht, ob sie die Produktion nach den Sommerferien wieder aufnehmen.“, so die Einschätzung der aktuellen Lage von Giovanni Savorani, Präsident des Industrieverbands Confindustria Ceramica.

Sorgen um die Beschäftigung im Keramikdistrikt

„Wir machen uns große Sorgen um die Beschäftigung im Keramikdistrikt“, so Massimo Muratori, Generalsekretär der italienischen Gewerkschaft Femca Cisl mit Zuständigkeit für die Emilia Centrale, eine der reichsten Regionen Italiens und Europas gegenüber der italienischen Presse.

Nachdem im März rund dreißig Werke ihre Produktion ganz oder teilweise eingestellt hatten und rund 4.000 Beschäftigte in Kurzarbeit gegangen waren, wird die Produktion nun nach der Sommerpause nur stoßweise wieder aufgenommen. Nach Pressemeldungen wurden im Zeitraum von Ende August bis Anfang September bereits von mehreren Keramikwerden Kurzarbeit für alle oder einen Teil der Mitarbeiter beantragt. Ein Beispiel ist die MoMa Ceramiche-Gruppe aus Finale Emilia, die 340 Mitarbeiter beschäftigt und einen konsolidierten Umsatz von 108 Millionen erwirtschaftet. Die Gruppe betreibt auch zwei Werke in Fiorano und Sassuolo und hat die Sommerferien der Arbeiter zunächst um vier Wochen verlängert.

Ähnliche Nachrichten erreichten die Gewerkschaften auch von Cotto Petrus aus Casalgrande, Sichenia und Ceramiche Piemme aus Fiorano. Es scheint sich abzuzeichnen, dass auch große Konzerne früher oder später auf Kurzarbeit zurückgreifen werden- eventuell nur für kurze Zeit, nur für einen Teil der Belegschaft oder nur für einige Produktionslinien.

Mehrere Anfragen zur Aktivierung der Kurzarbeit

„Wir haben bereits mehrere Anfragen zur Aktivierung der Kurzarbeit erhalten, einige für einige Wochen, andere für zwei Monate.“, bestätigt Muratori. „Angesichts des enormen Anstiegs der Energiepreise, durch den die Unternehmen mit Verlust arbeiten würden, zieht man vor, die Produktion zu stoppen. Das Problem betrifft vor allem kleinere Unternehmen und solche, die keine Festpreis-Energielieferverträge abgeschlossen haben. Tatsache ist, dass unsere Unternehmen riskieren, Marktanteile zu verlieren, weil ausländische Kunden nicht warten können und unsere Wettbewerber von niedrigeren Preisen profitieren. Leider wird die Situation durch das Fehlen einer europäischen Obergrenze für die Gaskosten und den Mangel an politischer Führung für Italien verschärft.“

Italien befindet sich derzeit mitten im Wahlkampf, Neuwahlen sind am 25. September 2022. Die von Arbeitgebern und -nehmern gleichermaßen dringend erwarteten Entscheidungen und Lösungen politischer Art sind daher in den nächsten Wochen bis zur Regierungsbildung erst einmal nicht zu erwarten.

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