Nur Kostenführerschaft macht Fliesenproduktion profitabel

Seit dem 1. Februar 2016 ist Thomas Pfalzgraf (52) neuer Geschäftsführer bei der Firma Kerateam. Er folgt damit Ingrid Vogel, die lange Zeit die Geschicke des Unternehmens geleitet hat. Die Redaktion 1200Grad sprach mit ihm über seine Ziele, Visionen und die ersten Eindrücke seiner Amtszeit.

1200Grad: Haben Sie sich schon gut in Ihrer neuen Position eingelebt und was waren Ihre ersten „Amtshandlungen“?

Die ersten Wochen bei Kerateam waren geprägt durch die vielen Termine unserer großen Kunden und deren Hausmessen. Dies waren ideale Plattformen, um viele Ansprechpartner und deren Häuser kennenzulernen. Ich halte es für sehr wichtig, gerade zu Beginn mit möglichst vielen Kunden ins Gespräch zu kommen, um direkt zu erfahren, was die Zusammenarbeit mit dem Hause Kerateam und den Produkten ausmacht. Galt es doch sehr viele Fäden aufzunehmen und zu sehen, was die Besonderheit bei Kerateam aus Sicht der Kunden ist.

1200Grad: Sie haben den Posten des Geschäftsführers Anfang des Jahres von Ingrid Vogel übernommen. Was haben Sie von Ihrer Vorgängerin übernommen, die das Unternehmen Jahre lang geprägt hat?

Ich denke, die wichtigste Botschaft von Frau Vogel war, die Ehrlichkeit im Umgang mit Kunden und Mitarbeitern: „das was man sagt, ist zu tun und das, was man tut, ist auch zu sagen“. Diese Geradlinigkeit und Konsequenz, sich zu 100% für Kerateam zu engagieren und die Interessen des Unternehmens im Markt auch konsequent zu vertreten, ist eines der Geheimnisse des Erfolges von Frau Vogel und sowohl auch von Kerateam. Dies gilt es zu bewahren. Ich sehe dies auch als Aufgabe an.
Die Herausforderungen in dieser neuen Aufgabe sind sehr vielschichtig. Gilt es einerseits intern die aktuell anstehenden Herausforderungen anzunehmen, als auch die künftigen Anforderungen des Marktes zu analysieren und die entsprechenden strategischen Weichenstellungen vorzunehmen. Vor dem Hintergrund, dass die Produktion von Fliesen in Deutschland aus meiner Sicht nur unter dem strengen Prinzip der Kostenführerschaft überhaupt profitabel möglich ist, sehe ich insbesondere Kerateam als Musterbeispiel.

1200Grad: Heutzutage sind auf lange Sicht betrachtet eigentlich nur noch Hersteller überlebensfähig, die einen starken Investor im Rücken haben. Sind Sie froh, mit der Steuler-Gruppe einen solchen Investor zu haben?

Ich denke, dass ausschließlich kapitalstarke Unternehmen auf dem Markt bestehen können, welche z.B. einen starken Investor im Rücken haben.
Mindestens genauso wichtig ist es, innerhalb des eigenen Unternehmens konsequent auf die Kostenführerschaft zu achten. Jegliche unternehmerische Entscheidung, z.B. in den Bereichen Technik, Vertrieb, Marketing und Produktentwicklung muss diesem Prinzip der Kostenführerschaft folgen können. Alles andere wird mittel- oder auch langfristig dazu führen, dass die Kosten durch die Umsätze und Erträge nicht mehr gedeckt werden können. Speziell in unserem Markt der Wandfliesen, welcher derzeit immer stärker von internationalen Herstellern bearbeitet wird, gilt es dieses Ziel zu verfolgen.
Die Bündelung von Aufgaben im Einkauf und der Verwaltung haben deutliche Kostensenkungspotentiale, welche innerhalb der Steuler Gruppe gehoben werden können. Gerade aus diesem Grund ist Kerateam bei Steuler gut aufgehoben.

1200Grad: Wie gestaltet sich in der täglichen Arbeit das Miteinander der Fliesen-Marken innerhalb der Gruppe? Wo ergeben sich Synergie-Effekte, wo sind Abgrenzungen?

Allein die Zugehörigkeit zu einer großen Gruppe würde sicherlich nicht ausreichen, um die erwarteten Synergien auch heben zu können- wie der Blick nach links und rechts innerhalb der Branche beweist.
Die Strategie der Marken innerhalb der Steuler-Gruppe lassen sich mit dem Satz beschreiben: ‚So viel Synergie wie möglich – so viel Abgrenzung wie nötig‘. Dies bedeutet konkret, natürlich in den Prozessen für SAP, Logistik, Einkauf und Finanzmanagement so viel Synergien wie möglich zu heben.
Aus Marktsicht gilt es die Stärken der einzelnen Marken so zu kombinieren, dass für unsere Kunden möglichst viele positive Effekte entstehen können.
Diese sind mannigfaltig vor dem Hintergrund, dass sich ganz aktuell die Handwerkerzielgruppen vom reinen klassischen Verlegebetrieb zum Multi-Handwerker entwickeln. Die Abschaffung des großen Befähigungsnachweis für Fliesenlegerfachbetriebe hat einschneidende Folgen für die gesamte Branche.
Konkret bedeutet dies, dass ein neuer Handwerkertyp, den wir im europäischen Ausland schon lange kennen, künftig auch in Deutschland eine größere Rolle bei der Verlegung von Fliesen spielen wird. Dieser hat einen komplett anderen Bedarf an Produkten, Service und Beratung. Er organisiert seine Firma gänzlich anders als wir dies von den traditionellen Fachbetrieben kennen. Ebenfalls sind seine Ansprüche an Lieferanten andere.
Die Digitalisierung im Bau hat ebenfalls schon lange begonnen. Sei es die Digitalisierung des Showrooms beim Handel oder sei es die Digitalisierung beim Aufmaß auf der Baustelle. Hier haben wir Herausforderungen für die Zukunft, denen wir uns stellen müssen. Wir sprechen hier vom Handwerker 4.0, dies wäre vergleichbar mit der Entwicklung der Industrie 4.0
Gerade das umfangreiche Know-how in der Steuler Gruppe halte ich für einen gewichtigen Wettbewerbsvorteil, um in den kommenden Jahren profitabel Produkte und Vermarktungskonzepte entwickeln zu können.

Vita Thomas Pfalzgraf
Seit dem 1. Februar 2016 ist Thomas Pfalzgraf (52) neuer Geschäftsführer bei der Firma Kerateam. Er folgt damit Ingrid Vogel, die lange Zeit die Geschicke des Unternehmens geleitet hat. Der neue Geschäftsführer verfügt über reichlich Erfahrung in verantwortungsvollen Positionen. In seinen Positionen als Marketingleiter und Verantwortlicher für den internationalen Vertrieb in der Bauchemie eignete sich Pfalzgraf detaillierte Fachkenntnisse über Fachhandelsstrukturen und Baumäkte an. Außerdem verantwortete er die Gründung und den Aufbau eigenständiger Tochterunternehmen. Zuletzt war Pfalzgraf über mehrere Jahre als Geschäftsführer im Automotive-Bereich tätig.

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