Fliesenkleber von 1a Bauchemie

Italienische Keramikindustrie: erste Produktionsstopps

Bereits 4.000 Beschäftigte in Kurzarbeit - Auftragslage eigentlich ausgezeichnet

Gas-und Rohstoffpreise machen der italienischen Fliesenindustrie schwer zu schaffen. Wenn die derzeitigen Produktionsbedingungen weiter anhalten, wird es Mitte April, spätestens Mitte Mai zu einem vollständigen Stillstand der italienischen Fliesenproduktion kommen.

Zu diesem Schluss kommt der Unternehmerverband Confindustria Ceramica. Denn für die Italiener und andere Hersteller in Europa ist mit dem Krieg in der Ukraine längst der Mangel an Rohstoffen in Kombination mit den weiterhin explosionsartig angestiegenen Energiekosten auch mit kontinuierlichen Preiserhöhungen nicht mehr tragbar. 1200GRAD berichtete bereits hier

Ton aus der Ukraine fehlt

Vor allem der weiße Ton aus dem Donezgebiet im Donbass fehlt (wir berichteten bereits hier). Italienische Medien berichten, dass im Jahr 2021 zwei Millionen Tonnen Ton und über 100.000 Tonnen Kaolin aus der Ukraine nach Italien importiert worden sind. Dieser Ton hat besondere plastische Eigenschaften und muss nun ersetzt werden mit Lieferungen aus anderen Ländern, darunter aus Deutschland, Türkei oder Frankreich. Aber diese Umstellung braucht Zeit.

In 30 Werken bereits Brennöfen abgeschaltet

In 30 italienischen Werken wurden die Brennöfen bereits abgeschaltet, darunter werden in der italienischen Presse die Gruppe ABK genannt, die einen Ofen heruntergefahren und Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt hat. Auch Panariagroup, Ricchetti, die Fincibec Gruppe, Saxa Gres und Serenissima Casalgrande stoppen ihre Produktion ganz oder teilweise zumindest für einen bestimmten Zeitraum. Nach Informationen von Confindustria Ceramica sind bereits 4.000 Beschäftigte der Keramikindustrie in Kurzarbeit.

Nach einer ersten Welle der Produktionsstopps Anfang März liegen einen Monat später keine weiteren Meldungen von Werkschließungen vor, wie von Confindustria Ceramica am 31.3.2022 auf Anfrage der Redaktion bestätigt.

LKW-Streik am Horizont

Weitere Schwierigkeiten zeichnen sich bereits ab. So hatten die italienischen Transportunternehmen einen Streik für den 14.3.2022 ausgerufen, der zunächst aufgeschoben wurde. Die Kraftstoffpreise sind für die Spediteure nicht mehr zu verkraften, viele stehen bereits vor dem Konkurs.

Auf dem Markt reagieren Händler mit entsprechenden Lagerkapazitäten mit der Einlagerung größerer Mengen. Diese müssen allerdings sofort abgeholt und bezahlt werden. Bei bestimmten Produktkategorien, wie bei 2 cm Feinsteinzeugplatten, gibt es bereits erste Engpässe.

Und dabei ist gleichzeitig die Auftragslage eigentlich ausgezeichnet…

Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag von Alexandra Becker “Italienische Hersteller zur aktuellen Lage”.

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