Entwicklung des deutschen Fliesenmarktes im 1. Halbjahr 2020

Trotz Corona-Krise ist die Absatzentwicklung bei den Italienern, Spaniern, Türken und Polen hervorragend

Carlo Cit von der Hansa Unternehmensberatung blickt für 1200Grad seit vielen Jahren auf die Zahlen des internationalen Fliesenmarktes. In seinem aktuellen Bericht geht es um das erste Halbjahr 2020. Dabei bezieht er sich auf seine eigenen Datenquellen, die z.T. von den Daten der nationalen Herstellerverbände abweichen können. Wir haben auf die Differenzen und deren Ursachen bereits ausführlich hingewiesen.

Carlo Cit: Foto: Hansa Unternehmensberatung

Im ersten Halbjahr 2020 war die Absatzentwicklung bei den in- und ausländischen Herstellern, die im deutschen Fliesenmarkt tätig sind, sehr unterschiedlich. Die Mitglieder des BKF (Bundesverband Keramische Fliesen) haben, im Vergleich zu den italienischen, spanischen, türkischen und polnischen Produzenten, nach Recherchen der Hansa Unternehmensberatung weitere Marktanteile verloren.

Seit mehr als 10 Jahren haben die Mitglieder des BKF damit Jahr für Jahr Absatzverluste hinnehmen müssen, obwohl der Gesamtabsatz im deutschen Markt seit 2009 bis 2019 um 28 Millionen Quadratmeter gestiegen ist. Haben die Mitglieder 2009 noch 34,8 Millionen Quadratmeter abgesetzt, waren es 2019 nur noch 25,3 Millionen Quadratmeter, was einen Verlust von 27 % bedeutet.

Dagegen haben die italienischen, spanischen und türkischen Produzenten im vorgenannten Zeitraum hohe Absatzzuwächse erzielt. Auch die polnischen Hersteller haben in den letzten Jahren hohe Absatzzuwächse erreichen können.

Daten und Quelle: Hansa Unternehmensberatung

Wenn man berücksichtigt, dass in den Inlandsabsätzen der BKF-Mitglieder auch die Zukäufe im Ausland, die dann im Inland weiterverkauft wurden, enthalten sind, ist der Anteil der Fliesen, die in Deutschland produziert wurden, noch wesentlich geringer als die Absatzstatistiken ausweisen.

Ausnahme bei den großen Produzenten ist die Deutsche Steinzeug AG. Dieses Unternehmen vertreibt Wand- und Bodenfliesen, die fast ausschließlich in eigenen Werken produziert werden.

Wie wird sich das Jahr 2020 weiterentwickeln?

Die Absatzstatistiken für den Zeitraum Januar – Mai bzw. Januar – Juni liegen für den deutschen Markt bereits vor.

Trotz Corona-Krise war die Absatzentwicklung bei den Italienern, Spaniern, Türken und Polen hervorragend, was man so nicht erwartet hatte.

Die vorgenannten ausländischen Produzenten und die Mitglieder des BKF decken ca. 90 % des Absatzvolumens am deutschen Markt ab. Die Italiener, obwohl im Monat April nicht produziert wurde, haben im ersten Halbjahr 2020 um rd. 6,1 % auf hohem Niveau zugelegt. Die Mitglieder des BKF hatten im Mai einen Absatzeinbruch von über 10 % im Inland, konnten aber im Juni diesen Verlust wieder ausgleichen, was sehr positiv ist.

Der Gesamtabsatz im deutschen Markt ist im ersten Halbjahr 2020 um ca. 7-8 % angestiegen. Nach Schätzung der Hansa Unternehmensberatung ist aber die Hälfte des Anstieges in den Lägern des Fachhandels gelandet. Wegen der Corona-Krise hat der Fachhandel seine Lagerbevorratung leicht aufgebaut, um lieferfähig zu bleiben.

Der echte Absatzzuwachs liegt bei etwa 4 % und ist trotz Pandemie und den Horrormeldungen über die negative Absatzentwicklung, die im zweiten Quartal eintreten sollte, sehr positiv ausgefallen. Dies bedeutet aber auch, dass die Verleger, ob Profis, Generalisten oder Schwarzarbeiter, bisher voll ausgelastet waren und bis zum Jahresende auch bleiben Die Hansa Unternehmensberatung schätzt, dass der Fliesenabsatz 2020 das Volumen von 2019 erreichen kann oder nur moderat darunter liegen wird.

Dazu Carlo Cit: „Generell wird es für die deutsche Fliesenindustrie immer schwieriger, sich gegen die ausländischen Hersteller zu behaupten. Es gibt viele Gründe, die ja alle bekannt sind, warum die Entwicklung so ist wie sie ist. Es gibt keine gemeinsamen Konzepte von Industrie und Handel, die im Markt dringend umgesetzt werden müssten, um die Gesamtsituation der deutschen Fliesenindustrie zu verbessern. Auch der Handel ist vor der vorgenannten Entwicklung nicht gefeit. Früher gab es einen Bundesverband, der die Interessen des Handels vertreten hat. Heute gibt es zwei Bundesverbände und zwei Fliesensparten von Kooperationen, die jeweils eigene Interessen im Markt und gegenüber der Fliesenindustrie vertreten.“

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