Fliesen-Netzwerken „at its best“

1. Mitgliederversammlung der AG Fliese in Berlin mit viel Austausch und Informationen

„Das ist ein besonderer Moment“! So begrüßte Michael Hölker, Hauptgeschäftsführer Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), die Mitglieder und Gäste der AG Fliese zur ersten Mitgliederversammlung in Berlin. Und er sollte Recht behalten, denn die Versammlung wurde getragen vom Spirit eines Neuanfangs und dem spürbaren Wunsch nach einem gemeinsamen Austausch in einem lebendigen und kommunikativen Netzwerk.

Rund 70 Vertreter aus Industrie, Handel, Verbänden und der Presse hatten den Weg in die Hauptstadt genommen, um der ersten Mitgliederversammlung der AG Fliese beizuwohnen. Und wenn es überhaupt einen kleinen Kritikpunkt an dem Meeting gab, dann vielleicht die Tatsache, dass der Handel in Vergleich zur Industrie unverhältnismäßig schwach vertreten war und einige namhafte Unternehmen fehlten. Dies unterstrich auch Isolde Keck, Gruppenleiterin der AG Fliesen, in unserem Video-Interview mit 1200Grad.

Gruppenbild der Teilnehmer an der Spree. Alle Fotos. Redaktion

Doch dafür waren zum Beispiel die Repräsentanten des italienischen, spanischen und deutschen Herstellerverbandes in Berlin vor Ort. Ebenso wie zahlreiche Gesichter aus der Industrie, die man auf den Vorgänger-Treffen des VDF noch nicht zu Gesicht bekommen hatte. Schon das unterstrich, dass man vom ersten Treffen, das die AG Fliese organisiert hatte, eine Aufbruchstimmung für die Branche erwartete. „Wir sind froh über den Neuanfang und das wir mit unserer ersten Aktivitäten Fuß gefasst haben“, so hob Michael Hölker in seiner Begrüßung hervor, die er anstatt der an Corona erkrankten BDB-Präsidentin Katharina Metzger übernahm. Hölker unterstrich dabei auch, wie wichtig das Zusammenspiel in der Fliesenbranche für den Erfolg sei und dass man dafür eine gemeinsame Plattform wie die AG Fliese benötige.

Feinsteinzeug-Fliesen im Großformat sind „in“

Armando Cafiero, Generaldirektor der Confindustria Ceramica
Armando Cafiero, Generaldirektor der Confindustria Ceramica

Es folgte ein Reihe spannender Vorträge, die Armando Cafiero, Generaldirektor der Confindustria Ceramica, eröffnet. Auch er unterstrich noch einmal, wie froh man sei, wieder live Partner aus der Branche treffen zu können. Anschließend skizziert er die aktuelle Situation der italienischen Fliesenhersteller, die ein besonders erfolgreiches 2020 hinter sich haben. Daran hätten vor allem Feinsteinzeug-Fliesen im Großformat mit über 80% einen großen Anteil gehabt. Auch das 1. Quartal 2022 sei mit einem Plus von 25 % (Menge) und 17,5 % im Wert in Deutschland sehr gut angelaufen. Das wären insgesamt motivierende Rahmendaten, wären da nicht die großen Sorgenfalten, für die der Ukraine-Krieg und die Gasversorgung sorgen. Die Gaspreise haben sich in Europa in den vergangenen Monaten (September bis März) um sage und schreiben 421 % erhöht!

Ein Kostenfaktor, den die italienische Industrie nicht allein über Preiserhöhungen abfangen kann. So gibt es von Seiten des italienischen Staates seit kurzem umfangreiche Unterstützungsmaßnahmen finanzieller Art, z.B. bei den Stromkosten. Ein weiteres Problemfeld eröffnet sich für die italienischen Hersteller bei der Tonversorgung. Die italienische Industrie bezog einen Großteil ihrer Tone aus der Ukraine und sucht nun händeringend nach alternativen Anbietern, die auch aus Deutschland kommen sollen, wie Cafiero unterstrich.

Elena Romani, bei der Confindustria Ceramica zuständig für Kommunikation und Werbung,
Elena Romani, bei der Confindustria Ceramica zuständig für Kommunikation und Werbung.

92.000 Klicks für Fliesen-Videos

Anschließend gab Elena Romani von der Kommunikations- und Werbeabteilung der Confindustria Ceramica einen Einblick in die Ergebnisse der ersten Endverbraucher-Kampagne für Fliesen. Die Kampagne umfasst insgesamt sieben kurze Video-Clips (wir berichteten bereits hier).

Es handelt sich um eine neutrale Kampagne ohne Markenbezug, die sich auf die verschiedenen technischen und optischen Aspekte von Keramik bezieht. Die Verbesserung der Lebensqualität durch Keramik und Feinsteinzeug kommen dabei ebenso zur Sprache wie die Formstabilität. Die Filme erzielten bislang 92.000 Klicks und die dazu gehörige Homepage 3,5 Mio. Views. Auf das größte Interesse stieß dabei das Thema Nachhaltigkeit.

Es folgte ein Fachvortrag zum „Demographischer Wandel“ von Dipl.-Kfm. Markus Sauer von der Deutschen Gesellschaft für Gerontotechnik. Er berichtete vom demographischen Wandel und wie sich Handel, Handwerk und Architekten besser mit den damit verbundenen Themen, wie z.B. behinderten gerechte Badezimmer, auseinandersetzen können.

Jens Fellhauer, Geschäftsführer des Bundesverband Keramische Fliese
Jens Fellhauer, Geschäftsführer des Bundesverband Keramische Fliese

Erfolg durch Fliesen-PR

Jens Fellhauer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Keramische Fliese, skizzierte anschließend das allgemeine konjunkturelle Umfeld und die Entwicklung der Bautätigkeit. Bei der Beleuchtung der Zahlen für den deutschen Fliesenmarkt hielt er fest, dass sich die Absatzkurve seit 2019 steil nach oben bewegt habe. „Dieser positive Trend ist nicht selbstverständlich,“ so Fellhauer, denn nach die Wiedervereinigungs-Boom hat es nach 1998 einen starken Knick in der Absatzkurve nach unten gegeben.

Auch Fellhauer gab einen Rückblick auf die Imagekampagne der deutschen Hersteller, die vor allem auf das Instrument Public Relations setzen und damit in den letzten Jahren große Erfolge verzeichnen konnten. In den Printmedien gab es rund 110 Mio. Abdrucke und die Homepage verzeichnete 800.000 Besucher. Da die Themen Ökologie und Nachhaltigkeit bei den Endverbrauchern weiter an Bedeutung zunehmen, hat der Verband zudem eine eigene Broschüre aufgelegt, in der die Argumente pro Fliesen in Bezug auf die Umweltfreundlichkeit noch einmal dargestellt werden.

Mireira Llinares von der Kommunikations- und Werbeabteilung ASCER.
Mireira Llinares von der Kommunikations- und Werbeabteilung ASCER.

Glasurhersteller arbeiten mit neuen Tonen

Den zweiten Veranstaltungs-Tag eröffnete dann der spanische Fliesenverband ASCER. Mireira Llinares von der Kommunikations- und Werbeabteilung des Verbandes informierte die Tagungsteilnehmer über die aktuellen Trends und Zahlen aus Spanien. Auch sie konnte aufzeigen, dass der Markt für die Produzenten von der Iberischen Halbinsel in den beiden letzten Jahren stark gewachsen ist. Dabei nimmt der deutsche Markt eine besonders wichtige Rolle ein.

Wie in Italien haben die Spanier jedoch ebenfalls mit den dramatisch gestiegenen Gaspreise zu kämpfen sowie dem Zusammenbruch der Tonversorgung aus der Ukraine. Der Vorteil der Spanier besteht jedoch darin, dass sie über eigene Tonvorkommen verfügen und die namhaften Glasurhersteller vorwiegend in Spanien ansässig sind. Diese arbeiten laut Llinares fieberhaft daran, die Rezepturen für die neuen Tone anzupassen. Zusätzlich haben die spanischen Hersteller, die sehr stark im Exportgeschäft tätig sind, mit Transportproblemen durch einen Containermangel zu kämpfen, der die Versorgung der internationalen Märkte vor große Probleme stellt.

Prof. Dr. Markus Beinert von der Universität Weihenstephan
Prof. Dr. Markus Beinert von der Universität Weihenstephan

Architekten finden Fliesen nicht besonders nachhaltig

Mit großer Spannung wurde darauf der Vortrag von Prof. Dr. Markus Beinert von der Universität Weihenstephan erwartet, der die ersten Ergebnisse der Studie „Architekt + Fliese“ vorstellte. Nach seinen Angaben erfolgt die Bearbeitung des Architektenmarktes durch die Fliesenindustrie immer noch vorwiegend klassisch mit Musterkoffern und persönlichen Besuchen der Architektur-Büros. Nur bei den Bauträgern ist der Fachhandel stärker in den Geschäftsabschluss eingebunden.

Die Kriterien der Planer bei der Produktauswahl pro Fliesen sind vor allem Qualität (78%), Preis/ Leistung (71%), guter Erfahrungen (66%) und das Design (65%). Andere Argumente, die sonst für Fliesen sprechen, rangieren erst auf den hinteren Plätzen, wie z.B. Pflegeleichtigkeit (39%) und Nachhaltigkeit (26%). Viele Zuhörer in Berlin empfanden es erstaunlich, dass alternative Belagsmaterialien, wie Parkett, Naturstein und sogar Linoleum, beim Thema Nachhaltigkeit besser abschneiden als Keramikfliesen.

Die optimale Architektenansprache kann in der Fliesenbranche laut Prof. Beinert noch deutlich verbessert werden. Bei der anschließenden Diskussion wurde angeregt, eventuell eine eigene Arbeitsgruppe innerhalb der AG Fliese dafür zu gründen, die sich insbesondere mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen soll.

Social Media Ideen für die Fliese

„Fliesen ganzheitlich vermarkten“ hieß die Überschrift der Vortrages von Prof. Dr. Michael Bernecker, Deutsches Institut für Marketing, In unterhaltsamer Weise zeigte der Marketings-Experte auf, welche enorme Bedeutung das Thema Social Media in den vergangenen Jahren in Sachen Vermarktung gewonnen hat. „Social Media ist das moderne Leben. Man braucht allerdings eine Strategie,“ so Bernecker.

Eine Podiumsdiskussion zum Thema Social Media stand zum Abschluss der Veranstaltung auf dem Programm. Verband und Mitglieder möchten eine Social Media-Kampagne starten und diskutierten unter der Moderation von Michael Hölker die Möglichkeiten, sich hier besser aufzustellen.

Podiums-Diskussion unter der Leitung von Miachel Hölker.

Neben dieser geballten Ladung an Branchen-Know-how gab es in den Pausen und bei der Abendveranstaltung an der Spree zahlreiche Möglichkeiten zum Informationsaustausch und zum Netzwerken. Und diese wurden lebhaft und intensiv genutzt. Dabei war allen Teilnehmern nach der langen Corona Pause anzumerken, wie froh sie waren, sich wieder einmal mit den Kollegen live vor Ort austauschen zu können. Insofern war die erste Mitgliederversammlung der AG Fliese im offiziellen und inoffiziellen Teil für alle Beteiligten sicherlich „ein besonderer Moment“.

Netzwerker der Fliesenbranche in Berlin:

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