DIY-Branche diskutiert Erfolgskonzepte in Zeiten des Wandels

Mit welchen Unternehmensstrategien erreicht die Bau- und Heimwerkermarktbranche in Zeiten der Veränderung traditioneller Handelsstrukturen auch weiterhin ihre Kunden? Welche Vertriebsformate, Sortimente und Services sind in Zukunft gefragt, um sich in einem zunehmend kompetitiveren Wettbewerbsumfeld mit Pure-Playern und Plattformanbietern zu behaupten? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des 18. Internationalen BHB-Kongresses 2017 am 6. und 7. Dezember. Rund 500 Teilnehmer aus dem Handel, der Industrie und dem Dienstleistungs- und Beratungssektor diskutierten beim Gipfeltreffen der DIY-Branche, wie es auch in Zukunft gelingen kann, die Baumarktkunden in den kommenden Jahren erfolgreich anzusprechen.

Rund 500 Teilnehmer waren der Einladung des Branchenverbandes nach Köln gefolgt, darunter wieder eine große Zahl von Führungskräften und Entscheidern der Handels- und Herstellerunternehmen der Branche. Mit rund 25 Prozent war der Handel erneut stark vertreten. Und auch zahlreiche Industrieunternehmen und weitere Branchenpartner (u.a. die Unternehmen Brillux, Dachser, Fischer, Fiskars, Gardena, Interseroh, Knauf, Kärcher, J.W. Ostendorf, ebenso wie Robert Bosch, Spax, Tesa und Wolfcraft) waren zu Gast auf dem Branchengipfel.

Der BHB bot der deutschen und internationalen DIY-Branche an zwei Kongresstagen ein breitgefächertes Themen- und Informationsangebot: Das umfangreiche Tagungsprogramm mit Vorträgen renommierter Experten und Keynote-Speaker aus Handel, Beratung und Marktforschung und die Fachausstellung DIY-Marktplatz luden die Teilnehmer auch 2017 dazu ein, sich persönlich vor Ort in direktem Kontakt mit den Ausstellern über Innovationen und Neuheiten der DIY-Branche zu informieren. Dabei garantierte besonders das neue Veranstaltungskonzept DIYversum erweiterte individuelle Informationsmöglichkeiten: Ob digitales Merchandising am Point-of-sale, Roboter- und Virtual-Reality-Anwendungen in der Kundenansprache, Influencer-Marketing oder Employer-Branding – am zweiten Veranstaltungstag konnten die Kongressteilnehmer aus zwölf gleichzeitig angebotenen Roundtables und Vorträgen ein individuelles Themenprogramm gestalten und so den eigenen operativen Mehrwert des BHB-Kongresses aktiv mitbestimmen.

Branche diskutiert Erfolgsmodelle der Zukunft

Mit welchen Unternehmensstrategien erreicht die Bau- und Heimwerkermarktbranche in Zeiten der Veränderung traditioneller Handelsstrukturen auch weiterhin ihre Kunden? Welche Vertriebsformate, Sortimente und Services sind in Zukunft gefragt, um sich in einem zunehmend kompetitiveren Wettbewerbsumfeld mit Pure-Playern und Plattformanbietern zu behaupten? Diese Themenkomplexe standen im Mittelpunkt des Branchengipfels.

Zum Kongressauftakt richtete Gregor Gysi (MdB) ein politisches Grußwort an die Branche. Der langjährige Fraktionsvorsitzende der Linksfraktion im Deutschen Bundestag und aktuelle Präsident der Europäischen Linken betonte, Politik müsse in Deutschland mit Blick auf die soziale Teilhabe aller Bürger insbesondere durch Investitionen in Bildung, die digitale Infrastruktur und eine leistungsstarke Verwaltung für bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen sorgen. Dies käme letztendlich auch den Wirtschaftsakteuren zugute.

Gregor Gysi

„Die Baumarktbranche hat in den vergangenen Jahren einen erfolgreichen Stabilitäts- und Wachstumskurs betrieben“, betonte Detlef Riesche, Vorstandssprecher des BHB und Vorsitzender der Geschäftsführung der toom Baumarkt GmbH. Ein harter Preiswettbewerb, stationär und auch online, fordere die Unternehmen heute aber mehr denn je heraus. „Das Gebot der Stunde für alle Marktteilnehmer ist eine relevante Positionierung, die Schärfung des eigenen Markenimages, und die kontinuierliche Ausrichtung des Geschäftsmodells und des Produkt-und Leistungsportfolios an den Wünschen der Kunden“, so Riesche. Dies gelte insbesondere für den Handel, aber auch für die Hersteller.

„Machen Sie sich zum Must-have oder zum Must-go-to“

Einen Blick in die Zukunft des DIY-Marktes warf Marktforscher Klaus Peter Teipel, Inhaber Klaus Peter Teipel research & consulting. Die derzeitigen Rahmenbedingungen für ein solides Wachstum im Markt seien gut. Im Gesamtjahr 2017 werde der deutsche erweiterte DIY-Kernmarkt (Bau- und Heimwerkermärkte, Fachhandel, Kleinbetriebsformate und Distanzhandelsumsatz mit DIY-Kernsortimenten) mit einem Gesamtumsatz von 49,1 Milliarden Euro um 1,7 Prozent zulegen, die Bau- und Heimwerkermärkte könnten mit 21,9 Milliarden jedoch lediglich ein Plus von 1,1 Prozent erzielen. Für 2018 rechnet der Marktforscher damit, dass der erweiterte DIY-Kernmarkt mit rund 49,9 Milliarden Euro erneut wachse (plus 1,5 Prozent), ebenso wie die Umsätze der Bau- und Heimwerkermärkte (22,1 Milliarden Euro, plus 1,1 Prozent). Seinen anhaltenden Wachstumskurs fortsetzen werde besonders der Distanzhandel mit DIY-Kernsortimenten, so Teipel. Die Baumarktbranche dürfe hier Pure-Playern wie Amazon nicht kampflos das Feld überlassen. Zudem gelte es, die eigenen Kernkompetenzen zu stärken. „Machen Sie sich zum Must-have oder zum Must-go-to“, rief Teipel den Unternehmern der Branche zu. Gewinner im zukünftig noch härteren Wettbewerb seien die Unternehmen, die mit kundenzentrierten und ganzheitlichen Strategieansätzen punkteten.

„Digitalisierung ist viel mehr als nur E-Commerce“, hob Professor Thomas Vogler hervor. Der Geschäftsführer der Mercator Consulting GmbH und Lehrbeauftragte Retail Management der THI Business School verwies in Köln nachdrücklich darauf, dass Digitalisierung das Handelsgeschäft in allen Bereichen radikal verändern werde, von der Supply-Chain über den Einkauf, das Category-Management, das Marketing bis zum Bereich Sales. In spätestens zehn Jahren seien die bahnbrechenden Technologien wie das Internet oder Things, Augmented- und Virtual-Reality-Anwendungen, Roboter, 3D-Drucktechnik und Methoden der digitalen Nachverfolgung ausgereift und zur vollen Nutzung einsetzbar. Der Einzelhandel müsse schleunigst beginnen, seine Unternehmens- und Geschäftsmodelle neu auszurichten. Dabei gelte es insbesondere, bereits vorhandenes Datenmaterial über die eigenen Kunden zu nutzen und anhand intelligenter Datenanalyseverfahren auch durch Zuhilfenahme von Auswertungsverfahren auf Basis künstlicher Intelligenz praktisch anwendbar zu machen. Wie die neue digitalisierte Welt im Stationärgeschäft heute schon aussehen kann, zeigten Martin Wild, CDO der Mediamarkt-Saturn Retail Group, und Dr. Ulrich Reiser, Geschäftsführer der Unity Robotics GmbH. Sie stellten den Teilnehmern jüngst umgesetzte Virtual- und Augmented-Reality-Pilotanwendungen und Robotiklösungen in ausgewählten Märkten von Mediamarkt Saturn vor. Dabei präsentierten sie mit einer Livevorführung Verkaufsroboter Paul, der aktuell zur Kundenbetreuung im Markt eingesetzt wird und Kunden begrüßt, sie nach ihren Wünschen fragt und dann zielgerichtet zu den gesuchten Waren führt.

„Der entscheidende Erfolgsfaktor für Unternehmen in disruptiven Zeiten ist die Anpassungsfähigkeit an die neuen Rahmenbedingungen“, rief Kai Kächelein, stellvertretender Vorstandssprecher des BHB und Geschäftsführer der hagebau, den Kongressteilnehmern zu. Um weiterhin erfolgreich zu sein, müssten Unternehmen die Herausforderungen der Digitalisierung annehmen, ihre Geschäftsmodelle zukunftsorientiert ausrichten und ein ganzheitlichen Omnichannel-Angebot mit attraktiven Sortimenten und guten Logistiklösungen bieten. Dabei dürften Unternehmen gerade in Zeiten digitaler Geschäftsmodelle aber den auch heute vorhandenen Kundenwunsch nach persönlichem Kontakt und guter individueller Beratung im stationären Handel nicht vernachlässigen. Hier gelte es, das eigene Leistungsportfolio auszubauen und Kunden durch Einkaufserlebnisse vor Ort und eine persönliche Ansprache mit qualifizierter Beratung Mehrwerte zu bieten.

 

Der kommende 19. Internationale BHB-Kongress findet am 5. und 6. Dezember 2018 in Bonn statt.

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