Bei einem von Künstler Friedensreich Hundertwasser inspirierten Projekt in Oberhausen, dem Haus Gottesdank hatte die Firma Fliesen & Naturstein Sindermann den Auftrag bekommen, die Fliesenarbeiten auszuführen. Ausgangspunkt war dabei das Leistungsverzeichnis eines langjährigen Stammkunden von Dirk Sindermann, das aufgrund seiner Komplexität so schwer zu erfassen und zu kalkulieren war, dass niemand ein Angebot abgegeben hatte.

Seine Fliesenleger konstruierten beispielsweise diese Säule nach eigenen Vorstellungen mit Schomburg-Produkten von Ralph Zurhorst (r.): Dirk Sindermann ist stolz auf die Leistung seiner Mitarbeiter.
Der Bauherr, die evangelische Kirche lud daraufhin Sindermann zu einem gemeinsamen Gespräch mit dem Architekten und Planer Heinz M. Springmann ein. Der Esslinger Architekt gehört zu den wenigen, die noch persönlich mit Friedensreich Hundertwasser zusammengearbeitet haben. Sindermann, berichtet, dass in vertrauensvoller Abstimmung bei dem Gespräch die Entscheidung fiel, die Arbeiten nicht pauschal, sondern auf Aufwandbasis auszuführen.
Video-Interview mit Fliesenleger Dirk Sindermann und Ralph Zughorst:
Der Inhaber der gleichnamigen Firma, die seit Jahren bauchemische Produkte von Schomburg einsetzt, wandte sich an seinen ebenfalls langjährigen Ansprechpartner Ralph Zurhorst und entwickelte mit ihm gemeinsam eine Aufbauempfehlung. Insbesondere die Fugenmasse spielte bei diesem Projekt eine herausragende Rolle, da Hundertwasser unter anderem gerade Linien abgelehnt hatte. „In unserem Job geht es sonst immer um gerade Linien“, erklärt Sindermann. „Du laserst alles aus und achtest stets auf Genauigkeit.“ Hier nun sollten seine Mitarbeiter und er aber organische Formen schaffen, fantasievolle und lebendige, individuelle Fliesenarbeiten ausführen. Was fast zwangsläufig zu ungleichmäßigen und mehrere Zentimeter breiten Fugen führte. Zurhorst empfahl die Kristallfuge Flex für sämtliche Arbeiten; sie ist zwar offiziell nur bis zu einer Breite von 30 Millimetern freigegeben, Zurhorst versicherte Sindermann aber, dass sie auch bei noch breiteren Fugen eingesetzt werden könne. Dazu kamen die Grundierung, die Dichtbahn und der S1 Dünnbett-Fliesenkleber Monoflex XL von Schomburg.

Barrierefreies Bad in einer der Altenwohnungen: Hier hatten die Fliesenleger sich bei der Gestaltung noch zurückgehalten.
„Der Geist ist frei“
Zu Beginn sei das Projekt noch sehr zurückhaltend und streng nach den Vorgaben des Architekten verlaufen, schildert Sindermann. Mit zunehmendem Baufortschritt habe es sich jedoch zu etwas völlig Einzigartigem entwickelt. Der verantwortliche Architekt nämlich habe sich irgendwann mit dem Satz „Der Geist ist frei“ von der Baustelle verabschiedet und damit den kreativen Rahmen für die weitere Entwicklung vorgegeben.
Die Fliesenleger – allen voran Matthias Saternus – wurden in der Folge immer mutiger, entwickelten immer neue eigene Ideen und ließen zum Schluss ihrer Kreativität freien Lauf. Herausgekommen ist ein Zentrum für altengerechtes Wohnen mit 25 Wohnungen und einem Café, dessen Hundertwasser-Stil bereits beim ersten Blick auffällt und das dem Impulsgeber sicher gefallen würde, trat er doch zeitlebens für eine natur- und menschengerechtere Architektur ein.

Kreativität ohne Grenzen: In den zuletzt befliesten Toiletten im Erdgeschoss ließen sie ihren Einfällen dann freien Lauf.
Sindermann hatte sich die zu verbauenden Fliesen und keramischen Formteile zu einem großen Teil bei der Keramik- und Töpferei-Manufaktur Atelier Gilles in Bad Ems besorgt, die weltweit Hundertwasser-Projekte beliefert. Hinzu kamen Fliesen von Cevica, Agrob Buchtal sowie Marazzi. Und oftmals hätten seine Männer Fliesen einfach mit dem Hammer zerschlagen, um die gewünschten polygonalen Muster legen zu können, berichtet Sindermann.

Der Künstler und einer seiner Kollegen: Matthias Saternus (l.) zeichnete sich durch besonderen Ideenreichtum aus, unterstützt von Liviu Vlaicu und drei weiteren seiner Kollegen.
Vertrauensvolle Zusammenarbeit von Bauchemie-Hersteller und Fliesenleger
Friedensreich Hundertwasser hatte in seiner Architektur unter anderem das das „Fenster-Recht“ postuliert – als Recht jedes Einzelnen, sich aus seinem Fenster zu beugen und – so weit seine Arme reichen – das Mauerwerk zu bemalen. Aus ursprünglich acht geplanten derartigen Fensterumrandungen seien so mehr als zwanzig individuell geflieste Elemente geworden, berichtet Sindermann. Zudem seien Deckenflächen gefliest, Säulen gestaltet und zahlreiche gestalterische Details entwickelt worden. Auf einzelnen Flächen kamen zudem unterschiedlichste Materialien, Farben, Formate und Materialstärken zum Einsatz: Neben klassischen Fliesen hätten Saternus und die anderen Fliesenleger unter anderem auch Dachziegel in die Gestaltung integriert, so Sindermann. Und schließlich für das Café Cento Acqua sogar ein individuelles Logo entworfen.

Von den Fliesenlegern selbst entworfenes Logo: Das Hundertwasser-Café ist auch für die Öffentlichkeit geöffnet.
Ralph Zurhorst freut sich über das Zutrauen seines Kunden Sindermann und die freundschaftliche Zusammenarbeit während des Projektfortschritts. „Klebstoffe herstellen können heute alle Bauchemie-Lieferanten“, sagt der gelernte Fliesenleger. Wenn man aber dem Verarbeiter mit Rat und Tat zur Seite stehe, idealerweise von der Planung über die Vergabe bis zur Ausführung, dann könne das den Unterschied machen. Und er bestätigt auch Sindermanns Annahme, dass dieses eine Projekt den gesamten Fugenmassen-Verkauf des Detmolder Bauchemie-Herstellers angekurbelt habe.

Kreative Ideen im Hundertwasser-Stil auf Schritt und Tritt: Auch die Flure des Neubaus gestalteten die Sindermann-Fliesenleger.





