Bodengleiche Duschen werden im industriellen Bereich oder in Schwimmbädern und Sportheimen schon seit Generationen verbaut. Im privaten Wohnungsbau hat sich die barrierefreie Bauweise erst in den letzten 20 Jahren etabliert. Mittlerweile kann man fast pauschal behaupten, dass heute jedes neue Badezimmer eine bodengleiche Dusche erhält. Diese wird überwiegend als geflieste Fläche ausgeführt. Praktikabel ist aber auch die Verwendung von Duschflächen. Das sind flache Duschtassen ohne Anstaumöglichkeit aus Stahl-Email oder Acryl.

Autor: Markus Kohl
Bei der Planung und Ausführung von bodengleichen Duschen gibt es zwei „Knackpunkte“. Zum einen der Wasserablauf in Form einer Rinne oder Punktablaufes, sowie die Thematik der Flächenabdichtung und die fachgerechte Einbindung des Duschbereiches in die Abdichtung. Es ist klar, dass bodengleiche Duschsysteme eine wesentlich höhere Belastung für den Belag und das ganze System darstellen, als das im Vergleich bei einer Duschtasse mit einer Anstauhöhe von 5-10 cm der Fall ist. Wird bei einer herkömmlichen Duschtasse das Wasser immer im Stahl-Email oder Acrylkörper gefangen, wirkt bei einer Duschfläche oder bei einer gefliesten Dusche, das Spritz-und Brauchwasser viel stärker auf die Ränder, Fliesen, Fugen und Silikon ein.
Aus diesem Grund fordert proFliese und der ZDB in seinen Regelwerken bei solchen Bauweisen eine besondere Beachtung der Abdichtungsrichtlinien und die Verwendung von geeigneten, sprich „feuchteunempfindlichen“ Untergründen.
Die Bauweise „bodengleich“ oder „barrierefrei“ bringt mir immer wieder Gutachtenaufträge und Schadensfälle. Die Bauart stellt eine hochkomplexe Kombination zwischen Planung, Bauüberwachung, Ausführung des Untergrundes, Einbau der Abdichtung und Schnittstellen zwischen den Gewerken, dar. Sehr leicht und leider auch sehr oft passieren dabei Fehler und nicht selten entstehen große Schäden mit großen Schadenssummen.
Alleine in meinem 1-Mann Gutachterbüro sind in den Jahren 2010 bis 2024 zusammen etwa 30 Schadensfälle mit über 500 Duschplätzen und einem Streitwert von über 6 Millionen € zusammengekommen. Ganz sicher bin ich nicht der einzige Sachverständige der solche Fälle bearbeitet.
Die Schadensursachen sind dabei vielfältig. Auffällig sind handwerkliche Verarbeitungsfehler in der Abdichtungsebene. Falsche Anschlüsse von Manschetten an Ablaufteile. Aber auch Fehler der Planung, Bauüberwachung oder Versäumnisse zum Zeitpunkt der Abnahme.
Hier ein paar Beispiele:







Ich könnte endlos weitermachen. Die Konstruktionen die zu Schäden führen sind meist grotesk und hinterlassen mich oft kopfschüttelnd. Auffällig ist die Häufigkeit von Planungsfehlern. Wobei sehr oft die ausführenden Handwerker auch die Planer sind, wenn keine Ingenieure oder Architekten involviert sind. Eine Duschanlage oder auch die bodengleiche Dusche in einem privaten Bad komplett von Anfang bis zum Ende durchzudenken und in der Umsetzung auf alle Punkte zu achten, ist eine hohe Kunst.
Das Thema Badezimmerbau und Abdichtung ist in den proFliese Regelwerken, der ZDB „Schnittstellenkoordination Nassraum“ und dem „ZDB Merkblatt Abdichtungen im Verbund“ sehr gut erklärt. Die hier aufgezeigten Schadensfälle und die tatsächlich sehr hohen Schadenssummen, müssen dazu führen, dass bei der Planung und Umsetzung von bodengleichen Duschen eine besondere, eine erhöhte Sorgfalt angewendet wird. Im Rahmen der Planung und Koordination der Handwerker sind Themen wie Anordnung und Größe der Duschplätze, sowie Untergründe und Abdichtung sehr wichtig. Viele Schäden passieren durch Missachtung der Schnittstelle Sanitärbetrieb und Fliesenleger.
Große Beachtung bei den Anschlussdetails
Große Beachtung muss man den Anschlussdetails Rinne, Bodenablauf und der Flächenabdichtung widmen. Haben die Einbauteile ausreichende Flansche oder besser bereits schon werksseitig verklebte Manschetten? Wird die Abdichtung im Verbund oder eine passende Manschette dauerhaft auf der Edelstahlrinne anhaften?
Sehr wichtig ist auch die Wahl der Baustoffe. Nicht nur, für welche Art der Abdichtung man sich entscheidet, sondern auch die Wahl des Untergrundes. Aus Erfahrung und der Reflektion aller bekannten Schadensfälle, kann ich nur empfehlen, beim Bau von Bädern, Duschen oder bodengleichen Systemen, vor allem bei Flächen die planmäßig mit Wasser beaufschlagt werden, geeignete und damit meine ich „feuchteunempfindliche“ Untergründe zu verwenden. Oft sind die Folgeschäden und Sanierungskosten im Untergrund größer und teurer als die eigentliche Schadensursache.
Literatur:
proFliese Regelwerk AIV
proFliese Merkzettel Rinnen und Abläufe
proFliese Merkzettel Wassertransport
ZDB Merkblatt Abdichtungen im Verbund
ZDB Fachinformation Schnittstellenkoordination Nassraum
DIN 18534 (neu ab Herbst 2025)





