Sopro Deutschland: Das Wachstum wird schwieriger

Wiesbadener müssen den herausfordernden Rahmenbedingungen Tribut zahlen

Im Jahr 2023 musste die Sopro Deutschland einen Umsatzrückgang von ca. zwei Prozent gegenüber 2022 hinnehmen. Damit zeigten die Ergebnisse das erste Mal seit über 20 Jahren nach unten, was die erfolgsverwöhnten Wiesbadener als Rückschlag und Herausforderung empfinden. Umsatzrückgänge passen gar nicht in die „Unternehmens DNA“ der Sopro – auch, wenn sich das Unternehmen sich damit trösten kann, dass man wahrscheinlich mit dem geringen Minus noch vergleichsweise gut dasteht.

Sopro-Geschäftsführer Andreas Wilbrand und Michael Hecker im Video-Interview:

„Das ist für uns ein unerwartet schlechtes Umsatzergebnis, weil wir davon ausgingen, die 200 Mio. € Hürde im Jahr 2023 überschreiten zu können,“ so Geschäftsführer Andreas Wilbrand in der Pressekonferenz des Unternehmens, die im Vorfeld des 12. Sopro Profi-Tages in Mainz stattfand.

In der gesamten Sopro Gruppe, kumuliert mit allen Umsätzen der Sopro Auslandstöchter, Schwesterunternehmen und den Exportaktivitäten, hat das Unternehmen einen Umsatz von mehr als 270 Mio. € erreicht. Damit hat die Gruppe in ihrem bauchemischen Kerngeschäft in vielen europäischen Ländern trotz generell widriger Umstände ihre Spitzenpositionen in ihrem Marktumfeld festigen können. „Aus unserer Sicht haben wir uns in Deutschland etwas besser entwickelt als der Markt, den wir im Hinblick auf das für uns relevante Volumen aus verschiedenen Statistiken – u. a. zum Gesamtfliesenverbrauch in Deutschland – ableiten“, so Wilbrand weiter.

„Das sieht nicht lustig aus in der Fliesenbranche“

Die generelle Absatzentwicklung der nationalen und internationalen keramischen Produzenten entwickelte sich in 2023 bekannter Maßen dramatisch negativ – besonders beeinflusst durch den massiven Lageraufbau der Fliesenhändler. Und 25 Prozent weniger Fliesenabsatz bedeuten eben auch 25 Prozent weniger Kleberabsatz, wie die beiden Geschäftsführer Andreas Wilbrand und Michael Hecker in unserem Video-Interview unterstrichen. „Das sieht nicht lustig aus in der Fliesenbranche“, so Wilbrand mit Sorgenfalten auf der Pressekonferenz – gab sich dann aber sofort kämpferisch: „Wir werden ein paar Schrammen abkriegen, aber wir werden das überstehen, denn wir haben eine starke Gruppe im Rücken“.

Blick in die Pressekonferenz.
Blick in die Pressekonferenz.

Positiv zeigte sich, dass die Sopro Bauchemie in Deutschland ihre sortimentsbezogene, führende Marktposition entgegen der Markt- und Wettbewerbsentwicklung weiter ausbauen und festigen konnte. Der qualifizierte Fliesen- und Baustofffachhandel bleibt für die Sopro Deutschland der wichtigste Absatzmarkt. Die Marktanteile im Fachhandelsmarkt, der nach Einschätzung der Wiesbadener etwa 60 bis 65% des Gesamtmarktes repräsentiert, liegen im Sortimentsbereich der “Fliesentechnik” nach eigenen Berechnungen bei nunmehr ca. 25 %. Der Bau- und Heimwerker Markt mit etwa 25 bis 30 % Gesamtmarktanteil, den man in einer selektiven Vertriebspolitik und einer komplett getrennten Markenführung mit dem Label “Racofix” bedient, hat sich im Jahr 2023 vergleichsweise zufriedenstellender entwickelt. Der Marktanteil hier beträgt hier ca. fünf Prozent. Die Absatzkrise infolge der Investitionszurückhaltung vieler Konsumenten ist nach Auskunft von Wilbrand aber auch im Bau- und Heimwerkermarkt deutlich spürbar.

Umsatzzuwachs durch Marktverdrängung

Auch wenn die internationalen Fliesenhersteller-Verbände für die kommenden Jahre wieder eine Marktberuhigung und leichte Pluszahlen vorhersagen, bleibt das Gesamtumfeld schwierig. Wie sich für die Sopro Deutschland die Umsatzkurve wieder noch oben drücken lässt, gab Wilbrand ebenfalls zu Protokoll: über Marktverdrängung.

Wilbrand: „Der Wettbewerb im bauchemischen Umfeld hat an Schärfe keineswegs nachgelassen und die generellen Margen stehen, auch wegen der stark angestiegenen Beschaffungskosten für Energie, Rohstoffe und Verpackungen, unter Druck. Die Kostensenkungsmöglichkeiten sind weitgehend ausgereizt und ohne Innovationen würde es noch schwieriger werden. Jetzt kommen noch weitere zusätzliche Belastungen auf die Unternehmen hinzu, wie die Maut oder die regulativen Veränderungen aus der neuen, noch in finaler Bearbeitung befindlichen Bauprodukteverordnung.“

Im Rahmen der Pressekonferenz stand auch ein Besuch des Sopro-Stammkunden Köbig auf dem Programm, dessen Niederlassung und Ausstellung besichtigt wurden.
Im Rahmen der Pressekonferenz stand auch ein Besuch des Sopro-Stammkunden Köbig auf dem Programm, dessen Niederlassung und Ausstellung in Mainz besichtigt wurden.

Wie die Marktverdrängung umsetzt werden soll, wusste Wilbrand ebenfalls: mit „Hammer-Service“, so der Geschäftsführer. Fast 100 Leute arbeiten im Technischen Support und im Außendienst täglich im Kontakt mit den Kunden.

Wie gut dieser Kontakt zu den Kunden ist, zeigte auch der große Erfolg des diesjährigen, 12. Sopro-Profi-Tages in Wiesbaden (siehe unser separater Bericht). Über 1.200 Interessenten fanden dabei den Weg nach Mainz, um einem interessanten Vortrags- und Vorführ-Programm in der Halle 45 zu folgen. Damit dürfte der Sopro Profitag inzwischen zu den größten Branchenveranstaltungen seiner Art zählen. Sogar aus dem Ausland reisten die Kunden dafür an.

Neue Ausbildung zum „Wohngesund-Profi“

Das Thema Schulung zählt schon immer zu den Stärken des Unternehmens. Allein in 2023 wurden 25.000 Verarbeiter und Handelsmitarbeiter sowie rund 4.000 Architekten auf diversen Veranstaltungen begrüßt. Darüber hinaus konnten 523 Sopro-SystemProfis sowie 82 Betriebe zertifiziert werden. Mit einer neuen Ausbildung zum „Wohngesund-Profi“ bietet die Sopro ab sofort eine neue Weiterbildungsmaßnahme an, die den allgemeinen Trend zum Thema Nachhaltigkeit aufgreift. Wie alle Bauchemiker hat sich auch Sopro in der jüngsten Vergangenheit intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandergesetzt und eine eine Reihe von Maßnamen entwickelt – und dafür diverse Auszeichnungen bekommen.

Wilbrand: „In der Kommunikation unseres Nachhaltigkeits-Engagements wollen wir glaubwürdig, seriös und ehrlich bleiben. Uns geht es darum, den drohenden Klimawandel aktiv und operativ mit unseren Möglichkeiten und unseren „Hebeln in der Umsetzung“ zu bekämpfen, ohne qualitative Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit unserer Produkte in Kauf zu nehmen. Das geht uns vor der aus unserer Sicht viel zu oft „Marketing getriebener“ Übertreibung vieler Marktteilnehmer, die über kurz oder lang auch zum Nachteil werden kann.“

Zum Thema Nachhaltigkeit zählt auch ein neues System für ein wiederaufnehmbares Bodensystem, das auf dem Sopro-Profitag vorgestellt wurde. Das “Sopro Change System” mit flexiblen Fugen und einer ausrollbaren Matte, die gleichzeitg den Untergrund glättet und außerdem entkoppeln soll, ist als Weltneuheit zum Patent angemmeldet.

Und vielleicht sorgt u.a. auch diese Innovation dafür, dass die Umsatzkurve bei der nächsten Pressekonferenz wieder nach oben zeigt.

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