Verbundabdichtung im hochbelasteten Bereich

Silan-Hybrid-Polymer mit Vorteilen gegenüber zweikomponentigen Produkten  

Werden Verbundabdichtungen in hochbeanspruchten Bereichen, wie beispielweise in Großküchen oder Schwimmbädern, auf speziellen Untergründen oder auf im Regelwerk des Fliesenlegerhandwerks unzulässigen Untergründen ausgeführt, kommen Abdichtungsstoffe auf Reaktionsharzbasis zum Einsatz. Dabei handelt es sich in der Regel um zweikomponentige Werkstoffe, die exakt im vorgegebenen Mischungsverhältnis verarbeitet werden müssen. Hinzu kommt eine meist nicht unerhebliche Wartezeit, bis der Untergrund die zulässige Restfeuchte erreicht hat. Dass es auch einfacher und schneller geht, zeigt Robert Kolbeck, Markt- und Technologiekoordinator für Fliesenverlegetechnik bei Murexin.

Abdichtungen erfordern ein ganz besonderes Maß an Präzision, insbesondere wenn es sich um hochbelastete Bereiche, um Spezialuntergründe, wie Holzbauplatten aus OSB und Spanplatten, oder auch um Holzständerbauweisen handelt. Hersteller bauchemischer Produkte bieten hierfür in der Regel zweikomponentige Werkstoffe auf Reaktionsharzbasis an. Für den Fliesenleger wiederum ergeben sich daraus sowohl bei der Vorbereitung als auch bei der Verarbeitung einige Herausforderungen.

Richtiges Mischungsverhältnis

Zweikomponentige Werkstoffe müssen genau nach den Angaben des Herstellers gemischt werden. Handelt es sich um vollständige Gebinde, ist das Anmischen inklusive des Umtopfens in der Regel unproblematisch. Reicht jedoch die vorbereitete Menge für die auszuführende Fläche nicht aus, müssen Teilmengen angerührt werden. Dies ist wiederum nur mit geeigneten Hilfsmitteln wie Waage und Kleinmischer möglich.

Keinesfalls dürfen die beiden Komponenten nach Gefühl vermischt werden, da sie aufgrund ihrer unterschiedlichen Dichte beziehungsweise Masse nicht im Verhältnis 1:1 verbunden werden können. Je nach Hersteller und Produkt ergeben sich beispielsweise Mischungsverhältnisse von 1:2,5, 1:1,67 oder 1:3, die exakt einzuhalten sind – ansonsten werden überschüssige Inhaltsstoffe nicht gebunden und die Reaktion des Produktes ist unvollständig. Häufige Konsequenzen sind, dass das Produkt nicht vollständig aushärtet, weich bleibt, verfärbt, klebt oder sich von der Oberfläche abziehen lässt.

Applizieren an der Wand

Handelt es sich um eine Arbeit am Boden, können Reaktionsharzabdichtungen im Allgemeinen sehr gut appliziert werden. Geht es jedoch an die Wand, fehlt sehr häufig die Standfestigkeit und die aufgetragene Schicht bildet Tropfen oder sackt sogar ganz ab. Dem entgegen wirken so genannte Stellmittel, die zum Beispiel mit einem geeigneten Quirl in die Produktmischung eingearbeitet werden können. Zu bevorzugen sind Stellmittel, die portionsweise bis zur gewünschten Verarbeitungskonsistenz beigemischt werden können.
Für eine gute Verankerung der Folgeprodukte, wie zum Beispiel Fliesenkleber, ist anschließend eine griffige Quarzabstreuung erforderlich. Diese sollte vorzugsweise vom Hersteller der Reaktionsharzabdichtung angeboten werden, da nur so sichergestellt werden kann, dass die richtige Körnung mit der richtigen Eindringtiefe verwendet wird.

Zulässige Restfeuchte

Vor dem Aufbringen von Verbundabdichtungen muss der Untergrund die zulässige Restfeuchte erreicht haben. Ist die Restfeuchte stark überhöht, kann ein daraus resultierender Dampfdruck die Anhaftung einer Reaktionsharzabdichtung so massiv beeinträchtigen, dass zum Beispiel blasenartige Erhebungen oder aufgeplatzte Fehlstellen entstehen. Dies gilt insbesondere für Estriche, bei denen der Dampfdruck kaum oder nur schwer nach unten entweichen kann, da sich darunter oft Folien zum Schutz der Dämmung befinden. Die Restfeuchte ist zu messen und zu protokollieren. Ist der Untergrund noch zu feucht, muss gewartet werden. Die zulässige Restfeuchte (Belegreife) eines Zementestrichs beträgt beispielweise 2 CM-Prozent (gemessen nach der Calziumkarbit Methode).

 

Alternative: Einkomponentige Reaktionsharze

1.) Unkompliziert zu verarbeiten
Mit einkomponentigen Produkten, so genannten Silanmodifizierten Polymeren (SMP), die von einigen Herstellern als Alternative angeboten werden, lassen sich die oben genannten Herausforderungen weitgehend umgehen. Beispielsweise entfällt das Anmischen komplett und für fehlende Teilmengen wird einfach ein neuer Eimer geöffnet. Sollten dagegen Restmengen übrig bleiben, sind sie im verschlossenen Gebinde lange Zeit weiter verarbeitbar und können auf der nächsten Baustelle eingesetzt werden.

Wird ein Eimer nicht richtig verschlossen, reagiert das Produkt zwar mit der Luftfeuchtigkeit, aber gleichzeitig verschließt sich dabei seine Oberfläche von selbst. Der so reagierte Teil des SMP-Produktes lässt sich in der Folge leicht abziehen und die darunter liegende Schicht kann ohne Qualitätsverlust weiter verarbeitet werden. Generell sind SMP-Abdichtungsstoffe in der Anwendung sehr angenehm: Sie lassen sich in der Regel leicht aufrollen, sind standfest, tropfen nicht und haften sehr gut an den unterschiedlichsten Untergründen.

War der Eimer aus Versehen nicht richtig verschlossen? Kein Problem. Die entstandene Haut, kann einfach abgezogen und mit dem darunter befindlichen Material weitergearbeitet werden Foto: Murexin

2.) Feuchtigkeit fördert die Reaktion
Ein weiterer Trumpf eines SMP-Produktes ist es, dass es nahezu auf allen Untergründen haftet, sogar auf leicht feuchten. Luftfeuchtigkeit oder Feuchtigkeit aus dem Untergrund fördern sogar die Reaktion des Produkts. Das Prinzip ist relativ einfach: Die im Polymer enthaltenen Vernetzer-Silane reagieren mit Feuchtigkeit, so dass das SMP-Produkt aushärtet. Bei höherer Luftfeuchtigkeit in Kombination mit höheren Temperaturen verläuft die Reaktion schneller, bei niedriger Luftfeuchtigkeit und niedrigeren Temperaturen langsamer. Bei einer Raumtemperatur von 20 °C und einer Raumluftfeuchte von 50 Prozent ist beispielsweise mit einer Offenzeit von 30 bis 40 Minuten und einer Reaktionszeit von etwa fünf Stunden zu rechnen. Bei einer Schichtdicke von circa einem Millimeter ist die Belegreife dann nach circa acht Stunden erreicht.

Einen derartigen Technologievorsprung erzielt der Fliesenleger beispielsweise mit WD-1K von Murexin. Wie bei allen flüssigen Reaktionsharzen muss auch bei diesem SMP-Produkt die zweite Schicht mit Quarzsand abgestreut werden. Die entsprechend auf WD-1K abgestimmte Mischung ist bei Murexin erhältlich.

Diese zweite Schicht wird sowohl an der Wand als auch am Boden mit einem auf WD-1K abgestimmten Quarzsand abgestreut. Fotos: Murexin

 

3.) Arbeiten im System
Um effizient und qualitativ hochwertig arbeiten zu können, ist aber auch das „Arbeiten im System“ unerlässlich. Der Systemgedanke bedeutet nichts anderes, als dass sich der Handwerker herstellerbezogen gemäß der bewährten Methoden und Normen auf die Produkte verlassen kann. Hierzu zählen beispielsweise leicht zu verarbeitende Tränkvliese inklusive Formteile für Innen- und Außenecken, Dichtmanschetten sowie elastische Dichtbandsysteme.

Darüber hinaus muss das Produkt über die entsprechenden Zulassungsvoraussetzungen im bauaufsichtlich relevanten Bereich erfüllen. Von Vorteil ist ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis, das alle Wassereinwirkungsklassen nach DIN 18534 für Verbundabdichtungen im Innenbereich (W0-I bis W3-I, Abdichtungsarten eins bis vier einschließlich zusätzlicher chemischer Beanspruchung nach PG-AIV) abdeckt.

Die Spezialabdichtung WD-1K von Murexin besitzt das allgemeine bauaufsichtliche Prüfzeugnis (abP) für Abdichtungen im Verbund mit Fliesen- und Plattenbelägen. Bei der Bestimmung der Wasserdichtigkeit im eingebauten Zustand erzielte WD-1K mit einem Druck von 2,5 bar einen Höchstwert. Die Zulassung gilt damit bis zu einer Beckentiefe von 10 Metern Wassersäule.

Eine sicher abgedichtete und korrekt abgestreute Fläche. Dem Aufbringen des Folgeproduktes, zum Beispiel Fliesenkleber, steht nichts mehr im Wege. Foto: Murexin

Produktinformation

WD-1K ist eine Murexin-Spezialabdichtung auf Basis der SMP-Technologie. Silanprodukte werden ohne Lösemittel und ohne Zugabe von Isocyanat hergestellt. WD-1K ist daher gesundheitlich unbedenklich und bietet weitere zahlreiche Produktvorteile. Dazu zählen eine besonders hohe Wasserdichtigkeit, Temperatur- und UV-Beständigkeit, eine Applikation ohne Vorgrundierung auf Standarduntergründen, aber auch der Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit: WD-1K ist im wieder geschlossenen Gebinde über Monate weiter verarbeitbar.

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