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Toleranzen im Fußbodenbau

Leitsätze des BEB - Arbeitskreises „Sachverständige“

Estriche haben neben anderen auch die Funktion, eine vorgegebene Höhenlage zu erreichen. Bei der Beurteilung der Maßgenauigkeit und Einhaltung zulässiger Toleranzen und Grenzwerte für die Herstellung von Estrichen und Bodenbelägen stellt sich immer wieder heraus, dass geltende Normen und Hinweisblätter nicht alle Punkte umfassend behandeln und keine eindeutigen Bewertungskriterien enthalten. An erster Stelle der Bewertung muss die Frage stehen: „Was war vereinbart und damit vertraglich geschuldet?“. Nur durch eine klare Beschreibung der Vorstellungen des Bestellers weiß der Auftragnehmer, was erwartet wird. Wenn keine besonderen Vereinbarungen getroffen wurden, gilt die übliche Beschaffenheit. Diese ist im Allgemeinen durch Vertragsregelwerke, wie die VOB, und die anerkannten Regeln der Technik beschrieben.

Für die Beurteilung von Toleranzen wird in der Regel zuerst DIN 18202 – Toleranzen im Hochbau – Bauwerke in der jeweils gültigen Fassung herangezogen. In dieser Norm beschriebene Toleranzen dienen zur Begrenzung von Abweichungen der Nennmaße, der Größe, Gestalt und Lage von Bauteilen. Das ist erforderlich, um trotz unvermeidbarer herstellungsbedingter Ungenauigkeiten die vorgesehenen Funktionen zu erfüllen und das funktionsgerechte Zusammenfügen von Bauteilen zu ermöglichen. Der Arbeitskreis Sachverständige hat sich einigen wichtigen Punkten der Ausführungsgenauigkeit bei der Estrichherstellung und der Bodenbelagsverlegung angenommen und zu bisher nicht genau definierten Sachverhalten Leitsätze entwickelt.

1. Leitsatz: Zeitpunkt der Messung

Formänderungen, die aus Last,-Zeit-, Feuchte- und Temperatureinflüssen resultieren, wie z.B. elastische und plastische Verformungen aus Kriechen, Schwinden, sowie konstruktive Einwirkungen beeinflussen und verfälschen die Messergebnisse. Derartige Formänderungen und Vorverformungen sind in den Grenzwertangaben in DIN 18202 nicht enthalten. Messungen der Höhenlage, Ebenheits- und Winkelabweichungen zur Beurteilung der Ausführungsqualität des Estrichs müssen daher so früh wie möglich erfolgen. Die zum Zeitpunkt der Messung bereits eingetretenen bzw. vorhandenen Verformungen sind in geeigneter Weise bei der Beurteilung der Messergebnisse und Toleranzen zu berücksichtigen.

2. Leitsatz: Schaffung von raumbezogenen Ersatzhöhenpunkten

Unter Berücksichtigung der handwerklichen Toleranz und Genauigkeit der für das Gewerk gebräuchlichen Messgeräte ist bei der Übertragung von Höhenbezugspunkten eine Abweichung von ±3 mm hinzunehmen.

3. Leitsatz: Höhenlage des Estrichs im Raum

Die Sollhöhe des Estrichs in Bezug zum raumbezogenen Ersatzhöhenpunkt kann mit einer Genauigkeit von ±2 mm übertragen werden. Sie muss in diesem Raum an mindestens 1 Stelle eingehalten werden. Um die Sollhöhe des Estrichs im Bereich von Türdurchgängen einzuhalten, sollte mind. ein raumbezogener Höhenersatzpunkt in Türnähe angeordnet werden. Alle anderen Lageabweichungen der Estrichoberfläche im Raum stellen Winkel- bzw. Ebenheitsabweichungen dar und sind als solche zu bewerten.

4. Leitsatz: Höhenlage des Estrichs und Bodenbelages im Bereich von Türzargen/Türdurchgängen

Die Übertragung des Höhenbezugspunktes auf den Türanschlag ist mit einer Abweichung von ±3 mm möglich. Bei bereits eingebauten Türzargen/Rahmenelemente sollte sich die Höhenlage des Estrichs nach den vorhandenen Höhenmarkierungen auf den Türzargen/Rahmenelementen richten. Diese Höhenmarkierungen sind mit Bezug auf den Höhenbezugspunkt zu überprüfen. Die Abweichung der Einbauhöhe des Estrichs von den übertragenen bzw. an Türzargen/Rahmenelementen vorgegebenen Höhenmarkierungen darf max. ±2 mm betragen. Im Bereich von Türdurchgängen darf die Höhenabweichung zwischen den beiden Anschlagseiten der Türzarge/Rahmenelemente (rechts und links) zueinander maximal 2 mm betragen. Ebenheitsabweichungen innerhalb der Strecke zwischen diesen Höhenpunkten sind gesondert zu beurteilen. Die gleichen Anforderungen stehen für den fertigen Bodenbelag.

5. Leitsatz: Höhenlage des Estrichs im Anschluss an Einbauteilen/Schienen

Im Anschluss an fest montierten Schienen, Anschlagschienen von Türelementen, Aufzugsschächten, Rahmenelementen von Einbauteilen sowie oberflächenfertigen Treppenstufen etc. ist eine Abweichung von der Sollhöhe des Estrichs von +0 mm und -3 mm als handwerklich bedingte, hinzunehmende Unregelmäßigkeit zu betrachten.

6. Leitsatz: Höhenlage des Bodenbelages im Anschluss an Einbauteilen/Schienen

Wenn keine besonderen Vereinbarungen getroffen wurden, ist im Anschluss an fest montierten Schienen, Anschlagschienen von Türelementen, Aufzugsschächten, Rahmenelementen von Einbauteilen, oberflächenfertigen Treppenstufen, sowie vom Bodenleger montierten Abschlussschienen eine Höhendifferenz zwischen Oberkante Bodenbelag und Oberkante Schienen/Rahmen von max. 1 mm hinzunehmen.

7. Leitsatz: Höhenlage des fertigen Bodenbelages im Anschluss an angrenzende Bodenflächen

Wenn keine besonderen Vereinbarungen getroffen wurden, ist im Anschluss an verschiedenen bzw. angrenzende Bodenflächen eine Höhendifferenz zwischen den Belagsoberflächen bei Neuherstellung des Estrichs von max. 1 mm und im Renovierungsbereich (Belagswechsel ohne Estrichaustausch) von max. 4 mm hinzunehmen.

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