Statements der italienischen Industrie zur Corona-Krise

Keiner kann genau sagen wie es weitergeht - jede Tag neue Bewertung der Lage

1200Grad Italien-Korrespondentin Alexandra Becker hat sich bei verschiedenen italienischen Herstellern umgehört, in wieweit die Unternehmen von der Corona-Krise betroffen sind.

Alle Beiträge über Fliesen im Überblick.

Fila

Die Fragen haben CEO Francesco Pettenon  und Stefano Scanferla, Vertriebsleiter Nord- und Mitteleuropa beantwortet.

Wie stellt sich die aktuelle Situation fuer Ihr Unternehmen dar, durch den Corona-Virus bedingt?

Francesco Pettenon: Niemand war darauf vorbereitet oder hätte sich eine so ernste Lage vorstellen können. Die italienische Regierung hat mit einschränkenden Maßnahmen in aufeinanderfolgenden Abstufungen reagiert, bis hin zu der sehr mutigen und notwendigen Entscheidung, die heute eine parzielle Schließung der Aktivitäten vorsieht. Heute ist Italien ein Land, in dem Hersteller, Bank- und Finanzdienstleister, Supermärkte und Apotheken aktiv sind. Einzelhandel, Gastronomie etc. sind zur Zeit geschlossen.

Auch in diesem besonderen Moment steht FILA an der Seite seiner Kunden, Partner, Verbände und Innungen, um sich dieser Herausforderung namens COVID19 gemeinsam zu stellen. Unsere Technische Hotline verzeichnet aus aktuellem Anlass immer mehr Anfragen und Schäden, die auf den Einsatz von besonders aggressiven Reinigern und Desinfektionsmitteln zurückgehen. Kompetenz in Sachen Reinigung hat im Moment Hochkonjunktur.

Wie wirkt sich dies auf die D-A-CH-Märkte aus?

Stefano Scanferla: Die Produktion und Lieferung der Produkte in Italien und ins Ausland ist durch den Produktionsstandort an der Firmenzentrale gesichert. Ein entsprechender Rohstoffbestand und unser Zentrallager, das ganz Europa bedient, stellt die Voraussetzungen für eine normale Abwicklung der Bestellungen für die nächsten 5 Monate und die unverzügliche Lieferung an die Kunden.

Stefano Scanferla, Fila Vertriebsleiter Nord- und Mitteleuropa. Foto: Fila

Dabei richtet sich FILA selbstverständlich immer nach den Vorgaben der italienischen Regierung und setzt in Bezug auf Prävention und zum Schutz der Mitarbeiter die entsprechenden Maßnahmen um. Dazu zählt zum Beispiel, dass viele Mitarbeiter jetzt vom Homeoffice aus arbeiten,

Mit welchen Entwicklungen rechnen Sie in den nächsten Wochen bzw. Monaten?

Francesco Pettenon: Wie alle Viren wird auch COVID19 vergehen. Es ist nicht einfach abzuschätzen, wann und welche Auswirkungen dies auf die Wirtschaft haben wird. Aber wir lernen aus dieser Katastrophe, wie wichtig menschliche Beziehungen und Respekt für andere sind -und dass man Teamwork auch die größte Hürde nehmen kann.

In vielen Bereichen wird sich ein veränderter Blickwinkel mit neuen Prioritäten ergeben, auch in unserem Tätigkeitsfeld. FILA als Kompetenzzentrum für Reinigung, Schutz und Pflege gezielt mit Wissenstransfer aus aktuellem Anlass ein. So weist die  Weltgesundheitsorganisation darauf hin, wie wichtig es ist, Oberflächen sauber zu halten und gibt die Schritte für Reinigung, Hygienemaßnahmen und Desinfektion an. Damit Hygiene- und Desinfektionsmaßssnahmen wirksam sind, muss der Belag erst einmal mit geeigneten Reinigern gründlich gereinigt werden. Sonst bleiben Schmutz, Verkrustungen und Flecken zurück, die einen Nährboden für Keime und Bakterien bilden.

Mit unseren Produkten und der Kompetenz unserer Experten leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Hygiene und Sauberkeit im privaten und gewerblichen Bereich. Aus diesem Grund rechnen wir mit einer stark steigenden Nachfrage vor allem nach Reinigern. Das zeichnet sich bereits ab.

Gigacer

Marco Minghetti. Vertriebsleitung Deutschland für Gigacer. Foto: Gigacer

Marco Minghetti, Vertriebsleiter Deutschland, Gigacer rechnet mit einer Beruhigung der Situation gegen Mitte April:  „Die Situation verändert sich sehr schnell. Bis jetzt hatten wir keine Umsatzeinbuβen, im Gegenteil, wir konnten sogar einen leichten Zuwachs verzeichnen. Unsere Branche wird meiner Meinung nach von der Situation nicht so stark betroffen sein, vorausgesetzt, die Prognosen der Virologen treffen ein und Mitte April beruhigt sich alles wieder. Die Situation am Brenner bleibt zu beobachten, eine eventuelle Blockade dort und die aktuelle Teilschlieβung könnte Auswirkungen haben.

Mittlerweile arbeiten die meisten Gigacer-Mitarbeiter von zu Hause aus. Für das Vertriebsteam war das sofort umsetzbar. Die Kollegen und Kolleginnen aus den anderen Abteilungen, wie Customer Care und Marketing,  mussten erst einmal entsprechender mobiler Technik ausgestattet werden. Das wurde jetzt umgesetzt und läuft.“

Sichenia

Alberto Terzoni ist bei Sichenia als Vertriebsleiter für Deutschland, Österreich, Schweiz und die Niederlande zuständig.
Herr Terzoni, wie stellt sich die aktuelle Situation, durch den Corona-Virus bedingt, für Ihr Unternehmen insgesamt aktuell dar? 
Alberto Terzoni: „Unser Alltag hat sich unter dem Einfluss von Covid 19 stark verändert. Die wichtigsten Prozesse und Arbeitsabläufe im Werk werden aufrechterhalten. Für unsere Kunden bedeutet das, dass alle Sichenia-Büros weiterarbeiten – unter Berücksichtigung der entsprechenden Vorkehrungen, die die italienische Regierung angeordnet hat. Priorität ist dabei der Schutz der Gesundheit unserer Mitarbeiter und aller, die mit unserem Unternehmen in Kontakt kommen.“ Wir produzieren zur Zeit und versenden unsere Artikel weiterhin weltweit wie gewohnt.
Alberto Terzoni von Sichenia. Foto: privat

Wie wirkt sich dies in Bezug auf die D-A-CH-Märkte aus? 

Alberto Terzoni: „Geschäftsreisen sind auf unbestimmte Zeit eingestellt, am Freitag (13.2.2020) bin ich mit dem letzten Flug abends aus Deutschland zurückgeflogen und arbeite jetzt von zu Hause aus. In Anbetracht der Schlieβung der Grenzen, sowohl in der Schweiz als auch in Österreich, werden voraussichtlich wesentlich weniger Lkw in Sassuolo laden.
Verschiedene Kunden haben laufenden Bestellungen für Objekte, die im Mai-Juni fertiggestellt werden sollen. Diesen Kunden habe ich angeboten, die Ware sofort abzuholen und habe die Zahlungskonditionen entsprechend verändert.“
Mit welchen Entwicklungen rechnen Sie in den nächsten Wochen/bzw. Monaten? 
Alberto Terzoni: „Das ist schwer zu sagen. Vorhersehbar ist aus meiner Sicht, dass das, was im Moment in Italien geschieht, ziemlich schnell auch in den anderen Ländern ankommen wird.“

Graniti Fiandre

Tanja Pahlke , bei Graniti Fiandre Spa als Vertriebsleiterin zuständig für Deutschland und Österreich.

Wie stellt sich die aktuelle Situation, durch den Corona-Virus bedingt, für Ihr Unternehmen insgesamt aktuell dar? 

Tanja Pahlke, Graniti Fiandre
Tanja Pahlke, Vertriebsleiterin Fiandre Deutschland und Österreich. Foto: Fiandre

Tanja Pahlke: Aktuell stellt sich die Situation in unserem Unternehmen so dar, dass wir konform mit den heute relevanten Gesetzgebungen der Regierung Italien alle produktiven Prozesse einschlieβlich Verladungen und unseren Service normal durchführen. Wir richten uns dabei natürlich nach den jeweiligen Vorgaben und Notwendigkeiten des italienischen Staates. Heute und zu diesem Zeitpunkt produzieren und verladen wir.

Unabhängig von der aktuellen Situation werden in unserem Hause bereits seit Jahren alle digitalen Instrumente stetig weiterentwickelt und eingesetzt, um unsere Kundschaft im Handel und im Projektbereich in über 100 Ländern zu informieren. Diese können vor allem momentan maximal genutzt werden, ohne einen direkten, persönlichen Kontakt zu haben. Fiandre verfolgt damit das Ziel, auch „auf Distanz“ mit ihren  Partnern verbunden zu bleiben. Ein Beispiel ist die Fiandre APP:  www.granitifiandre.com/pdfapp.”

Wie wirkt sich dies in Bezug auf die D-A-CH-Märkte aus? 

Tanja Pahlke:  Hierzu möchte ich eine Gegenfrage stellen: Wie wird sich die Corona-Situation für uns alle auf den jeweiligen Märkten auswirken ? Ich denke wir sitzen hier alle im selben Boot – wie es ein deutsches Sprichwort besagt.

Mit welchen Entwicklungen rechnen Sie in den nächsten Wochen/bzw. Monaten? 

Tanja Pahlke: Es wäre vermessen, zu diesem Zeitpunkt Voraussagen zu machen. Im Hause Fiandre haben wir uns dazu entschieden, der jetzigen Situation mit Optimismus zu begegnen. Wir glauben an die Fähigkeit jedes einzelnen Menschen, seinen Beitrag zu leisten, um diese Situation mit Respekt und Verantwortungsbewusstsein zu händeln, wie es sichtlich hier im Unternehmen geschieht. Das gleiche Vertrauen setzen wir in die entsprechende Gesetzgebung des Landes Italien, der europäischen, und aller betroffenen Staaten, um diese komplexe Situation  bestmöglich zu meistern.

 

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