Nachhaltig handeln heißt Energie sparen – und mehr

Unsere November Umfrage bei 1200Grad zum Thema Nachhaltigkeit

Die Energiewahl spielt bei den Antworten unserer Leser auf die jüngste 1200 Grad Trendbarometer-Umfrage zum Thema Nachhaltigkeit die wichtigste Rolle. 56 Prozent gaben an, in ihren Unternehmen auf Ökostrom sowie zukünftig Wasserstoff zu setzen und grundsätzlich Energie einzusparen. Spannend wäre jetzt herauszufinden, ob die Zustimmung eher dem ersten oder dem zweiten Teil der Antwortmöglichkeit gilt.

Vermutlich ist es das „Energiesparen“, welches ohnehin derzeit quer durch alle Branchen und Bevölkerungsschichten als erforderlich angesehen wird. Ökostrom hingegen wird von umweltbewussten Verbrauchern bevorzugt, von Unternehmen jedoch kaum. Und der Einsatz von Wasserstoff ist – zumindest in Deutschland – noch Zukunftsmusik. Zudem würde sich dann noch die Frage stellen, ob es sich um grauen, blauen, türkisen oder grünen Wasserstoff handelt. Zur Information: Nur der aus regenerativen Energiequellen erzeugte „grüne“ Wasserstoff ist wirklich klimaneutral.

Hierzulande stellt etwa thyssenkrupp bereits Stahl mit grünem Wasserstoff her. Das Ziel lautet, bis 2045 die gesamte Stahlproduktion bei thyssenkrupp Steel klimaneutral zu machen. Insgesamt gibt es in Deutschland momentan bereits 40 Anlagen zur Erzeugung von grünem Wasserstoff (sog. Elektrolyseure). Was noch wenig ist vor dem Hintergrund, dass Deutschland im Jahr 2020 mit der Nationalen Wasserstoffstrategie die Parole ausgegeben hat, weltweit die Nr. 1 beim Thema Wasserstoff sein zu wollen.

Mit der ersten Produktionsanlage der Welt, die mit Grünem Wasserstoff betrieben wird, setzt die Iris Ceramica Group neue Maßstäbe für die Herstellung von Fliesen. Foto: Iris Ceramica Group

Strom kommt von den Photovoltaik-Anlagen

In der Fliesenwelt allerdings gibt es weltweit mit der in Italien ansässigen Iris Ceramica-Gruppe erst ein einziges Unternehmen, welches mit eigenem Elektrolyseur und einem Reservoir für den vor Ort produzierten Wasserstoff aus erneuerbaren Energien keramische Fliesen brennt. Der Strom hierfür kommt von den Photovoltaik-Anlagen auf den Fabrikdächern und wird – ebenfalls ausschließlich grüner Strom – zugekauft. Derzeit setzt die Iris-Gruppe in der Produktion zusätzlich noch Naturgas ein, langfristig indes soll die Anlage zu 100 Prozent mit Wasserstoff betrieben werden.

Zudem signalisierte nun mit der Atlas Concorde-Gruppe ein weiteres Branchen-Schwergewicht, bei seiner aktuell anstehenden Werkserweiterung ebenfalls eine grüne Wasserstoff-Fabrikation aufbauen zu wollen.

Der deutschen Industrie, die von mindestens noch fünf bis zehn Jahren Vorlaufzeit spricht, sei zu dem Thema die Broschüre „Effiziente Nutzung von Wasserstoff in der Glas-, Keramik-, Papier- und NE-Metallindustrie“ der Bundesregierung empfohlen. Denn Nachhaltigkeitsargumente werden künftig nicht länger nur Marketingaussagen sein können, sondern über wirtschaftlichen Erfolg entscheiden.

Unsere Leser können sich mit allen anderen angebotenen Antwortmöglichkeiten zur nachhaltigen Ausrichtung nicht wirklich anfreunden – am ehesten noch (22 %) mit der nachhaltigen Gestaltung globaler Lieferketten. Den CO2-Fußabdruck in der Produktion minimieren oder Produkte für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft entwickeln wollen gar nur 11 %. Und Umweltlabels, andere Zertifikate sowie Nachhaltigkeitsberichte möchte gleich niemand einsetzen.

Demgegenüber steht ein zunehmend undurchschaubarer Dschungel aus Umweltkennzeichen, die allerdings wirklich dazu führen, dass die entsprechend zertifizierten Produkte von Herstellern, Händlern und Verbrauchern bevorzugt gekauft werden. Weniger sollte hier auch bei Fliesen, Sanitär, bauchemischen Produkten, Werkzeug und Zubehör mehr sein: Für die einzelnen Produkte dürfte schon bald entscheidend werden, dass sie über eine EPD (Environmental Product Declaration) verfügen. Hersteller, die eine durchgängige und konsequente Kreislaufwirtschaft nachweisen wollen, sind darüber hinaus gut beraten, ihr Sortiment Cradle to Cradle zertifizieren zu lassen.

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