Peter Wilson. Foto: Steuler

Kunden werden von den erzielten Synergien profitieren

Interview mit Peter Wilson, Geschäftsführer der Steuler Fliesengruppe, zur Neustrukturierung

Der bereits Mitte 2019 angestoßene Transformationsprozess der Steuler Fliesengruppe soll nun mit einer gesellschaftsrechtlichen Neuordnung im laufenden Jahr voraussichtlich im dritten Quartal zum Abschluss gebracht werden. Eine Umstrukturierung und Neuaufstellung war notwendig geworden, um das Geschäft wieder wirtschaftlich nachhaltig betreiben zu können. Wir unterhielten uns mit dem Chef der Fliesensparte, Peter Wilson, über die Hintergründe.

Herr Wilson: Nach Team Steuler ist das die zweite Umstrukturierung des Unternehmens in relativ kurzer Zeit. Können Sie verstehen, wenn Marktteilnehmer darauf mit Verunsicherung reagieren?

Peter Wilson: Die Frage überrascht mich jetzt. Wir haben von Anfang an eine sehr offene Kommunikation mit den Kunden bezüglich anstehenden Veränderungen betrieben und im Vorfeld mit mehreren Schlüsselkunden Gespräche geführt. Für uns war es immer wichtig, dass unsere Kunden verstehen, was wir vorhaben und was wir ändern und erzielen wollten. Bei solchen strategischen Entscheidungen ist es immer möglich, dass der Partner diese als nachteilig für sich sieht, aber von Verunsicherung kann keine Rede sein. Durchgehend, kann ich sagen, dass wir auf Verständnis gestoßen sind und gerade mit der Anpassung der Formalorganisation, was kaum Wirkungen bei den Kunden nach sich zieht, wurde diese als logische Konsequenz der vorangetriebenen Veränderungen gesehen.

Wir haben von Anfang an eine sehr offene Kommunikation mit den Kunden bezüglich anstehenden Veränderungen betrieben…

Vor vier Jahren wurden die Vertriebe für die Marken Steuler und Kerateam im Team Steuler vereint und somit haben wir einen Prozess gestartet, der mit einer Verschlankung unserer gesellschaftsrechtlichen Aufstellung endet. Im vergangenen Jahr folgten Grohn und Nordceram den anderen Marken. Die Vorbereitungen hierfür wurden in 2019 getroffen. Durch die gute Leistung der Vertriebsmannschaft Team Steuler, gerade im Corona-Jahr 2020, fühlen wir uns mit der Maßnahme bestätigt. Auch die Anpassung der Exportvertriebsstruktur in 2020 mit Länderverantwortung und nicht mehr einer Markenzuordnung, hat uns geholfen, klare länderspezifische Strategien umzusetzen und trotz der schwierigen Marktlage im Vorjahr im Export haben wir unsere Umsätze weitestgehend stabil halten können. Bei einigen Fokusländern haben wir sogar eine Umsatzsteigerung realisieren können. Insgesamt sehen wir, dass unsere Kunden von den hierdurch erzielten Synergien profitieren.

Eine kleine Anmerkung hierzu: die Steuler Fliesengruppe hat in 2020 den Umsatz des Vorjahres übertroffen, obwohl die Marktlage schwierig war und nicht zu vergessen, dass wir durch die Schließung eines Produktionsbereiches (Wandfliesenfertigung) in 2019 rechnerisch weniger Produktionskapazitäten hatten. Durch Leistungssteigerungen in den Werken und einen attraktiveren Produktmix ist uns dieses Ergebnis gelungen.

Die Steuler Fliesengruppe hat in 2020 den Umsatz des Vorjahres übertroffen, obwohl die Marktlage schwierig war…

Warum wurde gerade die Norddeutsche Steingut als Marke für die neue Bündelung ausgesucht und nicht Steuler selber?

Sehr richtig, Herr Schanze, Steuler sollte im Namen auftauchen. Der Punkt ist, wir haben eine AG in der Firmengruppe und planen in derjenigen Gesellschaft das Geschäft der Steuler Fliesengruppe zu bündeln, die diese Rechtsform hat. Im Zuge dieser Bündelung wollen wir dann den Namen dieser Gesellschaft ändern, voraussichtlich in Steuler Fliesengruppe AG. Die Norddeutsche Steingut ist keine Marke, die wir derzeit am Markt verwenden. Mit der Einbindung von Steuler in den zukünftigen Namen der AG unterstreicht Steuler das Bekenntnis zur Fliesensparte insgesamt, aber auch als Hauptaktionär der Norddeutsche Steingut AG bzw. werdender Steuler Fliesengruppe AG.

Mit der Einbindung von Steuler in den zukünftigen Namen der AG unterstreicht Steuler das Bekenntnis zur Fliesensparte insgesamt.

Sie sprechen in Ihrer aktuellen Presseinformation zu diesem Thema von einer „Reduzierung der Unternehmensanzahl“. Können Sie das bitte etwas genauer erläutern? Welche Unternehmen fallen weg?

In den vergangenen 150 Jahren gab es viele Neugründungen und Betriebsübernahmen, z.B. vor langer Zeit eine Bremer Wandplatten GmbH. Wir arbeiten seit langer Zeit daran, Prozesse zu vereinfachen. Ordnung in der gesellschaftsrechtlichen Struktur zu schaffen, ist ein weiterer wichtiger Meilenstein. In Zukunft wird es vier Unternehmen geben. Das ist die Steuler Fliesengruppe AG, in der der Großteil der Verwaltung und der gesamte Vertrieb vereint ist und jeweils eine GmbH für die drei Produktionsstandorte in Bremerhaven, Leisnig und Mühlacker. All dies führt zu einer Vereinfachung unserer Strukturen und, was für uns sehr wichtig ist, zu deutlich mehr Transparenz.

Nur als Beispiel hierzu: Heute werden Intercompany-Verrechnungen vorgenommen, um die Umsatzleistung der Gesellschaften zuordnen zu können. Dahinter stehen komplexe Verrechnungsmodelle, die durch die Anpassung der Gesamtorganisation viel einfacher sein werden. Somit sehen Sie, dass die Wirkung dieser Veränderung mehr nach innen als nach außen gerichtet ist.

Werden alle bisherigen Fliesenmarken erhalten bleiben?

Marken sind ohnehin völlig unabhängig von den Firmen, die sie besitzen. Derzeit fühlen wir uns mit unseren vier Marken Steuler Design, Grohn, Kerateam und Nordceram am Markt gut aufgestellt. Unsere Marken dienen zum einen, um Produkte zu positionieren und zum anderen, um Vertriebsstrategien zu definieren. Wir halten diese Vorgehensweise weiterhin als wichtig.

Derzeit fühlen wir uns mit unseren vier Marken am Markt gut aufgestellt.

Welche Umstellung wird es konkret beim Kunden geben?

Die in den letzten Jahren durchgeführten Anpassungen unserer Vertriebsstrategie hatten den Fokus auf einer Steigerung der Intensivität der Kundenbetreuung und der Marktpräsenz. Bei diesem letzten Schritt handelt es sich primär um Formalitäten. Die Rechnungsstellung wird zukünftig durch die Steuler Fliesengruppe AG durchgeführt. Die Vertriebseinheiten werden zukünftig als Profit-Centers geführt und wir gehen davon aus, dass sich hierdurch kaum eine Änderung bei den Kunden bemerkbar machen wird.

Wir gehen davon aus, dass sich hierdurch kaum eine Änderung bei den Kunden bemerkbar machen wird.

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