Jubiläums-Cevisama: Licht und Schatten

Hausmessen und Marktkrise machen der spanischen Fachmesse zu schaffen

Die Cevisama 2024 war in vielerlei Hinsicht eine besondere Messe. Insbesondere, da die spanische Fliesenfachmesse in diesem Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum feierte. Dennoch war man in Valencia nicht überall in Feierlaune. Dies lag nicht nur an den schlechten Marktzahlen, die der spanische Hersteller-Verband ASCER auf der Messe präsentierte, sondern auch an den zeitgleichen Hausmessen einiger Unternehmen.

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Damit, dass die Marktzahlen nicht besonders rosig ausfallen würden, hatte man in der Branche bereits gerechnet. Der deutsche Markt befindet sich gefühlt im Dörnröschen-Schlaf und auch die Zahlen der italienischen Konkurrenz waren tiefrot. Von der schlechten Gesamtsituation blieben somit auch die Spanier in 2023 nicht verschont. Der Gesamtumsatz sank auf 4,8 Mrd. Euro (-14,3%). Der Export betrug 3,5 Mrd. Euro (- 16,6 %), die Produktion sank auf 394 Mio. qm (-21,2%). Auch für das laufende Jahr rechnet der Verband mit keiner spürbaren Verbesserung.

Die Charts mit den Umsatzzahlen auf der Pressekonferenz der ASCER.

Deutschland auf Rang 5

Vicente Nomdedeu Lluesma
Vicente Nomdedeu Lluesma

Den Spaniern geht es damit in der Krise dennoch vergleichsweise gut, weil sie über ihren traditionell sehr hohen Exportanteil die Unsicherheiten der internationalen Märkte ein wenig abfedern können. Allerdings haben alle Märkte außer den USA nach Auskunft von ASCER Präsident Vicente Nomdedeu Lluesma Rückgänge in 2023 hinnehmen müssen.

Die spanische Exportstatistik wird nach wir vor von den USA angeführt mit einem Umsatz von 456 Mio. Euro, es folgen auf Platz 2 Frankreich mit 455 Mio. Euro, dann Großbritannien mit 208 Mio. Euro auf Rang 4, gefolgt von Italien mit 184 Mio. Euro. Erst dann taucht der deutsche Markt auf Rang 5 auf mit einem Umsatzvolumen von 140,6 Mio. Euro. Insgesamt bleibt der europäische Markt für die Spanier die wichtigste Absatzregion mit einem Exportanteil von 53,2 % , inklusive Heimmarkt sind es sogar 57 %. Nord-Amerika kommt auf 15,4 %, dann Asien mit 14,5 %.

Indien und China führend

Lluesma verwies angesichts der Minuszahlen vor allem auf die immer stärker werdende Konkurrenz aus Drittländern, allen voran Indien und China, die Spanien inzwischen als stärkstes Herstellerland überholt haben. Wenn man sich zudem vor Augen führt, das insgesamt nur 8,5 % der gesamten Fliesen-Produktion weltweit aus Europa stammt, lässt sich erahnen, wie übermächtig die weltweite Konkurrenz ist.

Großformate mit Naturstein-Imitationen bleiben ein spannendes Thema.

Das dabei nicht immer mit gleichen Vorraussetzungen agiert wird ist logisch. In Sachen Umweltschutz und Arbeitsbedingungen hinken die Chinesen und Inder weit hinter den Europäern her und erwirtschaften sich damit einen nicht zu kompensierenden Wettbewerbsvorteil, den die Europäer nur mit hohen Strafzöllen begegnen können, um auf Augenhöhe zu bleiben.

Die Spanier wollen den zukünftigen Herausforderungen vor allem mit noch mehr Anstrengungen in den Bereichen Werbung, Marketing, Innovationen und Ausbildung begegnen. Ob sich damit die Wettbewerber aus Fernost langfrisitg in Schach halten lassen, wird die Zukunft zeigen.

Hausmessen werden zum Problem

Doch den Ausstellern auf der Cevisama trieb nicht nur die schlechte Marktsituation die Sorgenfalten auf die Stirn. Auch die Cevisama selbst hat mit Problemen aus den eigenen Reihen zu kämpfen. Gemeint sind dabei die wachsende Zahl von Hausmessen bzw. Neuheiten-Präsentationen, die zeitgleich zur Messe in Valencia stattfinden. So versuchen u.a. die Hersteller Porcelanosa, Pamesa, Argenta, Rocersa, Cifre, Azuvi und Grespania die ausländischen Messegäste mit Shuttlediensten in die Werksausstellungen nach Castellón zu locken. Das sind zwar nur einige wenige Unternehmen, aber eben auch entscheidende Markt-Player.

Nach Castellon sind es hin und zurück mindestens zwei Stunden Fahrzeit. Dort gibt es dann nicht nur eine Neuheiten-Show, sondern auch ein reich gedecktes Buffet. Vorteile für die Hersteller: Sie sparen im Vergleich zu einer klassischen Messe eine Menge Geld und haben die Händler meistens gleich mehrere Stunden exklusiv für sich.

Die AG Fliese traf sich auch in diesem Jahr wieder zu Gesprächen mit dem spanischen Herstellerverband ASCER auf der Cevisama. Hier BDB Geschäftsführer Michael Hölker (lks). mit David Portales vom Spanischen Generalkonsulat in Düsseldorf (mitte) und Reinhard Fenski von der AG Fliese.

Für die Besucher ist das jedoch stressig. Neben der langen Autofahrt schafft man nach dem Werksbesuch kaum noch weitere Besuche auf der Messe. Die Händler können somit einige wenige Firmen besuchen – oder sagen ihren Besuch in Valencia zur Messe gleich ganz ab. Das wiederum bekommen die Aussteller zu spüren, die noch mit eigenen Ständen auf der Cevisama auf Besucher warten. Sie überlegen dann ihrerseits, ob eine Messeteilnahme für sie im kommenden Jahr überhaupt noch sinnvoll ist. Eine fatale Kettenreaktion, die der Anfang vom Ende einer Messe werden kann.

Massive Kritik

Bei unseren Gesprächen mit zahlreichen Besuchern und auch Ausstellern (siehe unsere Video-Interviews auf facebook und Linkedin) wurde an der Praxis der Hausmessen massiv Kritik geäußert. Auf unsere Nachfrage auf der Pressekonferenz des Verbandes gab es dazu jedoch nur ausweichende Antworten. Man wolle den Unternehmen nicht vorschreiben, was sie zu tun oder zu lassen haben und jeder müsse für sich entscheiden, was für ihn die richtige Strategie sei, hieß es dazu.

Durchgefärbte Scherben sahen wir an mehreren Messeständen.

Übrigens ist das Thema Hausmessen contra Fachmesse ein Problem, dass die Cevisama nicht alleine hat. Auch die italienische Fachmesse Cersaie hat seit einigen Jahren mit ähnlichen Abwanderungsgedanken ihrer Aussteller zu kämpfen. Der Trend zu den Hausmessen bzw. Neuheitenpräsentationen kommt nicht ohne Grund: Nach Corona überdenken immer mehr Produzenten angesichts rückläufiger Erlöse ihre Marketing- und Messeaktivitäten.

Die teuren Messen stehen dabei auf den Streichlisten ganz oben, denn hier lässt sich massiv Geld sparen. Aber vielleicht müssen sich die Cersaie und Cevisama auch einmal an die eigenen Nasen fassen, ob für die europäische Fliesenbranche überhaupt zwei jährliche Fachmessen notwendig sind und ob man nicht doch eventuell im jährlichen Wechsel agieren könnte. Bei einem Produkt mit einem Lebenszyklus von rund 10 Jahren sind zwei jährliche Neuheitenshows sicherlich nicht notwendig.

Auf der Cevisama entdeckt man jedes Jahr immer wieder schöne Keramik-Innovationen mit tollen Designs.

Interessante Neuheiten-Show

Dennoch ist und bleibt die Cevisama eine interessante Neuheiten-Show, die immer wieder keramische Leckerbissen zu bieten hat. Vor allem in Sachen Glasurtechnik sind die Spanier inzwischen das Maß der Dinge. Haptische Dekorationen und Designs, bei denen selektiv nur einzelne Linien oder Dekorelemente mit Glasuren überdeckt werden, zeugen von der filigranen Technik, die es in diesem Bereich inzwischen gibt. Darüber hinaus entdeckten wir interessante Innovationen mit durchgefärbten Scherben. Des weiteren erlebt das Thema Terracotta eine Renaissance – wenn auch modern mit Feinsteinzeug umgesetzt.

Blau und Grün sind zwei Trendfarben des Jahres.

Die spanischen Trendforscherinnen, die auf der Pressekonferenz seit einigen Jahren ihre Erkenntnisse mit den Journalisten teilen, sehen aktuell vier große Trends:

– Natur (warme Töne, Terracotta-Imitationen, Holz)
– Grafik (klare Strukturen, zurückhaltende Farben, Sand und Zementtöne, einfache Reliefs)
– Klassik (Designs und Formate mit kulturellen Anleihen, Spiel mit Glasureffekten, kleine Formate)
– Luxus (Marmordesigns, großformatige Steinlösungen, Materialmischungen, kalte Farben wie Blau, Spiegel-Effekte).

Videofilm mit Produkt-Impressionen von der Cevisama 2024:

Ob Spiegel-Effekte oder Terracotta-Imitationen: Wir werden über die einzelnen Neuheiten der verschiedenen Hersteller noch in den kommenden Tagen ausführlicher berichten. Außerdem informieren unsere akutellen Video-Interviews von der Messe auf facebook und Linkedin ebenfalls schon über die Innovationen der Unternehmen.

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