Italienische Fliesenproduktion startet wieder ab 4. Mai

Vier Phasen für die Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Aktivitäten in Italien

Mit Vorbehalt hat die italienische Regierung am 23.4.2020 die Katze aus dem Sack gelassen, wie die Phase des Zusammenlebens mit dem Coronavirus in Italien beginnen wird.

Ausstieg in 4 Abschnitten

Der Ausstieg aus dem langen Lockdown wird in vier aufeinanderfolgenden Wochen nach Kathegorie gestaffelt und gilt  für ganz Italien. Das wird sich positiv auf die angespannte Situation in der Logistik auswirken.

Als erste die Maschinenbauer, dann verarbeitende Industrie und Bau

Der Startschuss fällt zunächst am 27. April für den Maschinenbau. Die verarbeitende Industrie und damit auch die Keramikhersteller können nach aktuellem Stand ab dem 4. Mai ihre Produktion wieder aufnehmen, gleichzeitig laufen auch die Baustellen wieder an.

Wenn alles gut läuft, darf der italienische Einzelhandel ab dem 11. Mai die Pforten wieder öffnen.
Eine Woche später, also ab dem 18. Mai, könnte es für Gastronomiebetriebe,  Friseure und alle anderen soweit sein, zu einem – wenn gleich veränderten – Alltag zurückzukehren.

Ablauf ist abhängig von Entwicklung der Ansteckungskurve

Dieser Terminplan ist abhängig davon, wie sich die Ansteckungszahlen der Corona-Epidemie bei der schrittweisen Öffnung entwickeln. Es geht, wie die italienische Regierung mehrfach betont hat, immer darum, ein Gleichgewicht zu finden zwischen der Sicherheit der Arbeitenden und der Notwendigkeit, die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.

Arbeitgeberverband drängt auf schnelles Hochfahren der Produktion

Die Keramikindustrie hatte bereits am 14. März mit den Gewerkschaften ein nationales Protokoll unterzeichnet, In dem die entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen in den Werken festgelegt werden. (Siehe dazu auf 1200GRAD https://www.1200grad.com/italien-wann-und-wie-kommt-die-phase-2-nach-dem-lockdown ).

Die Hersteller stehen also bereits seit Wochen in den Startlöchern. Der Unternehmerverband Confindustria Ceramica hatte an die Regierung appelliert, die extrem personalarme Produktion von Fliesen bereits vor dem 4. Mai wieder freizugeben. Noch am 22. April hatte es so ausgesehen, als könnte ein Start für alle exportorientierten Branchen, also im Grunde die komplette verarbeitende Industrie Italiens, bereits am 27. April erfolgen. In diesem Fall hätte auch die Keramikproduktion wieder starten können. Nach aktuellem Informationsstand scheint dies jedoch nicht der Fall zu sein.

Regierung geht auf Nummer sicher

Die Regierung warnt vor einer zu schnellen Öffnung nach dem Lockdown und befürchtet, dass die Epidemie dann wieder Fahrt aufnehmen könnte.

Nach Medienberichten scheinen zur Zeit erst circa 3 % der italienischen Bevölkerung mit dem Virus infiziert worden zu sein. Dabei gibt es große regionale Unterschiede. In der am stärksten betroffenen Region Lombardei, also in der Gegend um Mailand, sind es bereits 10 %, in der Emilia Romania, Herz der Keramikproduktion, 5,5 %. Die südliche Region Kampagnen um Neapel kommt im Moment mit 0,2 % davon.
Nach zwei Monaten Corona Ausnahmezustand scheint sich insgesamt eine langsame Verbesserung der Situation abzuzeichnen:

Am 23. April überstieg die Zahl der Genesenen erstmalig die der Infizierten. Seit zwei Wochen ist die Kurve der Neuansteckungen flacher, Neuaufnahmen im Krankenhaus und der Bedarf an Intensivtherapie nehmen ab (von 9463 am 13.4.2020 ist diese Zahl auf 8.840 gesunken). Trotzdem bleibt die Situation kritisch.

Ampelfunktion R0-Index

Wie es weitergeht und ob der angedachte Fahrplan auch tatsächlich eingehalten werden kann, hängt vom Index R0 ab: Diese sogenannte Basisreproduktionszahl bildet die Anzahl der Zweitinfektion ab, also die Anzahl der Ansteckungen, die von einer infizierten Person ausgehen. Das Robert-Koch-Institut schreibt dazu: „Dieser Wert kann so interpretiert werden, dass bei einem R0 von etwa 3 ungefähr Zweidrittel aller Übertragungen verhindert werden müssen, um die Epidemie unter Kontrolle zu bringen.“

Ziel aller Maßnahmen ist daher, einen Wert unter 1 und so weit wie möglich gegen Null zu erreichen.
Aktuell bewegt sich dieser Wert in Italien zwischen 0,5 und 0,7, nachdem er einen Höchstwert von 3 erreicht hatte. In Deutschland bewegt er sich zur Zeit auf einem Niveau  knapp unter 1, das Robert-Koch-Institut meldet 0,9 Stand  9.4.2020.

Am 4.5.2020 werden schätzungsweise 4,5 Millionen Erwerbstätige  wieder in Italien unterwegs sein. Das stellt auch die Neuorganisation der Verkehrsmittel auf die Probe. Die Mailänder U-Bahn transportiert normalerweise 1,5 Millionen Menschen am Tag. Für die Phase 2 nach dem Lockdown ist eine maximale Kapazität von 400.000 Personen am Tag vorgesehen. Alternativen wie Fahrradwege sollen zwar auf den Weg gebracht werden, aber das dürfte wohl noch etwas dauern.

Der lange Weg zurück zur Normalität beginnt aller Vorraussicht nach nicht nur mit einem Verkehrsproblem. Schulen und Universitäten bleiben weiterhin geschlossen, viele Fragen sind ungelöst. Eine davon ist: Werden Cersaie und Marmomac stattfinden und in welcher Form?

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