Eurobaustoff verbessert Einkaufsvolumen im zweistelligen Bereich

Corona sorgt für sensationelles 1. Halbjahr - Fliesen Plus 20,5%

Die Eurobaustoff hatte aktuell zur Halbjahres-Pressekonferenz nach Bad Nauheim eingeladen. Das war sowohl für die Fachpresse als auch für die Geschäftsleitung der Eurobaustoff ein besonderer Termin. Für die Presse, weil die Veranstaltung nach dem Shutdown einer der ersten Pressekonferenzen in der Branche überhaupt war, für die Eurobaustoff weil es auf ein in vielerlei Hinsicht ungewöhnliches erstes Halbjahr 2020 zurückzublicken galt.

Unser Video zu diesem Thema (Interview mit Dr. Kern):

Dr. Eckard Kern, Vorsitzender der Geschäftsführung, gab in seinem Eingangsstatement einen Einblick darüber, wie die Corona Krise auch in der Eurobaustoff Zentrale anfangs für viel Kopfzerbrechen und schlaflose Nächte gesorgt hat. Was dann jedoch in den folgenden Wochen passierte war für alle unerwartet.

Es folgt ein regelrechter „Run auf die Ware“. Statt in den Urlaub zu fliegen verlegten sich viele Bundesbürger auf das Renovieren. Aus Langweile, oder /und weil Geld da war. Und die Baumärkte waren eine der wenigen Einzelhandelsbranchen, die neben dem Lebensmittelhandel überhaupt geöffnet hatten. „Mit einem Plus von 11,6 % gegenüber dem vergleichbaren Zeitraum 2019 haben wir ein hervorragendes Ergebnis für die ersten sechs Monate erreicht“, betont Dr. Eckard Kern. Der Juni 2020 war sogar der stärkste Monat überhaupt, den die Eurobaustoff jemals erlebt hat, so Geschäftsführer Jörg Hoffmann, verantwortlich für den Bereich Finanzen.

Endlich wieder Pressekonferenz! Der Eurobaustoff Pressetermin war auch für die Journalisten einer der ersten Veranstaltungen nach dem Corona-Shutdown.

Keine seriöse Prognose für die kommenden Monate

Dass das nicht endlos so weitergehen wird, ist allen Beteiligten klar. „Wir können nicht abschätzen, wie das Ergebnis am 31. Dezember aussehen wird. Eine Pandemie hat keine Regeln, ist nicht berechenbar und lässt folglich auch keine seriöse Prognose zu“, relativiert Dr. Eckard Kern das Einkaufsvolumen von 3,63 Mrd. EUR, das die 453 Gesellschafter an ihren 1.585 Standorten in den ersten sechs Monaten in Bad Nauheim abgerufen haben.

„Wichtig ist uns, dass wir ein gutes Polster aufgebaut haben, das uns beruhigt bis zum Jahresende blicken lässt. Das heißt nicht, dass wir uns auf dem Polster ausruhen wollen. Vielmehr werden wir dafür arbeiten, unsere gute Ausgangslage zu halten.“ Dennoch will man in Bad Nauheim lieber vorsichtig planen und mit den Zahlen von 2019 in die Planung für 2021 einsteigen.

„Dieses Plus ist das Ergebnis hervorragender Vertriebsarbeit in unseren Gesellschafterhäusern. Und das bedeutet nicht nur Auftragszettel schreiben, sondern auch für genügend Manpower im Lager und Fuhrpark zu sorgen. Dafür ein Dankeschön an die Gesellschafter und ihre Mitarbeiter, die in diesen Monaten unter außergewöhnlichen Bedingungen mehr Leistungen erbracht haben,“ so Dr. Kern weiter. Er betonte, dass bei allem wirtschaftlichem Erfolg die Arbeitsbelastung für alle Beteiligten im ersten Halbjahr enorm gewesen sei.

Veränderungen in der Branche erst in ein bis zwei Jahren

Dass das Jahr 2020 so überaus erfolgreich verlief, hat viele Gründe. Obenan steht die allgemeine Baukonjunktur. Mangelnder Wohnraum in ganz Deutschland lässt einen Konjunktureinbruch kaum zu. Und durch die Dauer der Bauphasen werden Veränderungen in der Branche erst ein bis zwei Jahre nach dem zu erwartenden Konjunktureinbruch am Bau sichtbar. „Ob und wie tiefgreifend dieser Einbruch werden wird, sehen wir frühestens zum Jahreswechsel.“

Deutschlands Baubranche ist gegenüber vielen anderen europäischen Ländern weiterhin in einer sehr glücklichen Lage. „Aktuell wird der Wohnungsbau bei uns nicht von der COVID-19-Pandemie beeinflusst“, bestätigt Dr. Eckard Kern. „Ein- und Zweifamilienhäuser werden weiter auf hohem Niveau gebaut. Und auch im Mehrfamilienhausbau ist noch kein Kurswechsel erkennbar. Dafür setzt das Thema Renovieren und Modernisieren neue, zusätzliche Impulse im Markt. Wer nicht in Urlaub fahren kann bzw. will, legt das Geld in den eigenen vier Wänden an.“

Gute Partnerschaft zwischen und Industrie und Handel

Auch wies die Eurobaustoff Geschäftsleitung auf der Pressekonferenz noch einmal darauf hin, wie wichtig in der Krise ein gutes Zusammenspiel in der Branche gewesen sei. „Direkt nach dem Shutdown“, so Geschäftsführer Jörg Hoffmann, „haben wir unseren Partnern aus der Industrie und dem Handwerk signalisiert, dass die Kooperation zu ihren Vereinbarungen und Verpflichtungen auch in schlechten Zeiten steht.“

Dieses Statement wurde von den Partnern sehr positiv aufgenommen, beruhigte und sicherte die Verhältnisse. Damit ging Eurobaustoff einen anderen Weg als manch internationaler oder nationaler Konzern, als mancher Filialist oder manche Verbundgruppe. „Zahlungsziele in der Krise zu verändern war bei der Eurobaustoff kein Thema. Wir waren in einer wirtschaftlichen guten Situation,“, so Dr. Kern.

Situation in Schweiz und Österreich schwieriger

Etwas schwieriger als in Deutschland stellte sich die Situation in Österreich und der Schweiz dar. „Hier kam es zeit- und teilweise zu Baustellen-Schließungen, Baufachhandlungen konnten nur unter Auflagen weiterarbeiten“, begründet Hartmut Möller, Geschäftsführer sowohl für den Geschäftsbereich Einkauf als auch für die Ländergesellschaften in Österreich und der Schweiz

„Das hat sich im Umsatz natürlich niedergeschlagen. Hoffnung für die nächsten Monate macht in Österreich ein relativ hohes Auftragspolster mit einer geografischen Komponente. Je weiter wir in den Westen gehen, umso besser ist die Marktentwicklung.“

Wiederum anders sieht es in der Schweiz aus. Hartmut Möller dazu: „Sicherlich kämpft die Branche auch hier um die Stabilisierung ihrer Konjunktur. Hier gibt es aber weniger Unterschiede in den einzelnen Regionen, vielmehr in den Sparten. Hart hat es den Wirtschaftsbau getroffen, wo eine längere Rezession zu erwarten ist. Ein Lichtblick dagegen ist der Tiefbau mit hohen Auftragsbeständen. Damit lassen sich Umsatzeinbrüche in anderen Sparten abfedern.“

Die weitere Entwicklung in Österreich und der Schweiz sieht nicht ganz so erfreulich aus wie in Deutschland. Auch wenn das zweite Halbjahr sicherlich wesentlich besser läuft, machen sich die Baustellen-Schließungen aus den Monaten März und April stark bemerkbar. „Dieser Effekt wird nur sehr schwer bis zum Jahresende auszugleichen sein“, prognostiziert Hartmut Möller. „Stark betroffen ist der Wirtschaftsbau, der weiterhin das Ergebnis drücken wird. Deshalb rechnen Branchenverbände für 2020 mit einem prozentualen Rückgang der Bauleistung im mittleren einstelligen Bereich.“

Die Eurobaustoff Geschäftsführung gab den Journalisten einen umfassenen Einblick in die Entwicklungen des ersten Halbjahres 2020.

Einzelhandel plus 15,4 %, Fliesen plus 20,5%

Nach wie vor befinden sich die Einzelhandelsumsätze auf einem deutlich positiven Niveau. Insbesondere die Sortimente, die zur Verschönerung des Eigenheimes dienen, werden außergewöhnlich viel nachgefragt. Dazu zählen beispielsweise Farben, Holz im Garten und alle weiteren Gartensortimente. Im Fokus der Kunden stehen außerdem coronabedingt Produkte zum Infektionsschutz wie Masken oder Desinfektionsmittel.

Der Juni stand unter einem besonderen Stern: Mehrwertsteuersatz-Senkung. Mit hohem Aufwand musste in einem relativ kurzen Zeitraum über das gesamte Sortiment Preis- und Artikelpflege betrieben werden. Rechtzeitig zum 1. Juli waren alle Arbeiten erledigt. Die Steuersenkung wurde 1:1 an die Kunden weitergegeben.

Auswirkungen des Shutdowns werden im Einzelhandel in der Dienstleistung wahrgenommen. Planungs- und Beratungsleistungen der Kooperation werden noch verhalten abgerufen. Das Niveau früher Zeit hat dieser Kooperationsservice noch nicht wieder.

Das Marktvolumen im Bereich Fliesen zeigt sich in Deutschland trotz Corona-Krise auf einem stabilen und hohen Niveau, während sich in Österreich und der Schweiz aufgrund temporärer Betriebsschließungen der Markt noch unter den Vorjahreswerten entwickelt. Je nach Beschaffungsmarkt ist die Liefersituation sehr unterschiedlich ausgeprägt. Teilweise werden sogar Produktionen gedrosselt. Da es aber in der D/A/CH-Region generell Überkapazitäten in der Produktion gibt, führt der Mengendruck zu einem entsprechenden Preisverfall.

Keine BAU, kein Forum, keine Gesellschafterversammlung

Bei aller Euphorie angesichts der aktuellen Zahlen hat die Corona-Krise jedoch auch für einige negative Schlagzeilen gesorgt, von der auch die Eurobaustoff nicht verschont blieb. So musst die eigene Hausmesse Eurobaustoff-Forum dieses Jahr abgesagt werden, ebenso die Gesellschafterversammlung. Und vor einigen Tagen zog die Kooperation darüber hinaus ihre Zusage zur Messe BAU 2021 in München zurück (wir berichteten hier).

„Wir glauben immer noch, dass die BAU in 2021 wohl leider nicht staffinden wird. Wir bedauern diese Absage, denn wir sind weiterhin der Meinung, das persönliche Kontakte durch nichts zu ersetzen sind,“ so Dr. Kern.

Besonders schmerzhaft hat die Eurobaustoff die Absage ihres Forums getroffen. 2021 soll die Veranstaltung wieder wie geplant stattfinden. „Wir können und wollten darauf nicht verzichten. Auch digitale Alternativen sind für das Forum kein Ersatz,“ so Dr. Kern. Und wenn eine neue Corona-Welle einen Strich durch dies Rechnung macht? „Dann haben wir ein echtes Problem,“ so Dr. Kern.

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