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Ein Muster-Unternehmer aus dem Alu-Valley

Zu Besuch bei alfer aluminium, der Mutter des Profilherstellers alferpro

Vor rund drei Jahren tauchte mit alferpro eine völlig neue Marke für Fliesenprofile auf dem Markt auf, die sich innerhalb kürzester Zeit beim Handel und bei den Verarbeitern etablieren konnte. Woher kam dieser Newcomer, der den Markt gleich vom Start weg mit einem ebenso breiten wie tiefen und qualitativ anspruchsvollen Sortiment überzeugen konnte?

Wer eine Antwort auf diese Frage sucht muss dafür in den südlichsten Zipfel Deutschlands reisen. Genauer gesagt in den kleinen Ort Wutöschingen nahe der Schweizer Grenze. Hier hat die Firma alfer aluminium seit Jahrzehnten ihren Firmensitz. Das ist kein Zufall, denn die süddeutsche Region ist der größte zusammenhängende Wirtschaftsraum für die Herstellung und Verarbeitung von Aluminium in Europa, was ihr den Namen „aluvalley“ einbrachte. Bereits seit den Siebziger Jahren hat sich alfer aluminium als Profilhersteller in der Baumarkt- bzw. DIY-Szene einen Namen gemacht und wagte schließlich mit alferpro den Schritt in den Fachhandel.

Eine Erweiterung der Vertriebwege Richtung Profi hat alfer aluminium erst sehr spät ins Auge gefasst, dafür aber umso konsequenter. Mit Christian Grünendahl holte sich das Unternehmen einen langjährigen Brancheninsider als Verkaufsleiter für alferpro an Bord, der den Markt bestens kennt. Darüber hinaus setzte man auf eine strikte Trennung der beiden Marken. Grünendahl spricht von einer „Firma in der Firma“ und der Tatsache, dass seine Profikunden schließlich ganze andere Wünsche und Ansprüche hätten als die Baumärkte von alfer aluminium. Das dokumentiert man nicht nur mit zwei völlig eigenständigen Sortimenten, sondern ebenso im Marketing. Während alfer aluminium im dezenten Blau daher kommt, setzte alferpro auf ein schrilles Magenta als Firmenfarbe. Auffallen war schließlich auf jeden Fall erwünscht. Eigene EAN-Codes und Artikelbezeichnungen sowie ein getrennter Vertrieb setzen die scharfe Trennung der beiden Marken fort.

Wer jedoch in einem Markt Fuß fassen möchte, der schon mit solchen Branchengrößen wie Schlüter System, Proline, Blanke oder Dural prominent besetzt ist, braucht mehr als eine schrille Firmenfarbe. Er braucht vor allen Dingen Know-how in der Herstellung und Kreativität in der Produktentwicklung.

Ein Tüftler und Erfinder, wie er im Buche steht

Womit wir bei Thomas Wilbs wären, der als Firmengründer und geschäftsführender Gesellschafter die Geschicke von alfer aluminium entscheidend geprägt hat. Oder vielleicht sollte man noch besser sagen, dass er die Geschicke des Profilmarktes sogar entscheidend mitgeprägt hat, denn der passionierte Pferdezüchter und bekennende BVB-Fan ist ein Tüftler und Erfinder, wie er im Buche steht. Auch nach über 40 Jahren versprüht der Schwabe für seinen Beruf und seine Produkte eine Begeisterung, die geradezu ansteckend ist. Wilbs kam zugute, dass er die Geburt und das Wachstum der deutschen Baumarktszene von den Anfängen an eng begleitet hat und quasi in der ersten Reihe saß, als Obi, Bauhaus und Co. ihre ersten großflächigen Betriebsformen in Deutschland eröffneten. Denn es war kein geringerer als der deutsche DIY-Papst Manfred Maus, der zu seinen ersten Kunden zählte. Der damalige Obi-Chef erkannte schnell Wilbs Begabung für technische Lösungen. Schon belieferte Wilbs die ersten Obi-Märkte und mit dem Erfolg des orangen Bibers wuchsen auch die Aufgaben und Sortimente im Hause alfer aluminium.

Ein Profil muss sich laut Wilbs auch gut anfühlen. Scharfe Kanten sind im ein Greul.

Aber Wilbs ist nicht nur ein begabter Tüftler, sondern ebenso schwäbischer Kaufmann, der es versteht mit Zahlen und Investitionen umzugehen. So wuchs das Unternehmen rasant und gehört heute zu den ganz großen Namen der europäischen Baumarktszene, wenn es um Profile, Bleche, Ordnungssysteme, Kleineisenwaren usw. geht. 60.000 bestückte Regalmeter in allen namhaften Baumarktketten sprechen eine klare Sprache des Erfolgs. „Es macht mir noch heute einen riesigen Spaß, gute Produkte zu entwickeln und produzieren und einem Heimwerker neue Lösungen für seine täglichen Aufgaben bieten zu können“, so Wilbs mit einem Leuchten in den Augen.

Doch ein erfolgreicher Baumarktlieferant allein macht noch keinen umsatzstarken Fachhandelshersteller. Dennoch gibt es zahlreiche Synergien und Überschneidungen, die alferpro vom Start weg zugute kamen. Da wäre zum einen die Liefer-Performance zu nennen. Just in time Lieferungen sind im schnelllebigen Baumarktgeschäft eine Selbstverständlichkeit. Wilbs verweist nicht ohne Stolz auf eine Lieferquote von 99,8 %. Ergo bringt auch alferpro seinen Kunden in fast allen Gebieten innerhalb von 24 Stunden die Bestellungen pünktlich an die Tür.

Erster deutscher Baumarkt-Lieferant mit Barcodes

Barcodes sind für Wilbs business as usal. Er hat die intelligenten Artikel-Striche quasi nach Deutschland gebracht und war 1976 mit der erste Hersteller, der Barcodes im Baumarktgeschäft eingeführt hat. Nachdem er die Codierung zum ersten Mal in Frankreich auf einem Lebensmittel entdeckt hatte tüftelte Wilbs nächtelang daran, den Code für die eigene Produktion zu entschlüsseln. Das hat ihn zwar damals den Urlaub gekostet, aber dafür steht alfer aluminium nun in der deutschen Barcodeliste mit seiner Nummerierung ganz weit vorne: 1116 zeigt, dass das Produkt aus Wutöschingen kommt.

Der wichtigste Punkt für den alfer aluminium Erfolg ist aber wohl die Material- und Fertigungskompetenz des Unternehmens. Alfer kennt sich nicht nur mit Aluminium bestens aus, sondern auch mit Stahl, Edelstahl und Messing sowie Kunststoffen und Holzersatzstoffen („Reishülsen-Extrusion“). „Ich denke, kaum jemand kann mit so vielen Werkstoffen so gut umgehen wie wir,“ so Wilbs weiter. Eine große Anzahl von Patenten und Superlativen, die uns Wilbs bei einer Werksführung aufzählt, unterstreichen eindrucksvoll, dass der Mann seinen Beruf versteht.

Viele der Produktionsmaschinen sind Eigenentwicklungen.

Wilbs ist zudem ein Perfektionist. Besonders bei Profilen. Scharfe Kanten oder gar Millimeter große Ungenauigkeiten sind ihm ein Greul, ja bereiten ihm fast körperliche Pein. Da verwundert es nicht, dass er viele seiner Produktionsmaschinen in Eigenregie entwickelt hat. Außerdem soll eine Produktion in seinen Vorstellungen nicht nur exakt, sondern auch kostensparend und effizient sein. Also baute er vor Jahren eines der größten Hochregallager Europas für Profile in Wutöschingen auf, das über eine Kapazität von 5000 Tonnen verfügt und pro Stunde 48 Manipulationen durchführt. Noch heute gehört es technisch zu den Top-Ten der europäischen Hochregallager für Langgut. Natürlich hat Wilbs auch hier Hand angelegt und seine eigenen Vorstellungen von einem effizienten Hochregallager umgesetzt. Wilbs optimierte darüber hinaus in der gesamten Produktion die Systemabläufe, führte KVP (kontinuierlicher Verbesserungs-Prozess) ein und strukturierte die gesamte Lieferkette möglichst schlank.

Das Hochregal-Lager gehört noch heute zu den Top Ten in Europa.

Riesige Material-Vielfalt

Heute verlassen rund 150.000 Profile pro Tag den kleinen Ort in Baden-Württemberg. Das sind rund 250 km, 44.000 Kg oder 500 Kommissionen pro Tag. Bei Alu und Kunststoff sind 3.000 verschiedene Oberflächen und Farben bestellbar. Allein bei den Edelstahlprofilen werden 300 verschiedene Varianten angeboten. Im Jahr werden bei alfer aluminium 3600 Tonnen Alu und 7800 Tonnen Stahl und Edelstahl verarbeitet. Unzählige Produkte, verzinkt, aus Alu, in Messing, aus Kunststoff, in diversen Varianten, Farben und Oberflächen, gestanzt, gebogen, auch als Sonderlösung in individuellen Ausführungen – kurzum: so wie es der Kunde wünscht.

So wei es der Kunden wünscht: alfer liefert Profile in zahlreichen Ausführungen und Materialien.

Christian Grünendahl steht in der Werkshalle neben seinem Chef und lacht zufrieden. „Ich bin bei der ersten Werksführung auch aus dem Staunen nicht mehr heraus gekommen,“ gesteht er. Kein Wunder also, dass die alferpro Profile nach ihrer Markteinführung mit diesem Produktions-Background schnell Freunde fanden. Als einziger Profilhersteller liefert die junge Marke alle Profile mit einer Schutzfolie aus, die sich mit einem Handgriff ohne Probleme wieder entfernen lässt, wenn das Material verlegt wird. Schon bei der Lagerung und bei Transport bleiben die empfindlichen Edelstahloberflächen so wirkungsvoll geschützt.

Inzwischen ist es Abend. Uns raucht der Kopf vor lauter Zahlen, Fakten, Patenten und Rekorden. „Ich habe eben ein Faible dafür Produzent zu sein,“ so Wilbs. Eigentlich braucht er das gar nicht mehr zu betonen, wir sind da schon lange überzeugt, dass hier ein Vollblut-Unternehmer am Werke ist.

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