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Die größte Steingut-Wandfliese der Welt

Der spanische Hersteller Living Ceramics präsentiert mit „Ductile“ eine XXL-Innovation

Wandfliesen werden üblicherweise aus Steingut produziert, während bei der Herstellung von Boden- und vor allem auch bei Großformatfliesen Feinsteinzeug als das bevorzugte und bewährte Material gilt. Die XXL-Neuheiten, die in den letzten Jahren in großer Zahl auf den Markt kamen, gehören allesamt zur Gattung der Feinsteinzeugfliesen. Überhaupt ist bei den keramischen Innovationen fast immer Feinsteinzeug im Spiel. Mitte vergangenen Jahres entwickelte der spanische Hersteller Living Ceramics mit „Ductile“ eine Wandfliese in 6 Millimetern Stärke und Kantenlängen bis zu 270 Zentimetern. Das klingt erst einmal nicht sonderlich spektakulär. Das Besondere aber: diese Fliesen werden aus Steingut gefertigt.

Die geplante Marktdurchdringung dieser Neuentwicklung geriet auch in Deutschland aufgrund der Corona-Krise ein wenig ins Stocken. In einem Gespräch mit der Redaktion erläutert Robert Schluricke – hierzulande für den Vertrieb von Living Ceramics mitverantwortlich – das Marktpotenzial der „größten Steingut-Wandfliese der Welt“, ihre verarbeitungstechnischen Besonderheiten sowie die Vorteile für Fliesenleger und Endverbraucher. Gleichzeitig informiert der Branchenkenner aus Berlin über das junge Unternehmen aus der Region Castellón, das in den bislang sieben Jahren seines Bestehens eine beachtliche „Performance“ hingelegt hat.

Gegründet im Jahre 2013 und in 2014 erstmals eigene Produkte am Markt platziert, ist Living Ceramics in den vergangenen sieben Jahren überproportional gewachsen, „in jedem Jahr wurde der Vorjahresumsatz verdoppelt“, so Robert Schluricke. Mittlerweile erzielt das noch junge Unternehmen mit seinen 105 Beschäftigten an den Standorten Villa-real (Verwaltung, Lager, Ausstellung, Entwicklung) und Onda (Produktion) einen Jahresumsatz von etwa 30 Mio. €. Die Eigentümer sind die Familien Cifre und Para, beide mit langer Tradition in der Herstellung keramischer Fliesen in der Provinz Castellón. Die Brüder Cifre hatten anfänglich den industriellen Part bei Living Ceramics übernommen, die zunächst als reine Handelsmarke an den Start ging. Neben „Cifre“ als Handelsmarke fertigt die gleichnamige Unternehmerfamilie unter dem Label „Argenta“ Mengenprodukte im Umfang von bis zu 120.000 Quadratmetern am Tag – auch im Auftrag anderer Hersteller. Den zweiten Part übernahmen die Gebrüder Para, auch diese in der Fliesenindustrie Spaniens bestens bekannt – unter anderem als Mitbegründer der Porcelanosa-Marken „L ´Antic Colonial“ und „Venis“. Nach dem Ausstieg bei Porcelanosa wollten sie mit Living Ceramics ganz neue Weg gehen.

Living Ceramics entwickelte mit „Ductile“ eine Wandfliese in 6 Millimetern Stärke und Kantenlängen bis zu 270 Zentimetern – und zwar aus Steingut. Foto: Living Ceramics

Frischer Wind in der spanischen Fliesenindustrie

Beide Gründerfamilien stellten den fachlich-technischen Rahmen sowie die finanziellen Grundlagen für das neu gegründete Label zur Verfügung, aus dem Tagesgeschäft halten sie sich – so Schluricke – weitestgehend heraus. Für Living Ceramics wurde 2013 ein komplett neues Team gegründet, das für einen „anderen“ Auftritt, neue Strukturen und nicht zuletzt für „frischen Wind“ im spanischen und internationalen Fliesenmarkt sorgen sollte.

„Die Strukturen in der spanischen Fliesenindustrie galten lange Jahre als ziemlich verkrustet, überholt und nicht mehr zeitgemäß“, so Robert Schluricke, der den internationalen Markt seit vielen Jahren als Branchen-Insider beobachtet. Für den Start von Living Ceramics seien die Besten der Branche verpflichtet worden, die zuvor bei anderen Herstellern aufgrund ihrer Erfolge in den unterschiedlichsten Bereichen aufgefallen waren, unter ihnen Nacho Lopez, der zuvor für ein führendes Unternehmen in leitender Funktion tätig gewesen war. Für den Außenauftritt des Fliesen-Newcomers verpflichtete man den bekannten Architekten Carlos Alba.

„Die Strukturen in der spanischen Fliesenindustrie galten lange Jahre als ziemlich verkrustet, überholt und nicht mehr zeitgemäß. Und auch die Italiener verharrten auf der Stelle.“

Inmitten sattgrüner Orangenplantagen befindet sich die Produktion von Living Ceramics in Onda in der Provinz Castellón. Aufgrund der erfolgreichen Entwicklung des noch jungen Unternehmens ist eine zweite Produktionsanlage bereits in der Planung.
Foto: Living Ceramics

Transparente Tools für eine unkomplizierte Vermarktung

Der Ansatz war, ein neues Unternehmen aufzustellen, das sich abseits der gewohnten Traditionen und Konventionen entwickeln sollte. „Mit leicht nachvollziehbaren und transparenten Tools, die eine unkomplizierte Vermarktung befördern – nach dem Motto: keep it simple“, so Schluricke. „Früher waren die Preislisten häufig dicke Wälzer. Living Ceramics bietet ein ausgewogenes, marktfähiges Sortiment; es gab anfänglich nur fünf verschiedene Preise, die sich jeweils durch das Format definieren. Die Preisliste für das komplette Sortiment passt auf eine einzige Seite. Das kommt den Verkäufern sehr entgegen“, erläutert Schluricke. Er muss es wissen, denn als Geschäftsführer seines eigenen Unternehmens für Objektberatung Architekturkeramik arbeitet er seit einigen Jahren eng mit Living Ceramics zusammen und betreut die Kunden – Architekten, Fachhändler und Verleger – in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Die Platten sind äußerst biegsam, was die Verarbeitung deutlich erleichtert. Die Bruchgefahr beim Transport auf die Baustelle ist geringer als beim Feinsteinzeug.

Nach den ersten erfolgreichen Jahren von Living Ceramics als reine Handelsmarke nahm das Unternehmen in 2017 seine eigene Produktion in Betrieb. Die „interne Produktionskapazität“ beläuft sich aktuell auf 2 Mio. Quadratmeter im Jahr, der Bau einer zweiten Continua-Plus-Anlage in Onda steht aufgrund der wachsenden weltweiten Nachfrage auf der Agenda. Ein entscheidender Erfolgsbaustein in der Produktentwicklung ist auch die Innovation „Ductile“ – „eine Entwicklung, die seltsamerweise zuvor noch kein anderer Hersteller aufgegriffen hat“, berichtet Robert Schluricke. Man wollte auf der neu installierten Continua-Plus-Anlage großformatige Slabs produzieren und dabei kamen die Entwickler auf die Idee, die Typologie der Materialzusammensetzung über die Wasseraufnahme zu definieren: das war gewissermaßen die Geburtsstunde von „Ductile“, der neuen Steingut-Wandfliese im Riesen-Format.

„Ductile“: Zahlreiche Vorteile gegenüber Feinsteinzeug

Da „Ductile“ ausschließlich an der Wand verlegt wird, bietet der Hersteller für den Boden koordinierte Serien aus Feinsteinzeug.

Steingut bietet im Vergleich zu Feinsteinzeig eine Vielzahl an Vorteilen. Zunächst fallen aufgrund des geringeren Gewichts bei der Herstellung sowie beim Transport weniger C02-Emissionen an. Die Platten sind äußerst biegsam, was die Verarbeitung deutlich erleichtert. Die Bruchgefahr beim Transport auf die Baustelle ist geringer als beim Feinsteinzeug. Aufgrund der Zusammensetzung der Platten werden Oberflächenspannungen vermieden und somit reduziert sich die Gefahr von Rissbildungen oder Brüchen bei der Bearbeitung. Schluricke: „Die Praxis hat gezeigt, dass das Steingut erheblich einfacher zu bearbeiten ist als Feinsteinzeug. Der Verleger kann es schneiden und bohren wie herkömmliches Material.“ Auch sind keine speziellen Werkzeuge erforderlich, und zum Verlegen werden keine speziellen Kleber benötigt. Aufgrund der Wasseraufnahme von 13 Prozent entsteht eine gute Haftung des Klebers. Neben dem Verleger profitiert auch der Endverbraucher von dieser Produktinnovation, die im Preis etwa 15 Prozent günstiger ist als die Feinsteinzeug-Alternative. Die geringe Dicke des Materials von nur sechs Millimetern prädestiniert die kalibrierten und rektifizierten Platten für die unkomplizierte Sanierung „Fliese auf Fliese“. Und wegen ihrer Flexibilität stellen auch etwas unebene Untergründe kein Problem dar. „Ductile“ ist erhältlich im Format 90×270 cm, das Format 60×120 cm wird in Kürze folgen. Da „Ductile“ ausschließlich an der Wand verlegt wird, bietet der Hersteller für den Boden koordinierte Serien aus Feinsteinzeug. Die neun Serien dieser neuen Kollektion greifen neben den stark nachgefragten Naturstein-Interpretationen u. a. auch den Beton- und Microzement-Trend auf. „An Oberflächen wird alles geboten, was der moderne Digitaldruck hergibt“, so Schluricke.

Robert Schluricke: Faible für keramische Fliesen

Robert Schluricke, Inhaber einer Handelsagentur für hochwertige Keramik, ist, wie er sagt, „auch emotional mit Living Ceramics sehr verbunden“. Nach dem Abitur absolvierte er eine kaufmännische Ausbildung bei einem kleineren Berliner Sanitär- und Heizungsfachhändler, der auch Fliesen im Sortiment hatte. Und eben die hatten es dem jungen Mann seinerzeit angetan.

Beim Vertrieb fokussiert sich Schluricke weniger auf eine Zusammenarbeit mit dem überregionalen Großhandel, sondern setzt auf die kleineren „Boutiquen“.

„Ich fand Themen wie Gestaltung und Design – also das, was sich vor der Wand abspielt –, erheblich spannender als die ganze verborgene Technik hinter der Wand“, erinnert sich der heute 47-Jährige, der schon früh ein Faible für die Raumgestaltung und eine Leidenschaft für Fliesen entwickelte. 1998 wechselte er in die keramische Industrie und begann seine Laufbahn als Handelsvertreter beim italienischen Branchenriesen Iris Ceramica. „Dort in Italien wurde ich gewissermaßen fliesenmäßig sozialisiert“, erzählt er mit einem Lachen. Nach einigen Jahren in Diensten der Iris hatte er das Gefühl, dass die Italiener bei der Entwicklung begeisternder Keramik-Produkte auf der Stelle verharrten; gleichzeitig konnte Schluricke beobachten, dass in Spanien viele kleine, innovationsfreudige Unternehmen völlig neue Wege beschritten und den Mut hatten, bedingungslos auf Innovationen abseits des Mainstreams zu setzen.

„Fliesenmäßig sozialisiert wurde ich in Italien.“

Er erkannte das Potenzial dieser neuen Marktteilnehmer. „Ich wollte hier Pionierarbeit in Deutschland leisten“, erinnert sich Schluricke. Die Mechanismen und Regeln des Objektgeschäftes hatte er sich in Italien angeeignet. In Berlin konnte er beim Handelsunternehmen Wilkö Fliesenland in dessen Obergeschoß Räumlichkeiten zu fairen Konditionen mieten und betreibt nun dort stationär auf ca. 300 qm seinen Showroom, die ARCHITHEK/2.0. Dort präsentiert er die Produkte seiner internationalen Partner: kleine, feine Marken, die gerade für Planer und Architekten sehr interessant sind. „Marken, die gepflegt werden müssen“. Daher fokussiert Schluricke sich beim Vertrieb weniger auf eine Zusammenarbeit mit dem überregionalen Großhandel, sondern bevorzugt eher die kleineren „Boutiquen“ als Vertriebspartner; er setze auf kleinere Händler, die mit Leib und Seele Fliesen-affin seien. Für Living Ceramics bearbeiten insgesamt fünf Berater den deutschen Markt (plus einer für Österreich). „Wir sind eine Super-Truppe, die sich seit vielen Jahren kennt. Wir brennen für die Produkte und koordinieren die Objektarbeit deutschlandweit untereinander. So sind wir als Team erfolgreich.“

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