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BAU 2019: Service schlägt Innovation

Immer mehr Hersteller finden Marketing-Services und Digitalisierung wichtiger als neue Produkte

Dass die BAU 2019 eine erfolgreiche Messe war, steht außer Frage. Dies beweisen schon die aktuellen Besucherzahlen der Messe und die Stimmen der Aussteller (siehe Schlussbericht der Messe hier). Was früher jedoch eines der Kern-Themen einer Messe war, nämlich neue Produkte zu präsentieren, gerät anscheinend immer stärker in den Hintergrund. Auf der BAU 2019 ließ sich jedenfalls beobachten, dass immer mehr Hersteller Marketing-Services und Digitalisierung wichtiger finden als Innovationen.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Zunächst einmal kosten Innovation Geld. Viel Geld! Das betrifft nicht allein die Entwicklung, sondern auch die Markteinführung. Es müssen neue Prospekte gedruckt, Internetseiten umgestellt, neue Verkaufshilfen entwickelt und last not least auch die Kunden davon überzeugt werden, die Neuheiten zu kaufen. Die zieren sich jedoch, das Rad immer schneller zu drehen. Sprich: Markteinführung und erfolgreicher Verkauf kosten nicht nur Geld, sondern auch Zeit. So mancher Messerythmus ließ den Herstellern kaum Gelegenheit zum Luft holen. Siehe Cersaie: Jedes Jahr neue Fliesenserien auf den Markt zu bringen, bevor die Serien des letzten Jahres überhaupt in den Regalen des Handels gelangt sind, wollen weder Hersteller noch Händler.

Wer am Stand ddes Bundesverbandes des Deutschen Baustoffhandels genau hinschaute entdeckte dort sogar einen kleinen Hinweis auf die vor kurzem neue gegründete BDB-Arbeitsgruppe Fliesen.

Doch ein neues Fliesendesign ist schneller entwickelt, als die Rezeptur für einen neuen Fliesenkleber angemischt. Die Neuheiten der Zubehörindustrie sind in der Entwicklung aufwändiger und in der Vermarktung komplizierter. Kein Wunder also, dass man dieses Jahr in München selbst bei großen Unternehmen wenig revolutionäre Neuheiten sah, sondern vornehmlich Produkt-Weiterentwicklungen oder Programmergänzungen.

Stattdessen legten die Hersteller mehr Wert auf konzeptionelle Marketingstrategien, eine weiter voran schreitende Digitalisierung und die Nachhaltigkeit ihrer Produktion. Wie präsentiere ich meine Produkte am Markt, wie spreche ich Zielgruppen noch selektiver an, wie vermarkte ich Neuheiten besser, mit welchen Verkaufshilfen kann ich meine Kunden unterstützen? All dies sind Fragen, mit denen sich die Hersteller wesentlich stärker beschäftigen als noch vor zwei oder gar vier Jahren.

Facebook, Instagram und Co. werden immer wichtiger

Bei Schlüter Systems dreht sich alles um das Thema Digitalisierung.

Manch einer erfindet sich im Zuge dieser Überlegungen fast neu, verändert Marktauftritt, Logos und Claims, wie z.B. im Hause PCI und Thomsit (siehe Bericht hier). Andere setzen auf das Messe-Zugpferd Digitalisierung, das für manche Unternehmen geradezu elektrisierend daher kommt. Digitale Bestellprozesse, BIM, Webinare, Apps, Social-Media-Kanäle sind keine Zauberwörter mehr der Zukunft, sondern der Gegenwart. Zu sehen u.a. bei Schlüter Systems: Die Iserlohner, sonst immer für eine Handvoll Innovationen gut, nutzten die BAU 2019 vornehmlich, um die Kommunikation mit den Kunden auf ein neues Level zu heben. Entsprechend dem Messe-Motto „Schlüter-Systems goes digital“ zeigte das Unternehmen, welche digitalen Angebote Schlüter-Systems ab sofort in sozialen Medien wie Facebook, Instagram oder YouTube seinen Kunden bietet. Mit der Schlüter-App (über 5.000 Installationen) und dem deutschen YouTube Kanal (fast 7.000 Abonnenten)  bietet man bereits ein riesiges digitales Angebot an, das rege genutzt wird. Um stärker in den digitalen Dialog zu treten, werden ab sofort auch die Kanäle Facebook und Instagram von den Iserlohnern bespielt.

Fliesenlegerin Anne Heidrich warb am Stand von Schomburg live und auf Flyern dafür, sie 2019 zur Miss Handwerk zu wählen.

Die vielen positiven Reaktionen auf die Postings und Livestreams von der Messe zeigen, dass die Zielgruppen dieses Angebot gerne wahrnehmen. Ein Trend, den wir auch bei 1200Grad verstärkt wahrnehmen: Der 1200Grad facebook-Kanal und unsere Live-Videos aus München erfreuten sich in der Messewoche großer Beliebtheit und erreichten Klickraten von bis zu 6000 pro Film!

Sopro präsentierte eine erweiterte App für alle mobilen Endgeräte, PCI einen digitalen Farbscanner als Verkaufshilfe, mit dem sich Fugenfarben genau den Fliesentönen anpassen lassen, Mapei setzt auf eine umfangreiche Marketingkampagne unter dem Motto „Freunde fürs Leben (siehe Bericht hier) und hat ebenfalls eine neue Aufbauempfehlungs-App im Angebot, Kiesel Bauchemie setzt auf eine Online-Infothek mit über 1.700 Aufbauempfehlungen – um nur ein paar Beispiele zu nennen, mit welchem Elan die Hersteller das Thema Service und Digitalisierung angehen.

Fliesenhersteller wurden kaum vermisst

Den Hinweis auf die eigene Messehalle für Fliesen bzw. Keramik fanden wir angesichts der Anzahl der Aussteller in diesem Segment “ambitioniert”.

Bei so vielen interessanten Ideen wurden die fehlenden Fliesenhersteller kaum vermisst. Zwar gab es in München einige Zubehör-Aussteller, die die Keramikindustrie als Bereicherung der BAU empfinden würden, doch es scheint nicht, als wenn sich daran in zwei Jahren was ändern würde. Vielleicht ist es auch ganz gut so wie es ist. Denn man mag sich kaum vorstellen, wie man als Besucher das umfangreiche Messe-Pensum in München noch schaffen kann, wenn auch noch die Keramiker dort Neuheiten präsentieren.

An der Messe gibt es wenig zu verbessern. Infrastruktur und Angebot entsprechen höchsten internationalen Ansprüchen, da können sich einige andere Messen was von abschauen. Lediglich bei der Hallenbelegung empfanden viele Besucher die Zusammenstellung der Hersteller manchmal als etwas willkürlich. So gab es Bauchemiker in A1 und B6, Schienenanbieter in A6, Bauplatten in A4 – sprich lange Laufwege für alle, die mit Fliesen und Zubehör zu tun hatten. Aber jetzt haben die Füße ja erst mal wieder zwei Jahre Zeit sich zu erholen…

Unser Messefazit als VIDEO-News:

 

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