Rako: Unsere Werke laufen alle weiter

Kein Stopp wegen Rohstoff- oder Materialknappheit.

Ganz Europa bekommt die vielfachen Auswirkungen des Krieges in der Ukraine zu spüren. Damit verbunden sind unter anderem große Verwerfungen am Energiemarkt und wachsende Rohstoffknappheit in verschiedenen Industriebranchen. So bezieht die internationale Fliesenindustrie vor allem Ton und Kaolin für ihre Produktion aus den umkämpften Gebieten in dem besetzten Land. Wann das wieder möglich sein wird, ist aktuell nicht absehbar. Mehrere Hersteller haben daher bereits Teile ihrer Fertigung eingestellt, andere produzieren nicht mehr alle Serien für einen trotzdem fordernden Markt. Wir haben mit Oliver Semsch und Petr Machon vom tschechischen Fliesenhersteller RAKO gesprochen, wie sie die aktuelle Situation einschätzen – und wie sie selbst darauf reagieren.

Aktuell fahren einige Hersteller die Produktion herunter und hoffen auf ein schnelles Ende der Kaolin-Knappheit sowie zügig fallende Produktions- und Transportkosten. Werden die Brennöfen bei RAKO ebenfalls temporär abgeschaltet?

Petr Machoň: Unsere Werke laufen alle weiter. Wenn wir die Produktion anhalten oder einen Ofen abschalten müssen, wird es nur für Wartungszwecke oder bei Reparaturen sein. Darüber hinaus planen wir keinen Stopp wegen Rohstoff- oder Materialknappheit. Wir haben den großen Vorteil, dass wir für unsere Produkte mit eigenen Materialien arbeiten können. Die wichtigsten Rohstoffe für unsere Werke in Tschechien beziehen wir direkt von LB Minerals, mit kurzen Transportwegen und absoluter Liefersicherheit. Es gibt natürlich Spezialwerkstoffe, zum Beispiel Glasuren, die auch wir im Ausland einkaufen. Dennoch: Andere Fliesenhersteller beziehen viele ihre Rohstoffe aus der Ukraine und haben damit nun ein sehr großes Problem.

Wir haben den großen Vorteil, dass wir für unsere Produkte mit eigenen Materialien arbeiten können.

Kaolinabbau Kaznejov.

Birgt die Verringerung der Produktionskapazitäten und abgeschaltete Anlagen nicht die Gefahr, dass einige Marktbegleiter nie wieder „ans Netz“ gehen werden?

Petr Machoň: Das ist durchaus möglich. Aktuell kann aber niemand sagen, wie sich die Nachfrage am Markt und die Situation in Europa insgesamt über die kommenden Monate entwickeln wird. Die Fliesenhersteller legen aus ganz unterschiedlichen Gründen Produktionspausen ein. Sie werden sicher nach dem Hochfahren ihrer Öfen eine schwierigere Situation haben, als Lasselsberger und RAKO, die einfach durcharbeiten können. Darüber sind wir sehr glücklich: Wir können weiterproduzieren und unsere Kunden mit großer Kontinuität und Sicherheit beliefern.

Die Situation ist keineswegs trivial: Steigende Preise bei sämtlichen Rohstoffen für die Fliesenherstellung und explodierende Energiekosten in Produktion und Transport. Wie geht RAKO mit diesen Herausforderungen um?

Oliver Semsch: Das ist sehr vielschichtig. Wir haben Produktionskosten, die wir nur bedingt beeinflussen können. Wie alle kämpfen wir mit stark gestiegenen Kosten für Energie und Rohstoffe. Aber auch der Preis für Transport, Verpackungsmaterial, etc. wächst stetig. Daher ist es leider nötig, dass auch wir reagieren und unsere Verkaufspreise am Markt an die Kostensituation anpassen. Viel wichtiger ist aber das Signal an unsere Kunden, dass wir trotz einer Verteuerung der Gesamtkosten weiterhin in der Lage sind, zu produzieren. Wir können unser aktuelles Portfolio ausliefern, bereiten eine neue Kollektion für das kommende Jahr vor, werden auf den Messen Neuheiten präsentieren. Das zeigt, wie stabil RAKO ist und sich weiterentwickelt, Fertigungstechnologie und Produktbandbreite ausbaut.

Wir haben Produktionskosten, die wir nur bedingt beeinflussen können.

Werden die kompletten Produktserien, wie auf der Cersaie im Herbst 2021 vorgestellt, in den deutschen und österreichischen Markt kommen?

Petr Machoň.

Petr Machoň: Bisher sehen wir keine Veranlassung unsere Produkte, wenn auch nur zeitweise, nicht liefern zu können. Wir reagieren sehr schnell mit unseren RAKO-Technikern, passen wo nötig die Rezepturen an – sollten bestimmte Roh- und Zuschlagsstoffe einmal nicht lieferbar sein. Dazu sind wir glücklicherweise in der Lage.

„Lieber habe ich Ware im Regal mit einem neuen Preisschild, als leere Regale mit dem alten Preis“.

Welche Preisanpassungen muss RAKO an die Kunden weitergeben?

Oliver Semsch: Wir sind bei unseren Kunden als zuverlässiger Partner und Lieferant bekannt. Daher ist es wichtig, dass die RAKO-Werke unverändert produzieren und Lieferungen ohne Einschränkungen weitergehen. Dennoch sind wir gefordert, durch die aktuelle Situation in der Ukraine nochmals massiv gestiegene Kosten in Form von Preisanpassungen weiterzugeben. Ich habe die Preistreiber ja schon weiter oben herausgestellt. Unsere Partner haben hierfür aufgrund der Gesamtsituation am Markt jedoch Verständnis und signalisieren sehr offen, dass die Verfügbarkeit der Produkte in der jetzigen Zeit wichtiger ist, als der Preis. Ein Kunde sagte sehr treffend zu mir: „Lieber habe ich Ware im Regal mit einem neuen Preisschild, als leere Regale mit dem alten Preis“.

RAKO stellt heraus: Wir setzen auf zukunftsfähige Technologie und moderne Fertigung. Was heißt das konkret?

Petr Machoň: Ja. Wir verfolgen eine Strategie der stetigen technologischen Entwicklung und Optimierung unserer Prozesse. Das heißt, wir investieren unter anderem immer wieder in Herstellung und Produkte. Vor drei Jahren haben wir im Werk in Chlumčany die Produktion von neuen Bodenfliesenformaten und unseren erfolgreichen Outdoor-Fliesen 60×60 cm gestartet. Ganz aktuell ist eine große Investition in die Produktionsanlagen in Rakovník abgeschlossen worden. Hier fertigen wir zum Beispiel Fliesen im neuen Großformat 40×120 cm und starten demnächst mit neuen Produkten in der Stärke 8 mm. Doch die Verantwortung für unsere traditionsreichen Standorte endet damit keineswegs. Ökologie und Ressourcenschutz wurden bei Lasselsberger und RAKO schon immer großgeschrieben. Seit dem ersten Tag unterstützen wir die Renaturierung und Rekultivierung unserer Rohstoff-Abbaugebiete.

Oliver Semsch: Trotz der momentan schwierigen Ausgangslage: Wir setzen auf eine Entwicklung in der Produktion, bei der Technologie, im Vertrieb und im Service. So haben wir in Deutschland zum Jahresanfang unsere Vertriebsorganisation spezialisiert und intensivieren unsere Kommunikation in die Zielgruppe Architekten und Planer, die wir erfolgreich mit individuellem Planungssupport und verschiedenen Online-Seminaren unterstützen.

Wir setzen auf eine Entwicklung in der Produktion, bei der Technologie, im Vertrieb und im Service.

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