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„Wir sind Botschafter für unser Handwerk“

Fliesen-Nationalteam: Ein leidenschaftliches Plädoyer für das Fliesenlegerhandwerk

Am 26. September ist es soweit: dann startet die Berufseuropameisterschaft „EuroSkills 2018“ in Budapest. Rund 500 Teilnehmer aus fast 30 europäischen Ländern und Regionen werden in 37 verschiedenen Berufswettbewerben ihr Können zeigen. Das Team von WorldSkills Germany und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks geht mit 23 jungen Fachkräften in 17 Einzel- und drei Teamwettbewerben an den Start. Dazu gehören auch die Mitglieder des Nationalteams des Deutschen Baugewerbes mit einem Fliesenleger, einem Maurer, einem Stuckateur und zwei Betonbauern. Das Nationalteam des Deutschen Baugewerbes war bei der „EuroSkills 2016“ in Schweden mit einer Goldmedaille für den Fliesenleger, einer Silbermedaille für die Stuckateure und dem sechsten Platz für den Maurer sehr erfolgreich. Bei den Fliesenlegern geht der 21jährige Fliesenlegergeselle und Meisterschüler Cedrik Knöpfe aus Löffingen in Baden-Württemberg an den Start. Gemeinsam mit seinem „Ersatzmann“ Janis Gentner (20) und Nationaltrainer Roland Filkorn hat sich Knöpfle in den vergangenen Monaten in zahllosen Trainingseinheiten auf den renommierten Wettbewerb vorbereitet. Im Vorfeld der „EuroSkills 2018“ sprachen wir mit den Dreien über Herausforderungen, Motivationen und Perspektiven rund um das Fliesenlegerhandwerk. Heraus kam ein leidenschaftliches Plädoyer.

Herr Filkorn, was ist für Sie das Besondere, als Bundestrainer der Fliesen-Nationalmannschaft zu arbeiten? Worin sehen Sie die Herausforderungen?

Filkorn: Es macht mir einfach Spaß mit jungen Leuten zu arbeiten und ihnen Wissen und Können weiterzugeben. Es ist schön zu sehen wie diese jungen Fachleute mit Ehrgeiz und Motivation viel erreichen wollen und können. Es ist aber auch für mich immer wieder Herausforderung und Ansporn zugleich, sich bei den internationalen Berufswettbewerben mit den besten Fliesenlegern der Welt zu messen.

Welche Argumente führen Sie an, um einem jungen Menschen eine Ausbildung im Bauhandwerk – insbesondere im Fliesenlegerhandwerk – ans Herz zu legen? Wo doch heute immer nur zu hören ist, dass die Schulabgänger am liebsten einen Bürojob oder „irgendwas mit Medien“ machen wollen und sogar Lehrer ihnen von einer handwerklichen Ausbildung abraten…

Filkorn: Jeder sollte den Beruf erlernen, den er gern macht. Denn dann wird der Beruf zur Berufung. Der Fliesenlegerberuf ist für mich der schönste Beruf der Welt, da ich auch noch nach Jahren stolz auf meine von mir geschaffenen Werkstücke sein kann. Keramik ist einfach ein besonderer Werkstoff. Es braucht Fachleute, um ihn richtig zu verarbeiten. Das sind wir Fliesenleger – mit der fundierten Lehre und Meisterausbildung!

Keramik ist einfach ein besonderer Werkstoff. Es braucht Fachleute, um ihn richtig zu verarbeiten.

Was macht den Reiz des Fliesenlegerhandwerks aus?

Filkorn: Dieser Beruf wird einfach nicht langweilig. Immer neue wechselnde Baustellen und Aufgaben, wo wir mit den Formen und Farben der Keramik Räume gestalten und am Ende zufriedene Kunden haben.

Wie beurteilen Sie die beruflichen Perspektiven für Fliesenleger hierzulande?

Filkorn: Die Berufsaussichten sind im Moment für alle Jugendliche hervorragend, die einen Beruf fundiert lernen wollen. Das hören wir immer wieder in den Medien. Auch das Baugewerbe sucht junge Menschen, die Lust haben, etwas Bleibendes zu schaffen. Wer als Fliesenleger seinen Beruf aufgrund der Aus- und Weiterbildung bestens beherrscht, ist ein gefragter Mann oder Frau. Denn ein schönes Bad möchte doch jeder gerne haben. Dafür braucht es den Fachmann bzw. die Fachfrau.

Wer als Fliesenleger seinen Beruf aufgrund der Aus- und Weiterbildung bestens beherrscht, ist ein gefragter Mann oder Frau.

Herr Knöpfle, wann – und warum – fassten Sie den Entschluss, den Beruf des Fliesenlegers zu erlernen?

Knöpfle: Ich weiß nicht, wann ich diesen Entschluss gefasst habe. Ich arbeitete bereits als Kind häufig mit auf der Baustelle. Mein Vater hat einen eigenen Betrieb. Es machte mir einfach Spaß und so gab es nie wirklich einen anderen Berufswunsch. Die Vielseitigkeit mit den anspruchsvollen Tätigkeiten und dem Kontakt mit den Kunden ist genau das, was mir an diesem Beruf von Anfang an gefallen hat und noch immer gefällt.

Cedrik Knöpfle: „Wir bieten dem Kunden etwas ganz Individuelles, das ihm hoffentlich lange Freude und Wohlbefinden bereitet.“

Sie besuchen zurzeit die Meisterschule in Stuttgart. Was steht nach Bestehen der Meisterprüfung auf Ihrer persönlichen Agenda?

Knöpfle: Ich möchte danach wieder in der Firma meines Vaters arbeiten.

Was schätzen Sie besonders an Ihrem Beruf?

Knöpfle: Dass man von der Planung, über die Visualisierung bis hin zur Ausführung den Fortschritt auf der Baustelle begleitet und somit vielfältige Tätigkeiten hat. Wir bieten dem Kunden etwas ganz Individuelles, das ihm hoffentlich lange Freude und Wohlbefinden bereitet. Ich finde auch die Vielseitigkeit toll. Vom Werkstattboden bis hin zu hoch exklusiven Bädern ist alles dabei. So wird es nie langweilig.

Herr Gentner, welche Arbeiten üben Sie als Fliesenleger besonders gern aus?

Gentner: Am liebsten plane ich individuelle Bäder für die Kunden. Die Vielfältigkeit bei diesen Arbeiten macht mir einfach Spaß.

Und wie stellen Sie sich Ihre berufliche Weiterentwicklung im Idealfall vor?

Gentner: Ich werde im Jahr 2020 meinen Meister in Stuttgart absolvieren. Anschließend will ich noch ein paar Jahre als Fliesenleger in meinem derzeitigen Betrieb arbeiten, um weitere Erfahrungen zu sammeln. Dann könnte ich mir vorstellen, mich vielleicht selbstständig zu machen.

Welche Bedeutung hat für Sie der Meisterbrief in Ihrem Handwerk – auch vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die Wiedereinführung der Meisterpflicht, nicht zuletzt auch, um die Kunden vor unseriösen Angeboten und schlechter Qualität zu schützen?

Gentner: Der Meisterbrief hat für mich persönlich eine sehr große Bedeutung. Es ist für mich eine Selbstverständlichkeit ihn zu machen. Für die Kunden ist damit auf Anhieb klar, was für eine Firma man sich ins Haus holt. Ein Meisterbetrieb hebt sich einfach von Betrieben ab, die keine Meister im Betrieb haben.

Der Meisterbrief hat für mich persönlich eine sehr große Bedeutung. Es ist für mich eine Selbstverständlichkeit ihn zu machen.

Janis Gentner: „Am liebsten plane ich individuelle Bäder für die Kunden. Die Vielfältigkeit bei diesen Arbeiten macht mir einfach Spaß.“

Knöpfle: Die Meisterausbildung gehört einfach dazu, wenn man seine Kunden gut und erfolgreich beraten will.

Herr Filkorn, wie sehen Sie als Ausbilder im Handwerk die gegenwärtige Diskussion? Kann man diese Entwicklung – starkes Anwachsen der so genannten „Mobilen Generalisten“ – allein dem Markt überlassen? Oder sollte die Politik hier „regulierend“ eingreifen?

Filkorn: Ich würde nicht seit so vielen Jahren als Ausbildungsmeister tätig sein, wenn ich nicht der Meinung wäre, dass dieses Wissen für die Ausübung des Fliesenlegerberufs notwendig ist. Unser Berufsverband hat seit der Abschaffung stetig für die Wiedereinführung des Meisters gekämpft und inzwischen gibt es Stimmen aus der Politik, die uns Recht geben. Vielleicht wird ja doch noch alles wieder gut.

Sehen Sie auch seitens der Verantwortlichen in den Berufsverbänden, im (Aus)bildungssystem und nicht zuletzt auch bei den Betrieben an der Basis Ansatzpunkte, die Berufe im Bauhandwerk attraktiver zu machen?

Filkorn: Klappern gehört zum Handwerk. Nur so bekommen unsere Betriebe Aufträge, nur so können wir junge Leute gewinnen, die den Beruf des Fliesenlegers genau so toll und faszinierend finden, wie wir Drei. Für mich sind alle gefordert, die im Fliesenlegerhandwerk aktiv und tätig sind, um diesem schönen Handwerk eine Zukunft zu bereiten. Sprich, wir müssen selbst für unseren Beruf werben, in dem wir einfach berichten, dass es Spaß bringt. Wir als Fliesen-Nationalmannschaft tun auf jeden Fall eine Menge, um den Beruf in der Öffentlichkeit darzustellen. Wir sind Botschafter für unser Handwerk.

Herr Filkorn, Cedrik und Janis, wir wünschen Ihnen für die Teilnahme an den „EuroSkills“ viel Erfolg und hoffen, dass Sie den Titel erfolgreich in Budapest verteidigen.

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