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“Wir müssen näher an den Kunden und Entscheider”

Interview mit Peter Wilson, Gechäftsführer Steuler Fliesen

Wie die Steuler-Gruppe in der letzten Woche in Mühlacker bekannt gab, stehen umfangreiche Veränderungen an (wir berichteten hier). Die Veränderungen betreffen die gesamte Fliesengruppe. So wird unter anderem ab 2020 die Kundenbetreuung aller Fachhandelsmarken für eine noch intensivere flächendeckende Marktbearbeitung gebündelt. Auch in der Verwaltung und im Marketing sollen in Zukunft Doppelarbeiten an unterschiedlichen Standorten der Gruppe vermieden werden. Wir unterhielten uns zu den Hintergründen dieser Maßnahmen mit Peter Wilson, Gechäftsführer Steuler Fliesen.

Herr Wilson: Einige Markteilnehmer wird es überrascht haben, dass der bedeutendste deutsche Fliesenhersteller ebenfalls so stark unter dem Preisdruck und sinkenden Mengen leidet, dass nun eine Produktionslinie eingestellt werden muss?

Ich weiß nicht, ob andere Marktteilnehmer überrascht sind oder nicht. Dass die Nachfrage nach Kleinformaten sinkt und ebenso deren Preis, ist sicher für niemanden in der Branche etwas Neues. Wir als Steuler Fliesengruppe sind davon allerdings nur in überschaubarem Ausmaß betroffen. Denn es handelt sich nur um eine von 16 Linien – so traurig das auch für alle Betroffenen ist.

Zukünftig wird in den allermeisten Fällen ein Verkäufer einem Handelspartner ein starkes Paket aus dem gesamten Produktportfolio der Steuler Fliesengruppe schnüren können

Nach Ihrer Presseinformation von letzter Woche wird ab 2020 die Kundenbetreuung aller Fachhandelsmarken für eine noch intensivere flächendeckende Marktbearbeitung gebündelt. Können Sie unseren Lesern diesen Schritt bitte etwas näher erläutern.

Wie Sie wissen, haben wir ja bereits seit 2017 in Deutschland die Marken Kerateam und Steuler Design unter dem Dach Team Steuler sehr erfolgreich gebündelt. Bisher waren allerdings die Marken Nordceram und Grohn noch mit eigenständigen Vertriebsstrukturen am Markt unterwegs. Das macht natürlich heute keinen Sinn mehr, vor allem nicht mit Blick auf die sich ebenfalls rasch verändernde Handelslandschaft. Zukünftig wird in den allermeisten Fällen ein Verkäufer einem Handelspartner ein starkes Paket aus dem gesamten Produktportfolio der Steuler Fliesengruppe schnüren können.

Werden die Marketingabteilungen bzw. Verwaltungen der anderen Marken aufgelöst oder bekommen diese nur neue Aufgaben?

Da wir derzeit in der Umsetzungsphase sind und dabei gerade auch in den in ihrer Frage genannten Bereichen noch Feinarbeit geleistet werden muss, bitte ich um Verständnis, dass ich hier keine Details nennen kann. Nur so viel: es wird vor allem gebündelt und spezialisiert, so dass Ressourcen frei werden, um Wachstumsthemen bearbeiten zu können. Da wird nichts aufgelöst, es wird umstrukturiert.

Sie beziehen sich bei den Problemen, die der deutsche Markt aufwirft, u.a. auch auf den Handwerkermangel in Deutschland. Nun steht eine Rückkehr der Meisterpflicht mehr denn je zur Debatte. Schafft dies nicht ein neues Nadelöhr, denn die zahlreichen Generalisten haben sich mittlerweile doch als feste Größe des Marktes etabliert und übernehmen einen nicht unerhebliche Verlege-Leistung im Gesamtmarkt?

Wir brauchen sowohl mehr Quantität als auch Qualität bei der Verlegeleistung als heute.

Grundsätzlich möchte ich es der Politik und den zuständigen Verbänden überlassen, diese Diskussion zu führen und abzuschließen. Wie auch immer das Ergebnis aussehen wird, wir werden unseren Weg gehen. Wir brauchen sowohl mehr Quantität als auch Qualität bei der Verlegeleistung als heute.  Die Rückkehr der Meisterpflicht bietet jedoch mit Sicherheit die Grundlage für die Verlegung höherwertiger Produkte – und kommt uns somit entgegen. Der technische Fortschritt in der Produktion, unter anderem auch die Evolution der Formate, macht es unabdingbar, dass die Materialien von hervorragend qualifizierten Handwerkern verlegt werden.

Andererseits erreicht mittlerweile gerade das Mittelformat in einer einfachen Ausführung ein erhebliches Marktvolumen. Dieses Potential wird jedoch durch mangelnde Verlegekapazitäten bei weitem nicht vollständig ausgeschöpft und dadurch sind natürlich auch wir in unseren Absatzmöglichkeiten beeinträchtigt. Wir benötigen im Idealfall also etwas von beiden Welten, quasi ein Übereinkommen von adäquater Qualität mit einer gesteigerten Quantität.

Sie sprechen trotz der Probleme des Marktes von „ambitionierten Wachstumsplänen“. Wie wollen Sie diese umsetzen und wie sehen diese im Detail aus?

Einerseits glauben wir, dass wir mit unseren innovativen dünnen Wand- und Bodenfliesen, großformatigen Produkten, sowie 2 cm Innovationen einiges an Wachstum erzielen werden können. Da müssen wir sicherlich teilweise auch näher an den Kunden und Entscheider. Darüber hinaus sehen wir auch im Export noch erhebliche Potenziale. Dort gibt es Märkte, die wachsen, und wir sehen keinen Grund weshalb wir daran nicht partizipieren sollten. Aber auch losgelöst von den klassischen Einsatzgebieten der Fliese, sehen wir Potentiale in völlig neuen Anwendungsbereichen mit innovativen Produktentwicklungen zusätzliche Umsätze zu generieren.  An diesen Themen arbeiten wir intensiv und setzen entsprechende Kapazitäten frei, damit diese Projekte zielgerichtet verfolgt werden können. Abgesehen von all diesen Dingen nehmen wir aber auch die Chancen, die die Digitalisierung bieten kann, in den Blick. Hier fangen wir aber erst an uns das Thema genauer anzusehen.

Aber auch losgelöst von den klassischen Einsatzgebieten der Fliese, sehen wir Potentiale in völlig neuen Anwendungsbereichen mit innovativen Produktentwicklungen zusätzliche Umsätze zu generieren.

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