So bleiben Fliesen- und Natursteinböden dauerhaft schadensfrei

Richtig entkoppeln mit Schlüter-Systems

Eine fachgerecht verlegte Entkopplungsschicht sorgt dafür, dass keramische Fliesen- und Natursteinböden dauerhaft schadensfrei bleiben. Rainer Reichelt, Leiter International Technical Network bei Schlüter-Systems, erklärt im Folgenden die genaue Funktionsweise eines solchen Aufbaus.

Estrichfachleute wissen seit langem, dass schwimmende Estriche über Dämmschichten während ihrer Aushärtungsphase schwinden. Das wird zum einen durch die Abgabe des überschüssigen Wassers und zum anderen durch chemische Reaktionen der Bindemittel ausgelöst. Speziell bei zementgebundenen Lastverteilungsestrichen kann diese Schwindung bis zu 1 mm pro Meter betragen. Mit den immer höheren Anforderungen an die Estrichqualität in Bezug auf Biegezug- und Druckfestigkeit ist der Zementanteil im Estrich über die letzten Jahrzehnte kontinuierlich gestiegen. Heutige zementäre Lastverteilungsschichten erfahren eine so genannte Spät- bzw. chemische Schwindung, die schon unter Laborbedingungen bis zu 200 Tage dauern kann – auf der Baustelle mit Sicherheit noch länger. Ein Fliesen- oder Natursteinbelag wird aber nach heute gültigen Regelwerken bereits nach 28 Tagen Trocknung auf einem Estrich verlegt, wenn dessen Restfeuchte ≤ 2 CM-% beträgt.

Ecken der Estrichfläche sinken nach unten

Daraus ergibt sich folgendes Problem: Wenn der Estrich nach der Verlegung eines solch starren Oberbelags weiter schwindet, der Belag aber nicht, verformt sich diese Konstruktion zwangsläufig. Ganz konkret sinken die Ecken der Estrichfläche nach unten und die Silikonfugen zwischen Belag und Sockel reißen ab – ein typisches Bild, das sich in der Regel nach ungefähr neun Monaten oder einem Jahr einstellt. Diese konvexe Verformung erzeugt erhebliche Scherspannungen zwischen Estrich und Belag, die vielfach zu Schäden in der Konstruktion bis hin zu Rissen führen. Auch bei der späteren Nutzung treten Formveränderungen in der Konstruktion auf, insbesondere durch unterschiedliche Temperaturen in beheizten Fußbodenkonstruktionen. Ein Fliesenbelag dehnt sich pro Grad Temperaturdifferenz um 0.007 mm/m aus, ein zementärer Estrich allerdings um 0,012 mm/m, also fast doppelt so stark. Dadurch kommt es wiederum zu erheblichen Scherspannungen in der Konstruktion, die den Oberbelag beschädigen bzw. ablösen können.

Die Verbundentkopplung hat sich in zahlreichen Anwendungen bewährt – hier ein Beispiel aus einem Autohaus. Foto: Schlüter-Systems

Was ist Entkopplung?

Im Zusammenhang mit der Verlegung von Keramik oder Naturstein ist der Begriff „Entkopplung“ in Deutschland und Europa bisher nicht einheitlich definiert worden. Daher werden auch Produkte, die zum Beispiel als Trennlage wirken oder als Plattenmaterial eine eigenständige Tragschicht bilden, als Entkopplungslösungen angeboten. Aus technischer Sicht kann aber eine Entkopplung nur funktionell sein und als solche bezeichnet werden, wenn Spannungen effektiv im System abgebaut werden. Wenn ein Produkt schwimmend bzw. lose gelagert ist, entsteht erst gar keine Spannung – somit kann ein solches System nicht als Entkopplung, sondern muss mit all ihren Eigenschaften – z.B. geringere Belastbarkeit oder Hohlklang – als separate Schicht betrachtet werden.

Die im Markt befindlichen/erhältlichen Verbundentkopplungen sind so beschaffen, dass mit einem geeigneten Kleber und Dünnbettmörtel ein ausreichender Verbund zwischen Untergrund, Entkopplung und dem Oberbelag erreicht wird. Dadurch werden Scherspannungen zwischen dem Untergrund und dem starren Oberbelag aus Keramik oder Naturstein innerhalb des Entkopplungssystems kompensiert. Das bedeutet: Formveränderungen in der Lastverteilungsschicht werden nicht an den Bodenbelag weitergegeben. Ein weiterer Vorteil einer solchen echten Entkopplungsschicht: Sie dient als Dampfdruckausgleich und ermöglicht die Verlegung der Fliesen oder Platten, sobald der Estrich begehbar bzw. „noch nicht trocken“ ist (bei Calciumsulfatestrichen sogar ab 2 CM-% Restfeuchte). Dem zementären Estrich steht somit für einen längeren Zeitraum Feuchtigkeit zur Verfügung, sodass er eine höhere Festigkeit aufbauen kann und die Schwindung wesentlich geringer ausfällt. Darüber hinaus entsteht natürlich ein deutlicher Zeitvorteil auf der Baustelle gegenüber der üblichen langen Trocknungszeit.

Die heutigen Verbundentkopplungssysteme dürfen auch als bahnenförmige Abdichtung im Verbund eingebaut werden und verfügen über ein in Deutschland gefordertes allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis (abP). Darüber hinaus besitzen sie auch eine europäische Zulassung (ETA = European Technical Assessment) sowie ein Ü- bzw. CE-Kennzeichen. Als Verbundabdichtung sind sie auch in die DIN 18534, Teil 5 eingebunden: Abdichtung mit bahnenförmigen Abdichtungsstoffen im Verbund mit Fliesen und Platten (AiV-B). Auch auf internationaler Ebene (ISO = International Standard Organization) wird aktuell an einem entsprechenden Normenwerk für Verbundentkopplungen gearbeitet. Und der Fachverband Fliesen & Naturstein hat gemeinsam mit dem Euro-FEN (Sachverständigenkreis Fliesen Estrich Naturstein) das Merkblatt Nr. 8 zu diesem Thema veröffentlicht. Damit entsprechen Verbundentkopplungen den allgemein anerkannten Regeln der Technik.

Die auf Maß geschnittenen Bahnen der Entkopplungsmatte werden mit dem Trägervlies in den Fliesenkleber gebettet und vollflächig eingedrückt. Foto: Schlüter-Systems

Universelle und praxiserprobte Entkopplungsmatte

Mit Schlüter-Ditra 25 steht Verarbeiter*innen seit mehr als 30 Jahren ein patentiertes und praxisbewährtes System zur Verbundentkopplung zur Verfügung. Ditra 25 neutralisiert unterschiedliche Scherspannungen und entkoppelt Fliesen oder Natursteinplatten sicher vom Untergrund. Die Bahn aus Polyethylen verfügt über ein Trägervlies auf der Rückseite und kann Risse im Untergrund bis zu einer Breite von 2 mm überbrücken, ohne dass diese sich in den Fliesenbelag übertragen. Unmittelbar nach dem Verkleben der Bahn können die Fliesen im Dünnbettverfahren verlegt werden. Dabei ist darauf zu achten, die quadratischen Vertiefungen der Matte zu füllen, wenn der Dünnbettmörtel mit dem Zahnspachtel aufgetragen wird. Zwischen den quadratischen Vertiefungen der Entkopplungsmatte befinden sich kommunizierende Luftkanäle – dank ihnen dient sie auch als Dampfdruckausgleichsschicht bei der Verlegung auf feuchten Untergründen. Die Luftkanäle zeichnen sich außerdem auch bei beheizten Fußbodenkonstruktionen wie dem Keramik-Klimaboden Schlüter-Bekotec-Therm aus. Hier sorgen sie für eine schnelle und gleichmäßige Wärmeverteilung unter dem Fliesenbelag.

Die guten lastabtragenden Eigenschaften der Matte gewährleisten, dass Verkehrsbelastungen sicher in den Untergrund abgeleitet werden. Daher halten auf der Ditra 25 verlegte Fliesen auch hohen Belastungen dauerhaft stand. Mit der Entkopplungsmatte entsteht also ein attraktiver und langlebiger Fußboden aus keramischen Fliesen oder Natursteinplatten. Diese Kombination hat sich seit über 30 Jahren in zahllosen Anwendungen bewährt – vom privaten Badezimmer mit wenigen Quadratmetern Fläche bis hin zu Großobjekten wie Autohäusern, Einkaufszentren, dem Düsseldorfer Hauptbahnhof oder dem Eiffelturm in Paris. Alle Informationen rund um die Verbundentkopplung Ditra 25 inklusive des Produktdatenblatts bietet die Internetseite https://www.schlueter.de/ditra_25.aspx.

Die Verbundentkopplung Schlüter-Ditra 25 neutralisiert Spannungen zwischen dem Untergrund und dem Fliesen- oder Natursteinbelag. Foto: Schlüter-Systems

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