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“Leidenschaft und Authentizität im täglichen Geschäft”

Ströher Geschäftsführer Patrick Schneider im Gespräch mit 1200Grad

Ströher überraschte in diesem Jahr mit gleich zwei Meldungen: Im Mai dieses jahres verkündete man, dass mit Wirkung zum 1. Juli 2019 die geschäftsführenden Gesellschafter, Gerhard Albert und Patrick Schneider, ihre verbliebenen Anteile an der Ströher GmbH in Höhe von 49,9 % an die STO SE & Co. KGaA mit Sitz in Stühlingen verkauft haben. Ende Juli dann die News, dass Ströher 2019 nach dreijähriger Abstinenz in Bologna auf der Cersaie ihr Comeback feiert und mit ihren Marken Ströher, Gepadi und Ströher Living wieder auf der weltweit größten Fachmesse für Keramik, Fliesen und Badezimmer-ausstattung ausstellt. Gründe genug, uns mit Ströher Geschäftsführer Patrick Schneider zu unterhalten.

Unsere Video-News zu diesem Thema (Interview mit Patrick Schneider):

Herr Schneider, seit einiger Zeit verantworten Sie allein die Geschäftsführung von Ströher. Bleibt das so?

Patrick Schneider:  Wir haben in der Kommunikation zur Anteilsübernahme und zum Ausscheiden von Gerhard Albert im Mai bereits erklärt, dass wir weiterhin auf eine bewährte Doppelspitze in der Geschäftsführung der Unternehmensgruppe setzen. Die alleinige Verantwortung meiner Person in der Geschäftsführung ist somit vorübergehend geplant. Wir werden in der Ströher Gruppe zeitnah einen zweiten Geschäftsführer etablieren, der die Bereiche Produktion, Financial und Verwaltung verantwortet. Hier befinden wir uns mit potenziellen Kandidaten in abschließenden Gesprächen, sodass wir in Kürze einen adäquaten Nachfolger für Gerhard Albert präsentieren werden. Zukünftig werde ich als Geschäftsführer markenübergreifend den gesamten Vertrieb, Inland und Export sowie das Marketing und das Produktmanagement verantworten.

Seit der Übernahme durch Sto ist das Ströher Fassadengeschäft bzw. der Klinker- und Riemchenverkauf stark gewachsen. Worauf ist das zurückzuführen?

Patrick Schneider: Das Wachstum in diesem Produktsegment ist nicht allein auf die Übernahme durch Sto zurückzuführen, sondern hat, so könnte man sagen, diesen Anteilserwerb erst möglich gemacht. Als klassischer Extrudier-Spezialist haben wir uns neben der stranggezogenen Bodenkeramik schon früh mit Klinkerriemchen beschäftigt und über die Jahre ein attraktives und innovatives Klinkersortiment entwickelt. Das war und ist weiterhin für Sto und auch andere Industriekunden ein wesentlicher Grund, um mit uns im Fassadengeschäft zusammenzuarbeiten. Was ganz sicherlich wichtig in der Entwicklung dieses Geschäftsbereichs war, ist, dass wir durch Sto einen exzellenten Marktzugang im Projektgeschäft erhalten haben. Diesen hätten wir mit unserer klassischen Vertriebsorganisation im Fachhandel nicht so einfach aufbauen können. Der Sto Vertrieb ist früh in die jeweiligen Projektphasen involviert, und durch die enge Verzahnung mit unseren Key-Account-Mitarbeitern nutzen wir hier gemeinsam die daraus entstehenden Umsatzpotenziale.

Was ganz sicherlich wichtig in der Entwicklung dieses Geschäftsbereichs war, ist, dass wir durch Sto einen exzellenten Marktzugang im Projektgeschäft erhalten haben.

Ströher ist erst vor einigen Jahren stärker in das Geschäft mit Wohnkeramik eingestiegen und hat mit Gepadi dafür eine eigene Marke geschaffen. Wie hat sich Gepadi seitdem entwickelt?

Patrick Schneider: Seit der Gründung 2009 haben wir Gepadi von einem Start-up kontinuierlich zu einer der etablierten Wohnkeramik-Marken in Deutschland entwickelt. Heute ist das Unternehmen ein integraler Bestandteil der Ströher Gruppe und somit ein wichtiger Umsatz- und Ergebnisträger. Unsere Sortimente in der Wohn- und Architekturkeramik liefern weiterhin eine sehr gute Performance. Auch in diesem Jahr wachsen wir trotz des schwierigen Marktumfelds im deutschen Fliesenfachhandel deutlich.

Unsere Sortimente in der Wohn- und Architekturkeramik liefern weiterhin eine sehr gute Performance. Auch in diesem Jahr wachsen wir trotz des schwierigen Marktumfelds im deutschen Fliesenfachhandel deutlich.

Wie schafft man es, in einem gesättigten Markt mit einer neuen Marke so erfolgreich Fuß zu fassen?

Patrick Schneider:  Dieser Weg war kein einfacher, das können Sie mir glauben. Aber zusammen gefasst würde ich sagen, dass „Differenzierung“ das richtige Stichwort ist. Das gelingt heutzutage nicht über den Hebel „Produkte“, wie Sie mir sicherlich zustimmen können. Dennoch haben wir viele Dinge einfach anders gemacht.

Dazu gehören natürlich ein zeitgemäßes Vertriebskonzept inklusive Vermarktungsunterstützung, Bemusterung oder ein funktionierendes Servicekonzept. Aber das, was uns wirklich stark macht, ist unsere Leidenschaft und Authentizität im täglichen Geschäft. Wir möchten, dass unsere Handelspartner Freude an der Zusammenarbeit mit uns entwickeln. Kundennähe, Kundenverständnis und Berechenbarkeit sind hier wichtige Faktoren. Heute pflegen wir mit zwölf kompetenten Außendienstmitarbeitern in Deutschland sehr gute und persönliche Beziehungen zu unseren Kunden.

Aber das, was uns wirklich stark macht, ist unsere Leidenschaft und Authentizität im täglichen Geschäft.

In diesem Jahr nimmt Ströher wieder an der Cersaie in Bologna teil. Was hat Sie dazu bewogen?

Patrick Schneider:  Die Cersaie wird zukünftig neben der Bau in München wieder zu unserem festen Messekalender gehören. In der Vergangenheit waren wir mit der Marke Ströher als Extrudierer und reiner Nischenanbieter in Bologna präsent. Heute hat sich die Ströher Gruppe zu einer starken, internationalen Keramik-Gruppe mit unterschiedlichen Marken, keramischen Produktsegmenten und Vertriebskonzepten entwickelt und etabliert. Deswegen werden wir erstmalig auch mit der gesamten Unternehmensgruppe markenübergreifend auf der weltweit größten Fachmesse vertreten sein. Zudem setzen wir im Multi-Channel-Vertrieb vor allem auf den Fachhandel für den Vertrieb unserer Wohn- und Outdoorkeramik sowie Klinker. Für den deutschen Fachhandel und international ist und bleibt die Cersaie die Leitmesse. Aber auch die gestiegene Attraktivität der Messe für Architekten und Planer sowie die hohe Internationalität machen die Cersaie für uns im Gesamtpaket zur idealen Präsentations- und Dialogplattform unserer gesamten keramischen Produkt- und Anwendungskompetenz. Insbesondere möchten wir mit unserer Wohnkeramikmarke Gepadi verstärkt die Internationalisierung vorantreiben, denn aktuell sind wir mit dieser Marke ausschließlich im deutschen Markt aktiv. Damit bieten sich für uns in Bologna äußerst interessante Perspektiven.

Insbesondere möchten wir mit unserer Wohnkeramikmarke Gepadi verstärkt die Internationalisierung vorantreiben…

Sie werden in Bologna ein Konzept vorstellen, wie sich die Produktbereiche Klinker und Wohnkeramik miteinander verbinden lassen?

Patrick Schneider:  In der Tat werden wir auf der Cersaie dem Fachhandel ein Vermarktungskonzept für Klinkerriemchen in Verbindung mit Wohnkeramik vorstellen. Damit lassen sich unserer Meinung nach zusätzliche Keramik-Flächen in Wohnbereichen zurückgewinnen, die in den letzten Jahren verlorengegangen sind. Schauen Sie, Klinkerriemchen sind als hochwertige und attraktive Fassadenverkleidung aus der modernen Fassadengestaltung zeitgenössischer Architektur nicht mehr wegzudenken. Aber auch bei der Gestaltung von Innenwänden liegen Klinkerriemchen im Trend und setzen völlig neue Akzente. Ein teilverklinkerter Bereich oder eine ganze Wand werden so zum absoluten Eyecatcher. Anwendungsmöglichkeiten mit diesem Baustoff gibt es viele, zumal sich die Verarbeitung mit der von Fliesen vergleichen lässt. Dieses Potenzial möchten wir gemeinsam mit dem Fachhandel und Verarbeitern nutzen und bieten daher ein ganzheitliches Konzept zur differenzierten Zielgruppenansprache mit verschiedenen Verkaufspräsentationen und Bemusterungstools, Schulungen für Handel und Verarbeiter, Praxis-Videos, Endverbraucherkommunikation sowie Online- und Social-Media-Aktivitäten.

Aber nicht nur Klinkerriemchen stehen im Fokus. Wir stellen für alle Produktbereiche und Marken interessante Neuheiten in Bologna vor. Bei Gepadi stehen neue Serien, neue Oberflächen und neue Produkt-Upgrades im Fokus. Ich verrate Ihnen sicherlich nicht zu viel, wenn ich sage, dass es auch um Formate und Materialstärken geht. Bei Ströher stellen wir für den Anwendungsbereich Terrassen und Balkone eine neue grobkeramische Bodenserie vor.

Wir stellen für alle Produktbereiche und Marken interessante Neuheiten in Bologna vor.

Sie haben mir einmal erzählt, dass Sie pro Jahr ca. 100.000 km mit dem Auto unterwegs sind. Das lässt auf eine intensive Kundenbetreuung schließen. Reisen Sie immer noch so viel?

Patrick Schneider: (lacht) Aufgrund meines aktuellen Aufgabenprofils als alleiniger Geschäftsführer der Ströher Gruppe sind es sicherlich ein paar Kilometer weniger, aber dennoch liegt mein Durchschnitt weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Mir war und ist es weiterhin sehr wichtig, den persönlichen Kontakt zu unseren Kunden zu pflegen und an vorderster Front zu arbeiten. Ich denke, das schätzen auch unsere Partner.

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