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Keramik-Allrounder mit Tradition

Interbau Blink betreibt mit GIGA-Line eines der modernsten Feinsteinzeugwerke für Großformate

Understatement ist laut Wörterbuch eine Untertreibung. Wenn es im Keramikmarkt ein Beispiel für Understatement gibt, dann ist das die Firma Interbau Blink. Das kleine Unternehmen aus dem Westerwald hat sich inzwischen still und heimlich zu einem der wichtigsten deutschen Fliesenhersteller emporgearbeitet, der zudem einen der modernsten Fliesen-Produktionsstandorte in ganz Europa vorweisen kann.

Vidoe-Interview mit Geschäftsführer Michael Dickopf:

Auf einer GIGA-Line Großformat Fliese ist im Eingangsbereich die Firmengeschichte skizziert.

Doch der Reihe nach, denn eigentlich steckt in den Firmengenen von Interbau Blink auch eine gehörige Portion Tradition. Bereits vor über 100 Jahren wurden die heute unter dem Firmennamen Alois Korzilius Interbau und Bernhard Link bekannten Unternehmen gegründet. Link und Korzilius standen im Westerwald Jahrzehnte lange für robuste Spaltplattentechnik, die in traditionellen Tunnelofen-Anlagen gebrannt wurden. Eine Technik, die heute angesichts von Digitaldruck und Einbrandverfahren wie ein Dinosaurier aus einem anderen Zeitalter anmutet.

Da die Familie Korzilius keinen Nachfolger für den Familienbetrieb hatte, gingen nach dem Tod von Uta Korzilius-Kern im Jahre 1989 die Gesellschafteranteile des Unternehmens an die Uta Korzilius-Kern Stiftung über. Dabei handelt sich um eine rechtsfähige, öffentliche Stiftung des bürgerlichen Rechts, die dem Gemeinwohl dient und diesem dauerhaft per Satzung verpflichtet ist. Ein Teil der Unternehmens-Gewinne von Interbau Blink fließt weiterhin in die Stiftung, die sich u.a. in der Krebsforschung engagiert. Ein Firmenkonstrukt, das sicherlich in der Fliesenbranche seinesgleichen sucht.

Im Jahre 1999 erfolgte schließlich der Zusammenschluss mit Blink zu einem gemeinwirtschaftlichen Unternehmen. In den Folgejahren etablierte sich Interbau Blink mit stranggezogener Grobkeramik im Markt, die vornehmlich im Industriebau und bei Schwimmbädern zum Einsatz kam. Doch der Markt für Wohnkeramik entwickelte sich mit der Feinsteinzeug-Technik rasant in neue Richtungen. Im Jahr 2017 bewies Interbau Blink dann unternehmerischen Mut und investierte 22 Mio. Euro in eine neue Feinsteinzeug-Produktionslinie für Großformate, die ihre Produkte seitdem unter dem Markenamen GIGA-Line vermarktet.

Beispiel aus dem Wohnkeramik-Segment: Serie Columbia.

Mutige und kluge Investition

Eine nicht nur mutige, sondern auch kluge Entscheidung, denn die Anlage gehört mit einer Jahreskapazität von 2 Mio. Quadratmetern, Rektifzier-Technik und zeitgemäßem Digitaldruck zu den modernsten ihrer Art. Mit ihr können die aktuell sehr gefragten Großformate bis zu  3,20 x 1,20 m hergestellt werden. Vor allem aber ermöglicht sie eine überaus flexible Herstellung. So fächert sich das Portfolio aktuell in die Säulen

–               GIGA-Line (mit den Serien Empire, Catwalk, Classic Oak, Detroit, Columbia und Cleveland),

–               den Bereich Wohnkeramik mit Feinsteinzeugserien für Wand und Boden in diversen Farben und Designs,

–               Schwimmbad-Keramik (Spezial-Keramik mit Sonder-Formteilen, die auch im Denkmalschutz zum Einsatz kommen) sowie

–               Architektur-Keramik (Fassadenplatten aus Feinsteinzeug, Feinsteinzeug-Riemchen. Grobkeramik für den Industriebau) auf.

Das Feinsteinzeug kommt auch an der Fassade zum Einsatz.

Die Wohnkeramik nimmt dabei mit 65 % am Umsatz den größten Anteil ein. So hat sich das Unternehmen von einem ehemaligen Spezialisten für extrudierte Keramik inzwischen zu einem anerkanntem Hersteller für Wohnkeramik aus trocken gepressten Feinsteinzeug-Fliesen entwickelt.

Geschäftsführer Michael Dickopf und sein Team setzen dabei stark auf Innovationen. So war Interbau Blink einer der ersten Hersteller in Deutschland, die die angesagte Digitaldruck-Technik einsetzen. Auch die Anlage zum Kalibrieren großformatiger Feinsteinzeugfliesen gehörte zu den ersten ihrer Art zwischen Flensburg und Bodensee. Aktuell verweist Dickopf in Sachen Innovationen auf das neue, digital bedruckte Riemchen-Programm. Effekte, die ehemals über die Feuerverflammung erzielt wurden, werden heute effektvoll aufgedruckt.

Keramische Kompetenz ist vor der Haustür

Seine  keramische Kompetenz holt sich Interbau Blink quasi vor der Haustür, denn die Westerwälder Fachschulen für Keramik-Ingenieure sind quasi Nachbarn. Auch sonst spielt der Standort Westerwald seine Vorteile aus, denn die einheimischen Tongruben sind ebenfalls nur einen Katzensprung entfernt. „Wir achten zunehmend auf die Nachhaltigkeit in unseren Produktionsprozessen und dabei sind kurze Transportwege für die  Rohstoffe auch ein wichtiger Faktor“, so Dickopf.

Im Bereich Großformate aus Feinsteinzeug gibt es eine Menge internationale Konkurrenz. Wie schafft es ein kleines Unternehmen aus dem Westerwald sich gegen die großen Werke aus Spanien und Italien durchzusetzen? „Bei den Preisen sind wir sicherlich so attraktiv wie die Italiener und Spanier“, so Dickopf selbstbewusst. Neben dem breiten Produktportfolio und der flexiblen Produktion verweist Vertriebsleiter Klaus Klasen auch auf die Produktvorteile der GIGA Line. „Wir haben eine andere Massenzusammensetzung als die ausländischen Hersteller bei unserem Feinsteinzeug. Unser erhöhter Tonanteil führt zu einer guten Schnittstabilität und einer ausgezeichneten Planebenheit der Großformate, was insbesondere die Verarbeiter zu schätzen wissen.“ Darüber hinaus hat Interbau Blink in der Vergangenheit in Zusammenarbeit mit den Handelspartnern massiv in Schulungen investiert.

Selektive Vermarktung

Der Vertrieb erfolgt ausschließlich über den qualifizierten Fliesen-Großhandel, wobei Interbau Blink dabei zum Teil selektiv vorgeht. „Individuelle Produktserien für die Handelspartner sorgen für Margen-Sicherheit“, so Klasen. Bei der Vermarktung stehen die Hausmessen der Handelspartner im Mittelpunkt. Darüber hinaus bieten die Westerwälder ihren Kunden ein breites Spektrum an Musterschränken und Präsentationsmöglichkeiten, die immer individuell auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten werden. Dabei spielen auch digitale Präsentationsformen, wie sie z.B. von Hauff angeboten werden, eine immer wichtigere Rolle.

Verkaufsständer Feinsteinzeugfliesen im Holzlook.

Im Ausland weiß man die Produkte von Interbau Blink ebenfalls zu schätzen. Rund 28% des Umsatzes werden außerhalb des Heimatmarktes erzielt. Vor allem mit der Schwimmbad-Keramik und den Industrieböden ist man in Russland, Australien, Südafrika und auch China erfolgreich. Zusammen mit Steuler zeichnete Interbau Blink auch für diverse olympische Schwimmstätten verantwortlich, zuletzt in Tokio. Die Olympiade wurde zwar wegen Corona verschoben, aber die Schwimmbecken mit der Keramik aus dem Westerwald waren pünktlich einsatzbereit.

Schwimmbad-Keramik mit passenden Formteilen sind eine der Stärken von Interbau Blink.

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