Deutsche Fliesenindustrie verliert große Marktanteile im Inland

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Foto: Hansa UB
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Seit vielen Jahren beleuchtet Carlo Cit von der Hansa Unternehmensberatung aus Norddeutschland den deutschen und internationalen Fliesenmarkt. Seine Zahlen und Prognosen gelten als wichtiges Stimmungsbarometer der Branche. Für 1200Grad veröffentlicht der Fliesenexperte exklusiv die Entwicklungen des Marktes. So dramatisch wie aktuell hat er die Situation der deutschen Fliesenhersteller aber bislang noch nie beurteilt. Sein jüngstes Fazit: In der letzten Dekade hat die deutsche Fliesenindustrie große Marktanteile im Inland an ausländische Produzenten verloren, obwohl der Markt seit 2009 wieder erheblich gewachsen ist. Profitiert haben davon nur die ausländischen Produzenten – insbesondere die Italiener.

Wie bekannt, hat die deutsche Fliesenindustrie in den letzten Jahren erhebliche Marktanteile im Inland verloren. Wurden 2005 noch rd. 47 Millionen Quadratmeter von den Mitgliedern des Bundesverbandes Keramische Fliesen e.V. im Inland abgesetzt, waren es 2015 nur noch 28,3 Millionen Quadratmeter. Dies entspricht einem Rückgang von rd. 40 %, obwohl sich das Absatzvolumen im deutschen Markt von 2005 bis Ende 2016 um ca. 25,5 Millionen Quadratmeter wesentlich verbessern wird.

Auch im 1. Halbjahr 2016 ging der Absatz der Mitglieder des Bundesverbandes um 1,95 % zurück. Das Absatzvolumen ist aber in dem vorgenannten Zeitraum um 4,5 % gestiegen. Besonders negativ verlief der Monat Juli 2016 mit einem Absatzminus von 6,2 %. Ein Lichtblick: Im August gab es ein Umsatzplus von 7,6 % (im Vergleich zum August 2015).

Schon im 1. Halbjahr 2015 ging das Absatzvolumen um 11,5 % zurück, im Vergleich zum 1. Halbjahr 2014. Das heißt, der Negativtrend hält seit Jahren unvermindert an.

Nachfolgend die Absatzentwicklung Inland der Mitglieder des Bundesverbandes Keramische Fliesen e.V.:

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Seit 2005 ist der Absatz kontinuierlich zurückgegangen und konnte bis heute nicht gestoppt werden.

Dazu Carlo Cit: „Der Bundesverbandes Keramische Fliesen e.V. hat in den letzten Jahren seinen Mitgliedern kaum eine Hilfestellung im Markt geben können, weil keine strategischen Konzepte vorliegen, damit die „deutsche Fliese“ wieder Marktanteile zurückgewinnen kann. Die führenden Produzenten verfolgen ihre eigenen Marktstrategien, ohne Abstimmung mit dem Bundesverband. Der Bundesverband ist personell viel zu schwach besetzt, um die Aufgaben eines Bundesverbandes wahrnehmen zu können.“

Nach Ansicht von Cit haben die großen Produzenten, die noch nicht mit anderen Unternehmen kooperieren, in Zukunft nur noch Chancen im Verbund mit leistungsstarken, international agierenden und finanzstarken Gruppen aus der ausländischen Fliesenindustrie, oder Investoren aus Deutschland oder dem Ausland (siehe Villeroy & Boch, Ströher). Eine Ausnahme bildet die Steuler-Gruppe mit einem guten finanziellen Background.

Fachhandel und Fliesenindustrie müssen sich zusammensetzen

Cit weiter: „Weil auch der Fachhandel von dieser Entwicklung betroffen ist, sollten sich der Fachhandel und die Fliesenindustrie zusammensetzen und Wege bzw. Strategien entwickeln, wie man gemeinsam eine nachhaltige Verbesserung herbeiführen kann, von der beide Marktteilnehmer profitieren. Dieser Weg, wenn er überhaupt beschritten wird, wird nicht einfach sein, weil man in der Vergangenheit viele Chancen nicht genutzt hat.

Man muss aber auch ganz klar feststellen, dass es ohne die deutsche Fliesenindustrie auch nicht geht. Nur die ausländischen Produzenten, aus welchen Gründen auch immer, zu bevorzugen, dürfte auf Dauer nicht erfolgreich sein.

Ich weiß nicht, was noch passieren muss, damit sich die führenden Manager aus Handel und Industrie zusammensetzen und Maßnahmen und Strategien entwickeln, damit die „deutsche Fliese“ wieder den Stellenwert bekommt, den sie über Jahrzehnte hatte. Hier ist der Bundesverband Keramische Fliesen e.V. im besonderen Maße gefordert, den VDF in strategische Konzepte, die gemeinsam erarbeitet werden müssen, mit einzubinden.

Ich bin mir bewusst, dass dieser Artikel im Markt positiv wie negativ aufgenommen und erhebliche Reaktionen auslösen wird. Aber genau das will ich erreichen, damit beide Marktteilnehmer sich Gedanken darüber machen, wie sie ihre Zukunft gemeinsam gestalten wollen.“

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