Nun hat es doch nicht mehr gereicht: Alle potenziellen Investoren sind abgesprungen, das Fliesen-Zentrum steht vor dem endgültigen Aus. Damit verschwindet einer der größten und renommiertesten Fliesengroßhändler Deutschlands vom Markt.
Für das Scheitern lassen sich zahlreiche Gründe anführen. Corona, der Ukraine-Krieg, die Energiekrise und die Stagnation im Wohnungsbau haben die gesamte Fliesenbranche erheblich belastet. Diese Marktfaktoren haben auch am Fliesen-Zentrum nicht spurlos vorbeigeführt.
Wer allerdings innerhalb von zwei Jahren zwei Insolvenzverfahren durchläuft – das erste wurde bereits 2024 eröffnet – und am Ende keinen Investor für einen Neustart findet, muss sich auch mit den eigenen unternehmerischen Entscheidungen auseinandersetzen. Mit der Einführung eines neuen SAP-Systems und dem Bau der Niederlassung in Föhren hatte sich die Inhaberfamilie Friedrich möglicherweise finanziell übernommen. In einem Interview mit 1200Grad bezeichneten die damaligen Geschäftsführer und Inhaber Johannes und Lukas Friedrich die Situation noch als „richtig investiert zur falschen Zeit“. Rückblickend stellt sich jedoch die Frage, ob die Investitionen und ihre finanziellen Folgen ausreichend realistisch eingeschätzt wurden. Dass sich letztlich kein Investor zu einem Einstieg entschloss, zeigt zumindest, wie schwierig die Perspektiven für eine Fortführung des Unternehmens eingeschätzt wurden.
Dabei setzte die Familie weiterhin auf einen Neuanfang und investierte nach eigenen Angaben erheblich in den Neustart. „Wir bereiten uns weiterhin auf schwierige Zeiten vor, haben allerdings die Möglichkeit, durch unsere Infrastruktur in einem zukünftig wachsenden Markt wieder problemlos zu skalieren“, hieß es damals im Interview – eine optimistische Einschätzung der eigenen Zukunftsaussichten.
Im Markt wurde diese Selbstsicherheit allerdings nicht überall geteilt. Aus Handel und Industrie waren wiederholt kritische Stimmen zu hören. Lieferanten und Industrievertreter berichteten von schwierigen Verhandlungen mit dem Unternehmen. Wettbewerber aus dem Handel kritisierten zudem die teilweise aggressive Preispolitik des Fliesen-Zentrums, vor allem in Ost-Deutschland.
Welche Rolle diese Geschäftspolitik für die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens spielte, lässt sich von außen kaum abschließend beurteilen. Fest steht jedoch, dass schwierige Marktbedingungen allein nicht immer erklären, warum ein Unternehmen scheitert. Auch Investitionsentscheidungen, Finanzierung und die Zusammenarbeit mit Lieferanten und Geschäftspartnern können entscheidend sein. Der Fall Fliesen-Zentrum zeigt, wie wichtig es ist, Marktchancen und wirtschaftliche Risiken sorgfältig gegeneinander abzuwägen.





