Geschäftsführer Dr. Albrecht Kumpmann, Geschäftsführer Karl-Heinz Fabel, Marketingleiter André Steiner und Geschäftsführer Stefan Zeidler (v.l.n.r.) im Showroom für Produktentwicklungen. Fotos: Redaktion

Norddeutsche Steingut AG: Flexibel in die Zukunft

Bereits vor kurzem hatten wir im Rahmen eines Werkbesuches bei der Firma Kerateam Gelegenheit, ausführlich über die Aktivitäten der Steuler Fliesengruppe zu berichten (siehe Bericht hier). Nun waren wir bei der Nordceram in Bremerhaven (einer 100 prozentigen Tochter der Norddeutsche Steingut AG)zu Gast, einer der modernsten und leistungsfähigsten Produktionsstätten der deutschen Fliesenindustrie.

Die Norddeutsche Steingut AG kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Seit fast 150 Jahren wird in Bremen Keramik gebrannt. Nach der Gründung des Unternehmens durch Bremer Kaufleute begann man zuerst mit der Produktion von Geschirr und nur drei Jahre später in der Bremer Wandfliesenfabrik mit der Herstellung von Fliesen. Über den Bremer Hafen wurden dazu hochwertige Tone aus Cornwall angeliefert. Die guten Transportmöglichkeiten führten in Norddeutschland zu eine Reihe weitere Gründungen von Fliesenwerken auch anderer deutscher Unternehmen, wie z.B. in Lübeck (Villeroy & Boch) und Boizenburg.

In Bremerhaven steht eines der modernsten Fliesenwerke in Europa

Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem fast alle Werke zerstört wurden oder aufgrund von Rohstoffmangel keine Fliesen produzieren konnten, beschäftigte man sich zunächst mit der Herstellung von Emaille-Produkten, bevor wieder die ersten Fliesen die Tunnelöfen verließen. Im Jahre 1980 folgte mit der Einweihung des ersten Einbrand-Ofens ein technischer Meilenstein. 1997 wurde gemeinsam mit Steuler Kerateam gegründet. 2001 wurden die Steuler Industriewerke Mehrheitsaktionär. Bereits 2002 wurde der Grundstein zum heutigen Werk von Nordceram in Bremerhaven gelegt, das sich logistisch günstig direkt am Hafen befindet und weitere Ausbaureserven an Grundstücken für die Zukunft bereit hält. Auch hier setzte das Unternehmen technische Meilensteine mit der Inbetriebnahme der ersten Inkjet-Anlagen in Deutschland. 2016 geht einer der ersten 10 Produktionslinien weltweit für kontinuierlich gepresstes Feinsteinzeug (Continua-Anlage) in Bremerhaven in Betrieb.

Moderne Continua-Anlage.

Mit den letzten Investitionen lief auch eine Veränderung der Sortimentsstruktur einher. Das Unternehmens reduziert die Kapazität des einstigen Standardformat 33×33 cm und setzte zunehmend auf Großformate. Flexibilität ist nach Auskunft von Geschäftsführer Karl-Heinz Fabel dabei das oberste Gebot. Produktwechsel sind heute innerhalb eines Tages möglich. Allein auf der Continua-Anlage lassen sich diverse Formate und Stärken von 6-20 mm produzieren, die Inkjet- Anlage erlaubt schnelle Designwechsel, außerdem werden immer mehr Produkte rektifiziert.

Gedanken über eine weitere Expansion

Auch bei der Verpackung versucht man effizient und modern zu produzieren. So wird für viele Marken und Formate eine einheitliche Kartonage verwendet, die individuell bedruckt wird. Damit können über zwei Dutzend Produkt-Varianten verpackt werden. Bei der Transportverpackung setzt man statt auf der Branchen üblichen Schrumpffolie auf eine Stretch-Folie, die kein Gas benötigt. So summieren sich auch kleine Verbesserungen zu einem spürbaren Vorteil und man merkt Karl Heinz Fabel seine Begeisterung für technische Verbesserungen förmlich an.

Eine Kartonage für mehrere Serien.

Die 45.000 qm große Hallenfläche ist inzwischen voll ausgenutzt, so daß sich Fabel und sein Team bereits Gedanken über eine weitere Expansion machen. Bis heute wurde bereits die gleiche Summe in das Werk investiert wie damals die Neugründung kostete. Insgesamt flossen rund 75 Mio. Euro in den Standort, in dem 185 Mitarbeiter im 24-Stunden-Betrieb das ganze Jahr über arbeiten. Aktuell umfasst das Werk sechs Produktionslinien mit vier Inkjetdruckern. Die Produktionskapazität liegt bei über fünf Mio. Quadratmetern.

Wie in der Steuler Fliesengruppe üblich beliefert die Nordceram markenübergreifend den gesamten Vertrieb der Gruppe. Die Unternehmen und Marken der Gruppe haben inzwischen einen Vielfalt erreicht, die für Außenstehende nicht immer leicht zu durchschauen ist. Dazu gehören: BW (Bremer Wandplatten), Deutsche Fliese AG, easy by Grohn, Grohn, Joy, Kerateam, Nordceram, Pro, Profikeram sowie Steuler Design und Gres Steuler. Alle Marken bedienen bestimmte Marktsegmente, Qualitäten, Vertriebskanäle und Produktsegmente.

Zumindestens an die Entstehung des Namens Deutsche Fliese (die nichts mit der Verbandskampagne „Deutsche Fliese“ zu tun hat) kann sich Stefan Zeidler, der zusammen mit Dr. Albrecht Kumpmann und Karl-Heinz Fabel als einer von drei Geschäftsführern die Geschicke der NordCeram GmbH leitet, noch gut erinnern: „Wir sind damals auf der Autobahn hinter einem Lastwagen der „Deutschen See“ gefahren und haben uns gedacht, so etwas müsste es auch für den Fliesenbereich geben.“

Die Deutsche Fliese AG deckt den DIY-Bereich der Steuler-Fliesengruppe ab, der allerdings nur ca. 12 % des Umsatzes ausmacht. Mit den Firmen Obi, Hornbach, Bauhaus, Globus und hagebau beliefert man jedoch die großen Player des Marktes. Die Marke Pro konzentriert sich auf das Segment Bodenfliesen, BW bedient den Wand- und Bodenfliesenbereich, Profikeram ist eine Marke der Keramteam und joy dient dazu, beim Vertrieb der Handelsketten besser differenzieren zu können.
Die Norddeutsche Steingut AG bedient vornehmlich den europäischen Binnenmarkt, d.h. 80 % des Exportes gehen in sechs europäische Länder. Zeidler: „Besonders erfreulich entwickelt sich für uns unter anderem der polnische Markt, in dem wir in der Vergangenheit auch zahlreiche Großobjekte realisieren konnten.“

Der Werk steht direkt am Wasser, wie dieses Fotos eindrucksvoll unter Beweis stellt.

Markenübergreifend führt das Unternehmen seit 2011 das Zeichen des Institutes für Bauen und Umwelt e.V. auf den Verpackungen. Das IBU ist eine Initiative von Bauprodukt- und Baukomponentenherstellern, die sich dem Leitbild der Nachhaltigkeit im Bauwesen verpflichten. Das IBU bietet als Herstellervereinigung eine geschlossene Außendarstellung von Umwelt-Produktdeklarationen (EPDs) vom Ökolabel Typ III gemäß ISO- und CEN-Normung. Die Mitglieder kommen aus allen Bereichen der Baustoffindustrie. Geschäftsführer Karl-Heinz Fabel: „Das ist auf eine sehr gute Initiative des deutschen Herstellerverbandes zurückgegangen.“

Background

Die Norddeutsche Steingut AG hat 2016 mit 522 Mitarbeitern Umsatzerlöse von 92,7 Mio Euro erzielt (gegenüber 91 Mio. 2015). Die Bilanzsumme betrug 106 Mio Euro (gegenüber 99 Mio 2015).

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